Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Geschenke vom Chef So kassiert der Fiskus beim Weihnachtsgeld

Jeder zweite deutsche Arbeitnehmer bekommt Weihnachtsgeld. Ein Teil fließt direkt in die Staatskasse. Was bei der Steuerberechnung zu beachten ist.
Kommentieren
Längst nicht alle Deutschen bekommen Weihnachtsgeld. Quelle: dpa
Schoko-Weihnachtsmänner

Längst nicht alle Deutschen bekommen Weihnachtsgeld.

(Foto: dpa)

Frankfurt Weihnachten kann ganz schön teuer werden: In diesem Jahr wollen die Deutschen durchschnittlich zwischen 280 und 360 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben – das zeigen unterschiedliche Befragungen der Unternehmensberatung EY und der Vergleichsplattform Idealo. Um diese Ausgaben stemmen zu können, setzen viele Arbeitnehmer auf das Weihnachtsgeld. Doch wie von den meisten Einkünften will der Fiskus auch davon einen Teil abhaben.

Anspruch auf Weihnachtsgeld hat in diesem Jahr etwa jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland. Das ergab kürzlich eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Von den Beschäftigten mit Tarifvertrag bekommen demnach 76 Prozent das Extrageld. Das Statistische Bundesamt errechnete eine noch höhere Quote: Laut seinen Daten erhalten rund 87 Prozent der Tarifbeschäftigten Weihnachtsgeld.

Steuerrechtlich betrachtet zählt das Weihnachtsgeld nicht zum regelmäßigen Einkommen, sondern zu den sogenannten sonstigen Bezügen – so wie auch das Urlaubsgeld, Bonuszahlungen und Abfindungen. Die Folge: Arbeitgeber müssen die Steuer darauf gesondert berechnen. Die Arbeitnehmer müssen sich darum in der Regel aber nicht kümmern. Sie bekommen das Zusatzgeld häufig gemeinsam mit dem Gehalt für November ausgezahlt.

Prozentual gesehen zahlen die Mitarbeiter in diesem Monat höhere Steuern. Der Grund dafür liegt im deutschen Steuersystem: Mit steigendem Einkommen steigt auch der Steuersatz. Das wird als Steuerprogression bezeichnet. „Es bleibt unterm Strich weniger Netto vom Brutto“, sagt Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH). Doch unrechtmäßig benachteiligt werden die Arbeitnehmer dadurch nicht.

Alexander Trappe, Lohnspezialist in der Softwareentwicklung des IT-Dienstleisters Datev, erklärt: „Die meisten Arbeitgeber nutzen Gehaltsabrechnungsprogramme, die automatisch die Steuer auf das Weihnachtsgeld berechnen und dabei berücksichtigen, wie hoch das voraussichtliche Jahreseinkommen insgesamt ausfallen wird.“ Zusätzlich sei im Dezember ein sogenannter Lohnsteuerjahresausgleich üblich. „Dabei gleicht die Software die bisher abgeführten Steuern mit dem Jahres-Bruttoeinkommen ab“, sagt Trappe.

Wurden in den ersten elf Monaten des Jahres zu viel Steuern an den Fiskus abgeführt, werde dem Arbeitnehmer im Dezember ein höheres Nettogehalt ausgezahlt, so Trappe. Besonders relevant kann das für Mitarbeiter mit stark schwankenden Löhnen sein. Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten sind zu einem Lohnsteuerjahresausgleich verpflichtet.

Falls das nicht geschehen ist oder Arbeitnehmer dennoch befürchten, dass zu viel Steuern abgeführt wurden, können sie eine Einkommensteuererklärung anfertigen. Eine Pflicht ist das ohnehin für Angestellte, die beispielsweise Löhne von mehreren Arbeitgebern beziehen, Lohnersatzleistungen wie Eltern- oder Krankengeld erhalten oder das Ehegattensplitting nutzen. Lohnen kann sich das aber auch, um zum Beispiel Ausgaben wie Werbungskosten oder Handwerkerleistungen geltend zu machen.

Wichtig auch: Für „sonstige Bezüge“ gilt das sogenannte Zuflussprinzip. Bei der Besteuerung kommt es also darauf an, wann das Geld auf dem Konto des Arbeitnehmers verbucht wird. Relevant ist das insbesondere bei Abfindungen, Boni oder Lohnnachzahlungen, die für mehrere Jahre gewährt werden. Arbeitnehmer können sich das zunutze machen, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL): „Bei solchen Bezügen kann es sich lohnen, die Auszahlung ins kommende Jahr zu verschieben.“

Noch dazu gilt bei Bonuszahlungen, die mehrere Kalenderjahre betreffen, und für Abfindungen die sogenannte Fünftelregelung. Die greift, wenn Arbeitnehmer eine einmalige, hohe Einnahme bekommen. Steuerlich wird sie dann so behandelt, als erhielte der Empfänger diese gleichmäßig auf die nächsten fünf Jahre verteilt. „Dadurch können solche Zahlungen ermäßigt besteuert werden“, so Rauhöft.

Mehr: Wohin mit der halben Million? – So legen Sie plötzlichen Reichtum richtig an.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Geschenke vom Chef - So kassiert der Fiskus beim Weihnachtsgeld

0 Kommentare zu "Geschenke vom Chef: So kassiert der Fiskus beim Weihnachtsgeld"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.