Kommentar: Die Zahl der Frauen in Vorständen stagniert wieder
Nur fünf Prozent der Aufsichtsratsvorsitzenden sind Frauen.
Foto: dpaFrankfurt. Die Quotenregelungen des zweiten Führungspositionen-Gesetzes brachten Bewegung. Verschiedene Studien, darunter von den Russell Reynolds Associates und von EY, belegen den Frauenzuwachs: In den Aufsichtsräten der 40 größten Dax-Unternehmen sitzen aktuell knapp 38 Prozent Frauen – historischer Höchstwert.
109 Frauen gehören den Vorständen in 160 Dax-Betrieben an – auch das historischer Höchststand. Zum ersten Mal ist in der Mehrheit der Konzerne, nämlich in 83 Unternehmen, mindestens eine Frau im Vorstand vertreten, in 20 sind es mindestens derer zwei. Ein Anlass zum Feiern? Oder dafür, sich zufrieden zurückzulehnen? Eher nicht.
Unternehmen tun nur das, was sie müssen
Die Studien legen die Kehrseiten offen: Die Geschlechtermindestbeteiligung ist seit August 2022 verpflichtend, und der prozentuale Anstieg der Quoten war von 2021 auf 2022 am größten. Im Jahresvergleich darauf war schon wieder eine leichte Stagnation feststellbar.
Laut Angaben von EY sieht sich in den Vorständen immer noch eine Frau sieben Männern gegenüber. Gerade einmal fünf Prozent der Aufsichtsratsvorsitzenden sind weiblich, ergänzen die Associates von Russel Reynolds. Die Unternehmen machen das, was sie gesetzlich müssen, ein echtes Umdenken und eine Veränderung der Unternehmenskultur sind nicht festzustellen.
Dazu kommt der immer noch eklatante Gender-Pay-Gap. Deutschland braucht andere Rahmenbedingungen, damit beide Geschlechter verantwortungsvolle Positionen bekleiden können, wenn sie das wollen.
Alexander Pradka ist leitender Redakteur bei der Fachzeitschrift „In-house Counsel“. Dieser Artikel stammt aus der Kooperation zwischen dem Handelsblatt und der Fachzeitschrift.