Dividenden aus dem Ausland So holen Sie sich die Quellensteuer zurück

Dividendenzahlungen sind eine Freude für Aktionäre. Dumm nur, wenn ein ausländischer Fiskus mitverdient. Wie Anleger die Steuern zurückbekommen und welche steuerlichen Folgen Fusionen haben können.
Kommentieren
Wer Dividenden aus dem Ausland bekommt, muss auch mit dem ausländischen Fiskus rechnen. Quelle: Getty Images
Weltweit investieren

Wer Dividenden aus dem Ausland bekommt, muss auch mit dem ausländischen Fiskus rechnen.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDividendenstarke Aktien sind beliebt und die Ausschüttungen der Unternehmen werden gerne als „die neuen Zinsen“ bezeichnet. Doch zu den verlässlichen Dividendenzahlern gehören nicht nur heimische Unternehmen wie die Allianz und Fresenius, sondern beispielsweise auch Coca-Cola in den USA und Nestlé in der Schweiz. Aktien im Ausland zu kaufen, ist eigentlich kein Problem. Kompliziert wird es aber bei der Besteuerung der Erträge. Wenn Dividenden und Zinsen von einem Land ins andere fließen, halten gleich zwei Staaten die Hand auf. Grundsätzlich gilt zwar: Wer in Deutschland steuerpflichtig ist, muss seine Einnahmen auch in Deutschland versteuern. Doch bei Ausschüttungen von Kapitalgesellschaften wird eine Quellensteuer in dem Land erhoben, wo der Kapitalertrag anfällt.

Ein Beispiel: Ein Anleger besitzt Nestlé-Aktien und hat Anspruch auf umgerechnet 1000 Euro Dividende. Davon behält der Schweizer Fiskus 35 Prozent ein. Dem Anleger bleiben also noch 650 Euro. Zusätzlich würde nun eigentlich auch das deutsche Finanzamt 25 Prozent Abgeltungsteuer auf die ursprüngliche Dividende erheben – dann blieben dem Anleger nur noch 400 Euro übrig. Dank eines Doppelbesteuerungsabkommens wird dieser zweifache Abzug jedoch verhindert. Das Abkommen mit der Schweiz besagt, dass 15 Prozent Quellensteuer auf die deutsche Steuerschuld anrechenbar sind. Die übrigen 20 Prozent kann der Anleger beim Schweizer Fiskus zurückfordern.


„Statt der vollen Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent führt die Depotbank nur zehn Prozent an den deutschen Fiskus ab“, erklärt Ellen Ashauer-Moll, Steuerexpertin bei der Kanzlei Rödl & Partner. Im Rechenbeispiel wären das 100 Euro. Da auch noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag fällig werden, kämen im Depot also 544,50 Euro an – bei Kirchenmitgliedern wären es 538,73 Euro.

Um die restliche Quellensteuer – im Beispiel 200 Euro – zurückzubekommen, muss der Anleger allerdings ein bisschen Zeit investieren und beim Schweizer Fiskus einen Antrag auf Rückerstattung der zu viel gezahlten Steuer stellen. „Das Schweizer Formular ist relativ übersichtlich, auch Laien können es einfach ausfüllen“, sagt Ashauer-Moll.

Teure Fehler bei der Steuererklärung
Riesterrente
1 von 9

Steuerfehler Nummer 1: Ausgaben vergessen

Beiträge zum Beispiel für die Riester- oder Rürup-Rente können Arbeitnehmer von der Steuer absetzen. Weil genau das beim Abschluss dieser Verträge meist als Verkaufsargument genannt wird, ist es vielen Bürgern bekannt – aber nicht unbedingt bewusst. „Aus der Praxis wissen wir, dass Steuerzahler oft vergessen, ihre Riester- und Rürup-Kosten in der Steuererklärung anzugeben“, so die Experten des Lohnsteuerhilfevereins Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Sie haben sieben Fehler zusammengestellt, durch die sich Steuerpflichtige Rückzahlungen entgehen lassen.

bargeld
2 von 9

Steuerfehler Nummer 2: Rechnungen bar zahlen

Handwerker, Putzfrauen oder auch Au-pairs haben gemeinsam, dass man die Kosten in vielen Fällen von der Steuer absetzen kann - entweder als sogenannte Handwerkerleistung oder als haushaltsnahe Dienstleistung. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass Steuerzahler voll auf den Kosten sitzen bleiben, wenn sie das Geld bar bezahlen. Da hilft es auch nichts, die Rechnungen aufzuheben. Ohne Kontonachweis keine Steuervorteile.

hintertür
3 von 9

Steuerfehler Nummer 3: Hintertür zuschlagen und außergewöhnliche Belastungen nicht angeben

Dieses Jahr erwarten Steuerexperten ein wichtiges Urteil des obersten Finanzgerichts, dem Bundesfinanzhof (BFH). Der BFH wird in Bezug auf außergewöhnliche Belastungen entscheiden, ob die Regel zur zumutbaren Eigenbelastung fällt. Bislang gilt: Nur die Krankheits-, Pflegeheim- oder Scheidungskosten, die über der eigenen zumutbaren Belastungsgrenze liegen, kann man absetzen. Wie hoch die Grenze für jeden Einzelnen ausfällt, richtet sich momentan vor allem nach dem Einkommen: Je mehr Sie verdienen, desto mehr Ausgaben gelten derzeit als zumutbar. Viele Bürger sammeln deshalb gar nicht erst die Belege für das Zahnimplantat oder die Brille, weil sie denken, dass sie mit den Kosten sowieso nicht über die Zumutbarkeitsgrenze kommen…

bundesfinanzhof
4 von 9

… Der Clou: Weil das Verfahren beim BFH läuft, können Sie schon jetzt jeden Cent Ihrer außergewöhnlichen Belastungen in der Steuererklärung angeben. Werden die BFH-Richter die Belastungsgrenze tatsächlich kippen, haben Sie sich damit größere Steuervorteile gesichert. Denn dann können Sie die vollen Kosten für das Zahnimplantat oder die Brille absetzen. Das gilt auch, wenn bis zu Ihrem Steuerbescheid kein Urteil gesprochen wird. Sie erhalten den vollen Steuervorteil bezüglich Ihrer außergewöhnlichen Belastungen dann nachträglich.

Miete
5 von 9

Steuerfehler Nummer 4: Mietvertrag mit Angehörigen nicht wasserdicht gestalten

Vermietungen unter Verwandten sind nicht ungewöhnlich. Der Mieter bekommt eine Immobilie zum günstigen Preis, der Vermieter kann – trotz geringerer Miete – seine Kosten für das Objekt voll absetzen. Das geht aber nur, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Erstens, die monatliche Miete beträgt mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete. Das heißt so viel wie: Zu günstig geht nicht. Zweitens …

Regierung wehrt sich gegen lange EU-Kontonummern
6 von 9

… hält die Durchführung des Mietvertrags einem Fremdvergleich stand. Das bedeutet: Die Miete wird überwiesen und nicht bar ausgezahlt, sie wird außerdem pünktlich überwiesen, es gibt eine jährliche Nebenkostenabrechnung und ähnliches mehr.

Steuererklärung
7 von 9

Steuerfehler Nummer 5: Einträge vertauschen

Sie haben eine Fortbildung selbst bezahlt, die Kosten dafür aber nicht bei Weiterbildung sondern bei allgemeinen Werbungskosten in der Steuererklärung angegeben? Oder Sie haben Handwerkerleistungen bei den außergewöhnlichen Belastungen eingetragen? So etwas passiert Laien immer wieder. Das Finanzamt streicht dann zwar die geltend gemachten Kosten aus den falschen Zeilen raus, trägt sie aber nicht in die richtigen ein. Die Rückzahlung, die Ihnen zustehen würde, bleibt einfach aus.

Das Erstattungsformular findet sich auf der Website der Schweizer Steuerbehörde und muss gleich drei Mal ausgefüllt werden. „Zur Bestätigung, dass der Antragsteller in Deutschland steuerpflichtig ist, braucht es einen Stempel des deutschen Finanzamts“, erklärt Ashauer-Moll. Mitsamt der Dividendenbescheinigung von seiner Bank sowie einem sogenannten Tax-Voucher schickt der Anleger den Erstattungsantrag dann an den Schweizer Fiskus. „Die Rücküberweisung erfolgt in Schweizer Franken“, so die Steuerexpertin.

Die Erstattungsformulare sind von Land zu Land verschieden, mal müssen drei, mal vier Exemplare ausgefüllt werden und jedes Land hat eigene Fristen, innerhalb derer die Steuer zurückgefordert werden kann. „In der Schweiz müssen Anleger den Erstattungsantrag beispielsweise innerhalb von drei Jahren nach dem Jahr der Entstehung der Quellensteuer stellen“, sagt Ashauer-Moll. Eine Übersicht aller Doppelbesteuerungsabkommen und Erstattungsformulare findet sich beim Bundeszentralamt für Steuern.

Probleme bei Fusionen und Fonds
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Dividenden aus dem Ausland - So holen Sie sich die Quellensteuer zurück

0 Kommentare zu "Dividenden aus dem Ausland: So holen Sie sich die Quellensteuer zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%