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Cum-Ex-Ermittlungen Die Geschäfte des Herrn Mora

Mehrere Staatsanwaltschaften sind dem ehemaligen Aktienhändler Paul Mora auf den Fersen. Er gilt als zentrale Figur in einem Steuerskandal.
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Wichtiges Zentrum im globalen Wertpapierhandel – und Drehscheibe für dubiose Aktiengeschäfte. Quelle: Reuters
Skyline von London

Wichtiges Zentrum im globalen Wertpapierhandel – und Drehscheibe für dubiose Aktiengeschäfte.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Er dachte wohl, er habe sein Refugium gefunden. 2015, als die Ermittlungsbehörden sich in Europa in der milliardenschweren Steueraffäre noch nicht sortiert hatten, investierte der Neuseeländer Paul Mora in die Villa Flora.

Erbaut 1908 vom Zimmermeister und Meisterschützen Johann Bernet-Jossi, gehörte das Gebäude zu den Architekturschätzen im schweizerischen Grindelwald. Die Lokaljournalisten schwelgten von einem Glücksfall.

Mora und seine Frau Katie „wünschten, das Haus im alten Stil zu erhalten“, berichtete die „Jungfrau-Zeitung“. Ein Grindelwalder Architekturbüro sei beauftragt worden, die Jugendstilvilla „behutsam zu renovieren und instand zu setzen“.

So bliebe Grindelwald ein Architekturdenkmal erhalten. Doch groß genießen wird Mora den Prachtbau in absehbarer Zeit wohl nicht. Reisen nach Europa sind für den Neuseeländer inzwischen riskant geworden.

Denn Mora ist einer der Hauptbeschuldigten in der Steueraffäre um Cum-Ex. Banken, ihre Kunden und Mitarbeiter wie Mora sollen den Staat in den letzten 20 Jahren um zwölf Milliarden Euro gebracht haben. Die Methode funktionierte, weil sich mehrere mehrere Akteure Dividendensteuern für ein und dieselbe Aktie erstatten ließen.

Die Staatsanwaltschaften Köln und München führen den Neuseeländer als Beschuldigten, in Frankfurt ist Mora bereits angeklagt. Der Verdacht lautet auf schwere Steuerhinterziehung und bandenmäßigen Betrug. Möglich ist eine Strafe bis zu zehn Jahren Haft.

Sie nannten ihn Cowboy

Als Tatzeit machen die Behörden die Jahre 2004 bis 2011 aus. Mora war damals bereits ein erfahrener Finanzcowboy, so nannten ihn seine Kollegen. Geboren 1967 in New Plymouth, begann Mora seinen Karriereritt 1991 beim japanischen Finanzriesen Sumitomo. Weitere Stationen waren die US-Bank Merrill Lynch und die Schweizer Credit Suisse First Boston.

Am 1. Mai 2004 verdingte sich Mora im Londoner Büro der bayerischen Hypo-Vereinsbank. Er machte als „Head of Equity Finance“ schnell einen gewaltigen Eindruck, nicht nur wegen seiner 120 Kilo Gewicht.

„Vielen war klar, dass die Geschäfte nicht sauber waren“, sagt ein Ex-HVB-Manager. Aber der Neuseeländer sei halt einer gewesen, dem man sich nicht in den Weg stellte. Und weil Mora für die Bank prächtige Profite eintrieb, ließ man den Cowboy gewähren. So wurde Mora bei der HVB reich.

Sein Fixgehalt schwankte zwischen 140.000 und 200.000 Euro, als Bonus bekam er teils mehr als das Vierfache obendrauf, plus rund 300 000 Euro für seine Altersvorsorge. „Mora war ein Rainmaker“, sagt ein Mitarbeiter. „Die Führung hatte Angst, ihn zu verlieren.“

2008 war es so weit. Die Hypo-Vereinsbank hatte einen ganz besonderen Kunden gefangen. Für Rafael Roth, einen sehr vermögenden Berliner Immobilieninvestor, handelte die Bank allein in jenem Jahr Aktien für 6,4 Milliarden Euro – immer mit dem Ziel, den Gewinn aus der Steuerkasse zu nehmen.

Roth betonte später, er habe dies nicht gewusst, zeigte sich aber mit dem Profit zufrieden. Dann belehrte ihn Mora eines Besseren.
„They are fucking you blind“, sagte Mora zu Rafael Roth, so berichtete es später dessen Sohn Yoram der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Investmentbankersind für ihre grellen Sprachbilder bekannt. Dieses sollte bedeuten, dass die HVB ihren Kunden Roth über den Tisch zog. Mora machte ihm ein Angebot.

Der Berliner Investor sollte künftig mit Mora direkt ins Geschäft kommen. Der Neuseeländer war dabei, sich selbstständig zu machen. Ballance Capital hieß seine erste Firma, seine zweite Arunvill Capital.

Geschäftssitz waren die Cayman-Inseln im Karibischen Meer, danach Gibraltar. Roth lehnte ab. Die Rahmenbedingungen seien ihm zu unseriös gewesen, sagte sein Sohn. Als der Vater erfuhr, dass er bei der Hypo-Vereinsbank nur ein Fünftel der abgeschöpften Gewinne erhielt, gab es trotzdem Ärger.

Mora war da schon weitergezogen. Bereits 2008 schloss er eine Investment-Partnership mit der M.M. Warburg Bank aus Hamburg. Gewinne sollten geteilt werden. Ein Banksprecher sagt dazu: „Von den Partnern wurde uns stets vermittelt, dass die Geschäfte einwandfrei waren.“

Die Frage, wer genau was von der Natur der Aktiengeschäfte wusste, müssen die Beteiligten mit den Behörden diskutieren. Fest steht: Bei Paul Mora lief das Cum-Ex-Business auf eigene Rechnung 2009 bis 2011 auf Hochtouren.

Vor allem sein Kontakt zum Steueranwalt Hanno Berger machte sich bezahlt. Berger wird von den Staatsanwälten als „Spiritus Rector“ der Cum-Ex-Geschäfte bezeichnet. Auch er gehört zu den Angeschuldigten in Frankfurt und wird in weiteren Verfahren beschuldigt. Berger bezeichnet die Deals als „nicht verboten“ und hält die Ermittlungen gegen ihn für einen Justizskandal.

Bevor die Cum-Ex-Geschäfte 2012 per Gesetz gestoppt wurden, räumten Berger und Mora gemeinsam ab. Berger wird von Konkurrenten als „dreistellig“ bezeichnet – soll heißen, er habe mehr als 100 Millionen Euro Vermögen. Für Mora liegen die Schätzungen niedriger – doch auch er hatte genug, um sich in Europa Luxusimmobilien zu leisten.

Keine Kooperation

Nun sind europäische Grenzen für Mora zu Hürden geworden. Bei den Ermittlungen gegen seinen Ex-Arbeitgeber HVB zeigte der Neuseeländer keinerlei Bereitschaft zur Kooperation. „Dezidierte Anfragen der Deutschen Bundesbank zu den Cum-Ex-Geschäften habe Mora erhalten, so heißt es in den Akten. Doch entweder schwieg Mora, oder er „machte ohne jede Skrupel falsche Angaben.“

Mora hat sich damit isoliert. Ehemalige Geschäftspartner wie Nick D. und Martin S. haben sich den Behörden geöffnet, ihre Deals im Detail beschrieben und Mora belastet.

Der Neuseeländer dagegen ist nicht erreichbar, sein Anwalt beantwortet dem Handelsblatt keinerlei Fragen. Sollte Mora an einem europäischen Flughafen auftauchen, wäre das nicht ohne Risiko. Ein Ausflug in seine Schweizer Villa könnte in einem deutschen Behördenzimmer enden.

Mehr: Der Trick mit den Steuern ist gängige Praxis gewesen. Über weitere Ermittlungsfälle lesen Sie hier.

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