Ideenhandel Mit Patenten zur Rendite

In geistiges Eigentum kann man investieren wie in Gold, Aktien oder Staatsanleihen. Der Handel mit und die Verwertung von Rechten an geistigem Eigentum ist in nur wenigen Jahren eine eigene Anlageklasse geworden – mit verlockenden Renditen. Wenn die Rechnung aufgeht, geht es um Millionensummen.
  • Axel Postinett und Reiner Reichel
Auch Blackberry-Hersteller Research in Motion musste nach einem Patentstreit mit einem Patenverwerter 612 Mio. Dollar Strafe zahlen. Quelle: ap

Auch Blackberry-Hersteller Research in Motion musste nach einem Patentstreit mit einem Patenverwerter 612 Mio. Dollar Strafe zahlen.

(Foto: ap)

Es hört sich nicht nur martialisch an, es ist auch so. „IP-Frontline“ nennt sich das Leib- und Magenblatt der Patentanleger-Szene in den USA. Hier stehen sie alle drin, die juristischen Frontverläufe im Krieg um Schutzrechte und geistiges Eigentum. Wer hat gerade wieder wen auf welche Patentverletzung verklagt? Wer hat Prozesse verloren, wer gewonnen? Und – besonders wichtig – wer hat wie viel gezahlt?

Das interessiert mittlerweile manch institutionellen Anleger mehr als die Börsenkurse. Denn der Handel mit und die Verwertung von Rechten an geistigem Eigentum ist in nur wenigen Jahren eine eigene Anlageklasse geworden – mit verlockenden Renditen.

Um Millionensummen pro Fall geht es eigentlich immer, so wie im Falle des Verwerters NTP, der vom Blackberry-Hersteller Research in Motion in einem spektakulären Prozess über 600 Mio. Dollar Lizenzgebühren ertrotzen konnte. Die Drohung: Der vor allem in den USA beliebte mobile Email-Dienst wird abgeschaltet, bis die Patentfrage geklärt ist.

Manchmal geht es aber auch um Milliarden. Etwa wenn die Manager von IP-Com aus Pullach bei München mit ihrem Vorhaben Erfolg haben. Sie haben den finnischen Mobiltelefonriesen Nokia auf zusammen rund zwölf Milliarden Euro Lizenzgebühren verklagt, zahlbar über 20 Jahre. IP-Com hatte Patente von der Robert Bosch GmbH aus der Restekiste erstanden, nachdem die schwäbischen Tüftler entnervt aus dem Handygeschäft ausgestiegen waren. Und die verletze Nokia, klagen die Bayern.

Was man für das Paket bezahlt hat, will IP-Com lieber nicht verraten. Aber wer der Partner ist, das schon: Zu 50 Prozent beteiligt an IP-Com ist der börsennotierte Private-Equity-Fund Fortress Investment Group. Der könnte einen Geldsegen aus Finnland brauchen – die Finanzkrise hat 2008 auch bei Fortress zu massiven Verlusten geführt.

Eine andere große Adresse in der IP-Venture-Szene ist die US-Firma Altitude Capital Partners. Sie hat nach eigenen Angaben rund 250 Mio. Dollar in Unternehmen mit vielversprechenden Schutzrechten investiert. Im Gegensatz zu Akteuren wie Fortress investiert Altitude allerdings ausschließlich in IP-Vermögen: Die Firma übernimmt in der Regel Anteile an den Unternehmen, die interessante Schutzrechte ihr Eigen nennen, und berät bei der Patentverwertung.

In Deutschland kommt die Idee der risikoreichen Patentinvestition erst langsam in Schwung und bislang auch nur im Segment der geschlossenen Fonds. Institute wie Credit Suisse mit „Patent Invest I“ oder Deutsche Bank mit „Patent Select I“ wagen sich langsam vor. Der Branchendienst Feri Gesamtmarkt Beteiligungsmodelle geht davon aus, dass Deutsche Bank/DWS in den Jahren 2007 und 2008 zusammen rund 200 Mio. Euro für Patentfonds eingesammelt hat. Der „Alpha Patentfonds“ – dahinter steckt die österreichische Euram Bank – kam 2008 schon in der dritten Auflage heraus. Das Prinzip ist immer ähnlich: Fonds kaufen ein Portfolio von Patenten zusammen, die ihrer Meinung nach ein großes Vermarktungspotenzial haben. Dabei müssen sie sich auf hochspezialisierte Berater verlassen.

Liegen diese richtig, steigt der Rückfluss in Form von Lizenzgebühren im Laufe der Jahre. Als Kosten stehen unter anderem die jährlichen Patentgebühren an die Patentämter an, damit das Schutzrecht erhalten bleibt, und Gewinnbeteiligungen oder Einmalzahlungen an die Erfinder. Im schlimmsten Falle kommen noch Rechtskosten für Patentstreitigkeiten dazu. Beispiel Nokia: Die Finnen wollen sich nach eigenen Aussagen mit allen Mittel gegen die ihrer Meinung nach substanzlosen und überzogenen Forderungen von IP-Com zur Wehr setzen. Nokia klagt sogar auf Nichtigkeit der Patente, will also beweisen, dass sie fälschlicherweise und ohne Grund erteilt wurden. Dann bräche das IP-Com-Fortress-Gebäude wie ein Kartenhaus zusammen.

Daneben gibt es noch eine weitere Gefahr für die Investoren: Lagen die Experten mit der Einschätzung der Werthaltigkeit junger Patente daneben und niemand will sie nutzen, ist das Geld schnell weg.

Nicht nur für Anleger, auch für Unternehmen selber kann sich ein Blick in die verstaubten Aktenordner der Entwicklungsabteilungen lohnen. Allein in Deutschland wird geschätzt, dass weit über 100 000 marktreife Patente ungenutzt herumliegen. Über Internetmarktplätze wie www.yet2.com können diese Schätzchen anderen Unternehmen angeboten werden. Hier tummeln sich regelmäßig auch Firmen wie Bayer, Dupont, Microsoft oder Panasonic, um Schnäppchen zu machen oder Rechte zu veräußern.

Der jüngste Trend auf dem Investmentmarkt für geistiges Eigentum ist aber das Patent-Leasing. Dabei verkaufen die Rechteinhaber Patente an Kapitalanleger, meist Fonds, und leasen ein Nutzungsrecht für sich selber zurück. Besonders mittelständische Unternehmen – die zum Beispiel nicht die Kapazitäten haben, um selber ihre „schlafenden“ Patent-Werte zu vermarkten – können unter Umständen gut mit dieser Lösung fahren. Sie haben das nötige Know-how und die Lizenzen für ihre Produkte und bekommen durch den Verkauf des Rechts zusätzliche Liquidität.

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