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Finanzamt

ARCHIV - ILLUSTRATION - 20.11.2013, Nordrhein-Westfalen, Köln: Auf einem Vordruck für die Steuererklärung liegt am vor dem Aktenordner mit dem Aufdruck «Finanzamt» ein Stift und eine Brille. Die neue Grundsteuer könnte eine Extra-Steuererklärung nötig machen. (zu dpa vom 02.05.2018) Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

(Foto: dpa)

Kündigung wegen Coronakrise So können gekündigte Arbeitnehmer die Abfindung versteuern

Bekommen Arbeitnehmer nach einer Kündigung eine Abfindung, müssen sie diese versteuern. Dabei gibt es ein paar Tipps, um Steuern zu sparen.
08.05.2020 - 09:43 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Das Coronavirus hat weltweit drastische Auswirkungen auf die Wirtschaft. Lieferketten werden beeinträchtigt, Kundenaufträge gehen zurück und ganze Betriebsstätten müssen vorübergehend schließen. Viele deutsche Unternehmen verzeichnen deshalb einen Gewinneinbruch, insbesondere der Mittelstand bangt um seine Existenz.

Neben der Einführung von Kurzarbeit, sind in der Coronakrise auch betriebsbedingte Kündigungen denkbar. Abfindungen sollen den entlassenen Arbeitnehmer entschädigen, werden aber nicht immer ausgezahlt. Wer doch eine Abfindung erhält, muss diese auch versteuern. Mit den richtigen Kniffen lassen sich dabei auch noch Steuern sparen.

Die wichtigsten Informationen zum Thema Abfindung im Überblick

Was ist eine Abfindung und wer hat Anspruch darauf?

Eine Abfindung gilt als einmalige und außerordentliche Zahlung, die der Arbeitgeber einem Arbeitnehmer zahlt, wenn das Anstellungsverhältnis gekündigt wird. Die Zahlung soll entgangene Einkünfte ausgleichen. Ein gesetzlicher Anspruch seitens des Arbeitnehmers besteht grundsätzlich nicht. Wird dem Arbeitnehmer jedoch betriebsbedingt gekündigt, kann der Arbeitnehmer unter Umständen eine Abfindung verlangen. Dies ist dann möglich, wenn der gekündigte Arbeitnehmer die Frist einer Kündigungsschutzklage verstreichen lässt. Dann kann der Arbeitnehmer eine Abfindung beanspruchen, sofern der Arbeitgeber diese Option in seinem Kündigungsschreiben festgehalten hat (§ 1a KSchG).

Ab welcher Höhe müssen Abfindungen versteuert werden?

Seit 2006 unterliegen alle Abfindungen einer Steuerpflicht, unabhängig von der Höhe. Die Zahlungen gelten als außerordentliche Einkünfte. Wie diese versteuert werden, ist in Paragraph 34 im Einkommenssteuergesetz geregelt. 

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    Hohe Abfindungen können allerdings dazu führen, dass der Steuersatz aufgrund der Progression ansteigt. Das bedeutet, dass sich der jeweilige Steuersatz erhöht, wenn das zu versteuernde Einkommen ansteigt. Somit müssen auch mehr Steuern gezahlt werden, je höher das Einkommen ausfällt. Sozialversicherungsbeiträge wie Kranken- oder Rentenversicherung fallen in der Regel nicht an.

    Abfindung versteuern: Mit der Fünftelregelung sparen

    Bei außerordentlichen Einkünften will der Gesetzgeber die Steuerlast für Arbeitnehmer erleichtern. Um eine hohe Abfindungssumme auszugleichen und dem Anstieg des Steuersatzes entgegenzuwirken, wird die Fünftelregelung angewandt. Außerordentliche Einkünfte werden wegen der Regelung aus steuerlicher Sicht gleichmäßig auf die nächsten fünf Jahre verteilt. So wirkt sich nur ein Fünftel der Abfindungssumme auf den Steuersatz aus.

    Ein Beispiel zeigt die Berechnung der Steuerlast mit der Fünftleregelung:

    Beispiel 1: 42.000 Euro Jahreseinkommen (abzgl. Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen), 10.000 Euro Abfindung

    Jahreseinkommen42.000 €
    1/5 Abfindung2.000 €
    Zu versteuerndes Einkommen44.000 €
    Einkommenssteuer (2020) mit Abfindung9.877 €
    Einkommenssteuer (2020) ohne Abfindung9.156 €
    Unterschiedsbetrag721 €
    Fünffacher Unterschiedsbetrag 3.605 €
    Steuern mit Fünftelregelung12.761 €
    Steuern ohne Fünftelregelung 12.930 €
    Steuerersparnis169 €
    Steuerersparnis in Prozent 1,31 %


    Wie werden die Steuern nach der Fünftelregelung berechnet?

    Schritt 1:

    Zunächst addieren wir ein Fünftel der Abfindung auf das Jahreseinkommen, abzüglich der Werbungskosten, Sonderausgaben sowie außergewöhnlichen Belastungen.

    Beispiel: 10.000/5 + 42.000 = 44.000

    Für diese Summe wird anschließend die fällige Einkommenssteuer berechnet. In der Beispielrechnung beträgt diese 9.877 Euro. Arbeitnehmer können hierfür beispielsweise eine Einkommenssteuertabelle zu Rate ziehen.

    Außerdem wird auch die Einkommenssteuer für das Einkommen abzüglich der Abfindung berechnet. Im Beispiel entfällt auf das Jahreseinkommen von 42.000 Euro eine Einkommenssteuer von 9.156 Euro.

    Schritt 2:

    Im zweiten Schritt wird der Unterschiedsbetrag berechnet. Dazu zieht man die Einkommenssteuer des Jahreseinkommens mit Abfindung von der Einkommenssteuer des Einkommens ohne Abfindung ab.

    Beispiel: 9.877 – 9.156 = 721

    Anschließend wird dieses Ergebnis mit fünf multipliziert. So erhalten wir die Einkommenssteuer, die nur für die Abfindung allein anfällt.

    Beispiel: 721 x 5 = 3.605

    Schritt 3:

    Da wir in Schritt 2 noch nicht die gesamte Einkommenssteuer berechnet haben, sondern nur die Einkommenssteuer für die reine Abfindung, muss nun noch die Einkommenssteuer für das Jahreseinkommen addiert werden. Das Ergebnis ist die gesamte Steuerschuld, die anfällt, wenn die Fünftelregelung angewandt wird.

    Beispiel: 3.605 + 9.156 = 12.761

    Schritt 4:

    Berechnet man zusätzlich noch die Steuerschuld, die ohne die Anwendung der Fünftelregelung angefallen wäre, kann überprüft werden, ob man auch wirklich Steuern eingespart hat. Dazu addiert man zunächst das Jahreseinkommen mit der gesamten Abfindungssumme.

    Beispiel: 42.000 + 10.000 = 52.000

    Für diesen Betrag ermittelt man dann wieder die Einkommenssteuer. Im Beispielfall beträgt diese 12.930 Euro.

    Schritt 5:

    Im letzten Schritt subtrahiert man die Ergebnisse aus dem 3. Und dem 4. Schritt miteinander. Das Ergebnis zeigt, wie viel durch die Fünftelregelung tatsächlich gespart wurde.

    Beispiel: 12.930 – 12761 = 169

    Hat man die Fünftelregelung verwendet, konnte man im vorliegenden Beispiel also insgesamt 169 Euro sparen.


    Eine zweite Beispielrechnung zeigt, dass die Steuerersparnis nicht immer gleich hoch ausfällt. Je höher die Differenz zwischen dem Jahresgehalt und der Abfindung ist, desto mehr Steuern kann man sparen:

    Beispiel 2: 35.000 Euro Jahreseinkommen, 20.000 Euro Abfindung

    Jahreseinkommen35.000 €
    1/5 Abfindung4.000 €
    Zu versteuerndes Einkommen39.000 €
    Einkommenssteuer (2020) mit Abfindung8.107 €
    Einkommenssteuer (2020) ohne Abfindung6.767 €
    Unterschiedsbetrag1.340 €
    Fünffacher Unterschiedsbetrag 6.700 €
    Steuern mit Fünftelregelung13.467 €
    Steuern ohne Fünftelregelung 14.145 €
    Steuerersparnis678 €
    Steuerersparnis in Prozent 4,79 %

    Welche Voraussetzungen gelten für die Fünftelregelung?

    Die Fünftelregelung kann nicht in allen Fällen angewandt werden – zwei wesentliche Voraussetzungen müssen erfüllt werden.

    1. Gleiches Kalenderjahr

    Die gesamte Abfindungssumme muss innerhalb eines Kalenderjahres auf dem Konto des Arbeitnehmers eingegangen sein. Wird ein Teil der Summe erst im Folgejahr ausgezahlt, darf diese nicht größer sein als fünf Prozent der Gesamtsumme.

    2. Zusammenballung von Einkünften

    Die zweite Voraussetzung besteht in der Zusammenballung von Einkünften. Dies ist dann gegeben, wenn die Abfindung höher ist, als die ausbleibenden Einnahmen des restlichen Kalenderjahres. Konkret bedeutet dies: bisherige Einkünfte des laufenden Kalenderjahres + Abfindung > Einkünfte des laufenden Kalenderjahres + ausbleibende Einkünfte durch Kündigung

    Muss der Arbeitgeber die Abfindung versteuern?

    Der Arbeitgeber zieht die Lohnsteuer und gegebenenfalls Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer von der Abfindung ab und ist verpflichtet, die Abgaben in den Gehaltsunterlagen zu bescheinigen. Die Fünftelregelung wendet der Arbeitgeber nur dann an, wenn diese die Lohnsteuer senkt.

    Wo wird die Abfindung in der Steuererklärung eingetragen?

    Die Daten der Abfindung müssen bei der Steuererklärung in die Anlage N, unter „ermäßigt besteuerte Entschädigungen“ eingetragen werden. Unterlagen, die zusätzlich zusammen mit der Steuererklärung eingereicht werden müssen, sind zum einen der Aufhebungsvertrag und zum anderen die Abfindungsvereinbarung.

    Mehr: Die Coronakrise erschwert Daimler den Jobabbau über Abfindungen.

    • svw
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