Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kfz-Steuer und günstige Gebrauchte Neues Messverfahren für Verbrauchswerte – das müssen Autokäufer beachten

Ein neues Messverfahren für Verbrauchswerte verteuert die Kfz-Steuer bei Neuwagen. Die Neuregelung könnte aber auch für Schnäppchen am Markt sorgen.
03.09.2018 - 17:41 Uhr Kommentieren
Bevor man in ein neues Auto investiert, sollte man den Markt beobachten. Viele Händler locken mit attraktiven Preisen. Quelle: Westend61/Getty Images
Autokauf

Bevor man in ein neues Auto investiert, sollte man den Markt beobachten. Viele Händler locken mit attraktiven Preisen.

(Foto: Westend61/Getty Images)

Frankfurt Die Aufregung ist groß: Autofahrer, die seit Montag einen neuen Wagen erstmals zur Zulassung bringen, zahlen häufig mehr Kfz-Steuer, als wenn sie das Auto schon im August angemeldet hätten. Nach Berechnungen des Automobilklubs ADAC kann die jährliche Steuerlast mehr als 70 Prozent höher ausfallen. Das klingt enorm – in Euro gerechnet dürfte die Erhöhung die meisten Halter aber nicht allzu sehr treffen.

In der Stichprobe des ADAC werden nur bei einem Modell knapp 100 Euro mehr fällig, bei anderen liegen die jährlichen Steuererhöhungen deutlich darunter.

Hinter der Neuerung verbirgt sich ein neues Messverfahren für Schadstoff- und CO2-Emissionen sowie den Kraftstoff- oder Stromverbrauch, WLTP genannt, „Worldwide harmonized Light-Duty Test Procedure“. Es wurde von der Europäischen Union entwickelt und soll im Vergleich zum alten Messverfahren realitätsnähere Verbrauchsangaben liefern. Für die Kunden ist das erst einmal positiv, denn wer den Kauf eines Autos plant, kann die Betriebskosten nun realistischer abschätzen.

Die höhere Kfz-Steuer ist ein Nebeneffekt, denn die Berechnung richtet sich nach dem Hubraum und dem CO2-Ausstoß. Da die Messwerte mit WLTP meist höher ausfallen, steigt auch die Steuer. Der ADAC fordert deshalb eine Anpassung der Steuerberechnung. Das Bundesfinanzministerium teilt jedoch mit, dass mangels ausreichender Datenbasis noch keine verlässlichen Aussagen über die konkreten Auswirkungen auf die Steuerpflichtigen möglich seien.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Nach zwölf Monaten sollen sie daher überprüft werden.

    Dass die höhere Kfz-Steuer Kunden in ihrer Kaufentscheidung beeinflusst, bezweifeln viele Experten. „Selbst bei Dieselfahrzeugen macht die Kfz-Steuer bei Weitem nicht den Löwenanteil der fixen Kosten aus“, heißt es beim ADAC. Am stärksten ins Gewicht fallen die Ausgaben für die Haftpflicht- und die Kaskoversicherung.

    Neuer Schadstoff-Test – „Für Verbraucher ist das Verfahren unfair“

    Zu den Fixkosten kommen noch Werkstatt- und Betriebskosten sowie der Wertverlust hinzu. Letzter ist ein bedeutender Faktor: Nach Berechnungen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) verliert ein Benziner in den ersten drei Jahren im Schnitt 42 Prozent seines Wertes nach Listenpreis, bei einem Diesel sind es 46 Prozent.

    Die Folge: Wer sich für einen Gebrauchtwagen entscheidet, kann viel Geld sparen. Das haben die meisten Autofahrer bereits erkannt. „In den letzten zehn Jahren ging der Trend von Neuwagen zu jungen Gebrauchten“, sagt Benjamin Kibies von der Beratungsagentur Dataforce. Dieser Trend habe sich erst durch die Dieselabwrackprämien der Hersteller seit August 2017 ein Stück weit umgekehrt.

    Günstige junge Gebrauchte

    Bei Privatkäufen lag der Anteil der zugelassenen Neuwagen in den letzten zwölf Monaten dennoch nur bei 16 Prozent. „Durch das Auslaufen der Prämien und Störungen in Zusammenhang mit WLTP dürfte der Anteil der Gebrauchtwagen weiter zunehmen“, glaubt der Analyst.

    Dazu dürfte auch eine höhere Zahl von Eigenzulassungen führen. Anders als beim bisherigen Messverfahren müssen Autohersteller nämlich nicht nur die Standardversion eines Fahrzeugtyps prüfen lassen, sondern auch viele Ausstattungskombinationen. Autos ohne WLTP-Zertifikat dürfen seit dieser Woche nicht mehr zugelassen werden.

    Da manche Hersteller aber nicht rechtzeitig für alle Modelle ein solches Zertifikat erlangt haben, haben sie vorab etliche Fahrzeuge selbst zugelassen.

    „Schon im Juli wurden 16 Prozent beziehungsweise rund 10.000 Fahrzeuge mehr als im Vorjahresmonat zugelassen“, sagt Kibies von Dataforce. „Solche Schwankungen von mehr als zehn Prozent sind am deutschen Markt unüblich und lassen sich klar auf die WLTP-Umstellung zurückführen.“ Auch für August erwartet er mehr Eigenzulassungen. Neuwagen werden so im Handumdrehen zu ganz jungen Gebrauchten – wodurch Autokäufern satte Schnäppchen winken.

    Wer aktuell dennoch einen fabrikfrischen Neuwagen bestellt, braucht je nach Hersteller Geduld, denn Modelle ohne WLTP-Zertifikat dürfen nicht produziert werden. Der VW-Konzern hinkt besonders hinterher. Ob sich auch mit dem Argument der langen Lieferzeit der Preis drücken lässt, hängt wohl vom Verhandlungsgeschick des einzelnen Autokäufers ab.

    Grafik
    Startseite
    Mehr zu: Kfz-Steuer und günstige Gebrauchte - Neues Messverfahren für Verbrauchswerte – das müssen Autokäufer beachten
    0 Kommentare zu "Kfz-Steuer und günstige Gebrauchte: Neues Messverfahren für Verbrauchswerte – das müssen Autokäufer beachten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%