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Privat- und Geschäftsreisen Finanzamt erkennt gemischte Aufwendungen an

Wer Geschäftsreisen mit Urlaub kombinieren wollte, der konnte bisher die Kosten für die gesamte Reise nicht geltend machen. Nun hat der Bundesfinanzhof das Abzugsverbot gekippt - und einen Berechnungsmaßstab erstellt.
  • Bernhard Lindgens
08.03.2011 - 10:03 Uhr Kommentieren
Flugzeug: Bisher lehnten Finanzämter Aufwendungen ab, die privat und geschäftlich zugleich motiviert waren. Quelle: dpa

Flugzeug: Bisher lehnten Finanzämter Aufwendungen ab, die privat und geschäftlich zugleich motiviert waren.

(Foto: dpa)

Bonn Für Einzelunternehmen, Personen- oder Kapitalgesellschaften, Freiberufler und Arbeitnehmer gleichermaßen galt jahrzehntelang ein strenges Abzugsverbot privat mit veranlasster Aufwendungen. So reichte den Finanzämtern bei Reisen bereits die Mitnahme der Ehefrau, der Besuch touristischer Veranstaltungen oder angehängte Urlaubstage zur kompletten Ablehnung des begehrten Steuerabzugs. Rückendeckung erhielten sie so lange von den Finanzgerichten, bis der Große Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) seine Rechtsprechung aufgab und das umfassende Aufteilungs- und Abzugsverbot für gemischt – also zugleich geschäftlich und privat – veranlasste Aufwendungen für unzulässig erklärte.

Bei Geschäftsreisen mit privatem Unterhaltungswert bedeutet dies seither: Sofern die beruflich veranlassten Zeitanteile feststehen und nicht von untergeordneter Bedeutung sind, dürfen Aufwendungen für die Hin- und Rückreise in abziehbare Werbungskosten oder Betriebsausgaben und nicht abzugsfähige Aufwendungen der privaten Lebensführung aufgeteilt werden.

Neue Berechnung

Als Berechnungsmaßstab soll das Verhältnis der beruflich und privat veranlassten Zeitanteile der Reise dienen. Einen Steuerabzug lehnten die Finanzrichter des Großen Senats insgesamt nur dann ab, wenn es an objektivierbaren Kriterien für eine Trennung der beruflichen und privaten Veranlassungsbeiträge wie etwa bei einer beruflich/privaten Doppelmotivation für die Reise fehlt. Damit nicht genug hatte der BFH in jüngster Vergangenheit mehrfach selbst Arbeitnehmern den Werbungskostenabzug von Bewirtungsaufwendungen zugestanden. Der generelle Ausschluss von Bewirtungskosten unter Verweis auf das einkommensteuerliche Abzugsverbot von Ausgaben, die durch die gesellschaftliche oder wirtschaftliche Stellung eines Steuerpflichtigen mit veranlasst sind, ist damit ebenfalls vom Tisch.

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    Auswirkungen hat die neue steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung nicht nur auf Reisekosten und Bewirtungsaufwendungen, sondern auch auf andere privat mit veranlasste Ausgaben. So verwundert es nicht, dass die Finanzbehörden die vom Bundesfinanzhof formulierten Voraussetzungen für den Steuerabzug in ihre aktuellen Lohnsteuerrichtlinien 2011 (R 9.1 Abs. 2 Satz 3 Nr. 3) aufgenommen haben. Darin wird klargestellt, dass ein Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug ausschließlich bei objektivierbaren Aufteilungskriterien zulässig ist, die den Finanzämtern eine sachgerechte Aufteilung oder zumindest Schätzung der abzugsfähigen Kosten erlauben.

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