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BFH-Urteil Steuersparen mit dem Arbeitszimmer bleibt schwierig

Millionen Steuerzahler erledigen einen Teil ihrer Arbeit von zu Hause aus und würden ihr häusliches Arbeitszimmer gern von der Steuer absetzen. Doch der Bundesfinanzhof hält an den strengen Regeln fest.
Update: 27.01.2016 - 13:41 Uhr
Die lahmsten Finanzgerichte des Landes
Platz 1: Niedersachsen
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Das Finanzgericht in Niedersachsen ist in Sachen Tempo Branchenführer in Deutschland. In keinem anderen Bundesland werden die Verfahren in Finanzangelegenheiten so schnell abgearbeitet. Im Schnitt dauert ein Verfahren nur 8,7 Monate*. Insgesamt bearbeitete das niedersächsische Finanzgericht 4.229 Verfahren*. Der Anteil der Verfahren, die zwischen zwei und drei Jahren dauern, ist mit 5,2 Prozent* verschwindend gering. Auch an diesen Wert kommt kein anderes Finanzgericht in Deutschland heran.

*Quelle: Statistisches Bundesamt; Erhebungsjahr 2015

(Foto: dpa - picture-alliance)
Platz 2: Hamburg
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Auch in der Hansestadt werden Finanzverfahren flott bearbeitet. Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt 8,8 Monate. Zwei bis drei Jahre dauernde Prozesse haben lediglich einen Anteil von 5,2 Prozent. Damit legt das Finanzgericht in Hamburg eine überdurchschnittliche Leistung hin. In Deutschland dauern Finanzprozesse im Schnitt 15,1 Monate und Verfahren mit einer Laufzeit von über zwei Jahren haben einen Anteil von rund 13,8 Prozent.

(Foto: Screenshot)
Platz 3: Bremen
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Die zweite bekannte deutsche Hansestadt steht Hamburg beim Tempo der Abarbeitung von Prozessen vor dem Finanzgericht in nichts nach. Nach zehn Monaten sind die Verfahren in Bremen in der Regel beendet. Der Anteil der Prozesse, die bis zu drei Jahre dauern, beträgt 6,9 Prozent.

(Foto: Wikimedia / Creative Commons)
Platz 4: Saarland
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Das Finanzgericht im Saarland hat in der Regel nur wenige Verfahren abzuarbeiten. 2015 waren es gerade einmal 349. Doch die dauern zum Teil ungewöhnlich lange. Über zwei Jahre lang laufende Verfahren kommen auf einen Anteil von rund 14,9 Prozent. Das erhöht die durchschnittliche Verfahrensdauer auf 12,3 Monate.

(Foto: Screenshot)
Platz 5: Schleswig-Holstein
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In Schleswig-Holstein ist die Häufigkeit von Verfahren, die länger als zwei Jahre dauern zwar mit einem Anteil von 8,1 Prozent gering. Insgesamt aber lassen sich die Finanzrichter bei der Bearbeitung Zeit. Die durchschnittliche Dauer beträgt 13,6 Monate.

(Foto: Screenshot)
Platz 6: Thüringen
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Verfahren, die bis zu drei Jahre dauern, haben beim Finanzgericht in Thüringen einen Anteil von 13,6 Prozent. Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt 14 Monate.

(Foto: Screenshot)
Platz 7: Bayern
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Ob Immobilien- und Grundstückpreise oder in der Bundesliga – wenn es um Rankings geht, ist Bayern meist an der Spitze. Doch bezüglich der Verfahrensdauer der Finanzgerichte belegt der Freistaat nur einen Platz im Mittelfeld. Im Schnitt dauert ein Verfahren 14,7 Monate. Verfahren, die zwei bis drei Jahre lang verhandelt werden, kommen auf einen Anteil von 17,9 Prozent.

(Foto: Imago)

München/FrankfurtHeute im Büro, morgen im Homeoffice – in vielen Unternehmen gehört ein flexibler Arbeitsort bereits zum Alltag. Schwer tun sich damit aber noch die Finanzbehörden. Richten sich Beschäftigte zu Hause ein Arbeitszimmer ein, können sie die Kosten nur unter strengen Bedingungen von der Steuer absetzen. Die wichtigste Hürde bisher: Das Arbeitszimmer muss nachweislich nahezu ausschließlich dienstlich genutzt werden.

An dieser Regelung ändert sich auch nach einem am Mittwoch verkündeten Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) nichts. Der Große Senat des obersten Finanzgerichts stellte in einer Grundsatzentscheidung klar, dass ein nur zeitweise für die Arbeit genutzter Raum steuerlich nicht anerkannt wird (Az.: GrS 1/14). „Ein häusliches Arbeitszimmer setzt neben einem büromäßig eingerichteten Raum voraus, dass es ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird“, erklärte der BFH. Auch eine Arbeitsecke in einem Raum, der ansonsten privaten Zwecken dient, wird nicht akzeptiert.

Ein Teilzeit-Arbeitszimmer könne schon allein deshalb nicht anerkannt werden, weil sich nach Ansicht der Richter kaum überprüfen lasse, wie viel Zeit der Arbeitnehmer tatsächlich in dem Raum arbeitet. 20 Prozent seiner gesamten Arbeitszeit, oder doch eher 40 Prozent? Diskutiert haben die Juristen auch über ein Zeitenbuch, in dem der Steuerzahler seine Anwesenheit im häuslichen Arbeitszimmer dokumentiert. Sie sahen darin aber kein geeignetes Mittel. „Da die darin enthaltenen Angaben keinen über eine bloße Behauptung des Steuerpflichtigen hinausgehenden Beweiswert hätten.“

„Für Millionen Steuerzahler ist das Urteil eine Enttäuschung“, sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BDL). „Doch immerhin wurde die Aufteilung von Werbungskosten nicht grundsätzlich in Frage gestellt, bei einer Mischung aus Dienst- und Urlaubsreise bleibt sie zum Beispiel möglich.“ Auch Ausgaben wie Telefonkosten könnten aufgeteilt werden, weil es dafür klare Kriterien gebe.

„Es bleibt alles wie gehabt. Für viele Steuerzahler wird das Arbeitszimmer weiterhin nicht steuerlich absetzbar sein“, kommentierte auch Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. „Die Politik sollte das Urteil aber zum Anlass nehmen, über die Regelungen nachzudenken, schließlich haben sich zahlreiche Bürger beschwert.“ Auch sei fraglich, ob das geltende Recht noch in die flexible Arbeitswelt passe

Strenge Bedingungen bleiben

Geklagt hatte ein Immobilienbesitzer, der sich in seinem Einfamilienhaus ein Arbeitszimmer eingerichtet hatte. Darin kümmerte er sich auch um die Verwaltung seiner vermieteten Mehrfamilienhäuser. Die Kosten für das Arbeitszimmer machte der Mann in seiner Steuererklärung geltend, scheiterte damit aber beim Finanzamt. Der Fall landete vor dem Finanzgericht.

Dieses kam zu dem Schluss, dass der Mann das Arbeitszimmer zu 60 Prozent für die Immobilienverwaltung nutzte. Diese anteiligen Kosten erkannte das Finanzgericht an und stellte sich damit gegen die bisherige Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs. Im Jahr 2013 befasste sich deshalb erneut ein Senat des höchsten Steuergerichts mit der Frage und legte den Fall zur abschließenden Klärung dem Großen Senat vor, der nun seine verbindliche Entscheidung veröffentlicht hat.

Grundsätzlich gilt: Arbeitnehmer müssen nachweisen, dass ihnen für ihre Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht - das betrifft zum Beispiel häufig Lehrer oder Außendienstmitarbeiter. Bei diesem Nachweis können sie Kosten bis zu 1250 Euro pro Jahr geltend machen. Diese Obergrenze gilt nur dann nicht, wenn das Arbeitszimmer nachweislich den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet: Dann können die Kosten in unbegrenzter Höhe in der Steuererklärung angegeben werden. Wer beispielsweise in seiner 100-Quadratmeter-Wohnung ein zehn Quadratmeter großes Arbeitszimmer hat, kann zehn Prozent der Miete oder der Finanzierungskosten für den Immobilienkredit ansetzen sowie auch die anteiligen Kosten für Heizung, Strom und andere Ausgaben.

Auch an die Einrichtung des Raums stellt der Fiskus bestimmte Ansprüche: Das Arbeitszimmer sollte wie ein Büro eingerichtet sein - mit Stuhl und Schreibtisch. Strittig ist unter Steuerfachleuten aber immer wieder die Frage, was die „nahezu ausschließliche berufliche Nutzung“ bedeutet. Darf in dem Raum zum Beispiel ein Bügelbrett stehen? Juristen antworten darauf mit ihrem Lieblingssatz: „Das kommt darauf an.“ Wenn die Wäsche dort täglich gebügelt wird, ist das nicht akzeptabel. Bei einer Bügelstunde pro Monat eventuell aber schon. In der Praxis dürfte dies allerdings schwer zu beweisen sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte das Arbeitszimmer daher für den Fall einer Kontrolle durch die Finanzbehörden so einrichten, dass keine Fragen über eine mögliche private Nutzung aufkommen.

„Für alle, die ihr Arbeitszimmer steuerlich geltend machen wollen, gibt es jetzt nur einen Rat: Sie müssen es in einem abgeschlossenen Raum einrichten, der nicht privat genutzt wird – und sei er noch so klein“, sagt Erich Nöll vom BDL.

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  • ksh
  • dpa
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