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Erbschaftsteuer Aufatmen nach dem Richterspruch zur Erbschaftsteuer

Paukenschlag zum Jahresende: Das Bundesverfassungsgericht wertet die massiven Steuerprivilegien für Firmenerben als Verstoß gegen das Grundgesetz. Steuerexperten und Wirtschaftsvertreter sind dennoch erleichtert.
17.12.2014 Update: 17.12.2014 - 13:35 Uhr 32 Kommentare

Verfassungsgericht kritisiert Steuerprivilegien

Düsseldorf Vorweihnachtliche Spendierlaune sieht anders aus, aber für die deutschen Unternehmen hätte es schlimmer kommen können. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hat Teile des Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG) für verfassungswidrig erklärt. Die bisherigen Vorschriften dürfen zunächst weiter angewendet werden, doch bis 30. Juni 2016 muss der Gesetzgeber eine Neuregelung treffen.

Die bisherige Privilegierung betrieblichen Vermögens sei „unverhältnismäßig“, so die Verfassungsrichter. Allerdings gestanden sie dem Gesetzgeber zu, kleine und mittlere Unternehmen, „die in personaler Verantwortung geführt werden“, steuerlich zu begünstigen, um Arbeitsplätze zu erhalten. „Kleine und mittlere Unternehmen können nach der Entscheidung aufatmen, denn die Verfassungsrichter halten eine steuerliche Privilegierung grundsätzlich für zulässig – sogar bis zu 100 Prozent“, sagt Guido Holler, Fachanwalt für Erb-und Steuerrecht in der Kanzlei Tigges. „Für kleine Betriebe wird sich künftig wohl wenig ändern, größere Unternehmen müssen sich allerdings auf höhere Steuerzahlungen einstellen.“

Auch Thomas Koblenzer, Fachanwalt für Steuerrecht und Inhaber der Düsseldorfer Kanzlei Koblenzer zeigt sich von dem Urteil angenehm überrascht: „Es ist nicht so schlimm gekommen, wie befürchtet“, sagt er. „Nach der mündlichen Verhandlung konnte man mit viel weitreichenderen Änderungen rechnen.“ Von der Regierung erwartet er nun keine umfassende Reform, sondern eher ein „Reförmchen“. Änderungen sieht er vor allem für mittelständische Familienkonzerne wie etwa Haniel oder Henkel.

Konkret stoßen sich die Verfassungsrichter an den Paragraphen 13a und 13b sowie 19 Abs. 1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG). Die Verschonungsregelung als solche sei im Grundsatz mit dem im Grundgesetz festgeschriebenen allgemeinen Gleichheitssatz vereinbar. Sie bedürfe beim Übergang großer Unternehmensvermögen aber der Korrektur, denn sie sei „in Teilen ihrer Ausgestaltung“ verfassungswidrig.

Heute bleibt Betriebsvermögen häufig komplett oder zumindest zu 85 Prozent von der Erbschaftsteuer verschont. Die Bedingung: Wenn der Betrieb fünf Jahre lang fortgeführt wird und die Lohnsumme in dem Zeitraum weitgehend stabil bleibt, werden schrittweise 85 Prozent der Steuerschuld erlassen. Wenn der Erbe das Unternehmen sieben Jahre hält, muss er am Ende gar keine Erbschaftsteuer zahlen. Die Lohnklausel müssen allerdings nur Unternehmen erfüllen, die mehr als 20 Beschäftigte haben.

Zudem wird bisher auch Verwaltungsvermögen stark begünstigt. Dies ist Vermögen, das nicht der Betriebsführung dient. Damit das Vermögen komplett von der Steuer verschont wird, darf das Verwaltungsvermögen höchstens zehn Prozent des gesamten Vermögens ausmachen. Um 85 Prozent von der Steuer zu schonen, sind noch 50 Prozent Verwaltungsvermögen erlaubt. Mithilfe steuerlicher Gestaltungen – etwa der Gründung von Tochtergesellschaften – kann bislang sogar noch mehr Verwaltungsvermögen geschont werden.

Was sie an diesen Regeln stört, haben die Verfassungsrichter klar formuliert...

Die Hauptkritikpunkte der Verfassungsrichter
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32 Kommentare zu "Erbschaftsteuer: Aufatmen nach dem Richterspruch zur Erbschaftsteuer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Typisch Deutsch.
    Statt die Erbschaftssteuer abzuschaffen wie andere Länder es machen, wird an Symptomen herumgedoktert.

    Es freut den Steuervermeider - es ärgert den Normalbürger, der es versäumte, ein Unternehmen zu gründen, und damit besser dazustehen beim Vererben.

  • Sehr geehrter Herr Meisenkaiser,
    Sie haben sich sicherlich noch nicht intensiv mit der Thematik beschäftigt, sonst wüßten Sie wo keine Erbschaftssteuer anfällt (z.B. einige Kantone in der Schweiz), bzw. wo sich die Erbschaftssteuer "umschiffen" läßt. Sicherlich gibt es immer Gegenbeispiele. Das Geld jedoch findet immer einen Weg!

  • UK hat sehr hohe Erbschaftssteuern.Und zwar bezogen auf den Nachlass - nicht auf die Erben.

  • Die Lektüre der Kommentare ist interessant. Von totaler Ignoranz bis zum schwarzen Humor (=Zynik) ist alles vertreten.

    Das Gesamtbild (das Urteil inbegriffen) ist trotzdem verheerend. Gute Nacht!

  • Die Arbeitnehmer können ja weiterhin für 5,00 Euro Stundenlohn arbeiten und darauf alle Sozialabgaben bezahlen u n d zusätzlich Steuern.
    Hauptsache die "armen und hartarbeitenden" Erben zahlen
    k e i n e Erbschaftssteuer.
    Pfui Teufel, wie ungerecht ist Deutschland.

  • @Herr Dieter Kreischer: "D erwache!"

    Deutschland wird weiter schlafen, ZDF schauen, Mutti wählen und Umverteilung gut finden.

    Diesem Land ist nicht zu helfen. Am besten schnell weg, denn das Gute liegt so nah: CH

  • Die Unternehmen sollten in Staatsbetriebe überführt werden und die Erben in den Gulag kommen!

    Das wäre das Arbeiterparadies auf Erden!

    ... weils dann keine Arbeit mehr gäbe ;-8

  • Na Billy Jo können Sie ihre Thesen auch mal irgendwie belegen?! Was haben bitteschön Kommunisten mit Gutmenschen zu tun? Na ja was soll's. Außer dummen Rumgepöbel haben sie in diesem Forum ja eh noch nichts zu stande gebracht!

  • "Für was werden eigentlich Diäten und Pensionen an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages gezahlt.

    Anwesend sind sie nicht und wenn doch einmal ein Gesetz geschrieben wird, dann ist es nicht mit dem Grundgesetz vereinbar"

    @ Herr Zimmer
    en Stenbrück hat mit Honorargeschätz ca 2 Mio verdient-zusätzlich-und dafür nchewiesen im Bundestag mi Abwesenheit geglänzt-Bravo SPD-hab ihr toll gemacht

  • "Das hat die gesamte Gutmenschenfraktion in welcher Form auch immer, ob Kommunisten, linke Sozen oder Grüne Sekte so an sich. Hauptsache Neid und Zwietracht „säen“ "

    Sehr richtig Herr Zanker
    fehlen nur noch sog. Betriebsräte und sogennannte Hooliganfusballassis sowie Neidosis.

    Gute Nacht Deutschland!

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