Richtig Enterben So bekommen Ihre Kinder keinen Cent

Dass Eltern ihren Kindern einen Teil ihres Vermögens als Erbe hinterlassen, ist üblich. Doch was, wenn die Familie zerstritten ist und die Kinder nichts bekommen sollen? Es gibt mehrere Möglichkeiten, sie zu enterben.
Es ist nicht einfach, seine Nachkommen zu enterben. Das muss man erstmal übers Herz bringen – und auch zu Papier. Quelle: Getty Images
Streit ums Erbe

Es ist nicht einfach, seine Nachkommen zu enterben. Das muss man erstmal übers Herz bringen – und auch zu Papier.

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Frankfurt„Ich enterbe dich!“ – Dieser Satz wird in Filmen immer wieder fallen gelassen. Grund ist meist eine nicht standesgemäße Ehe, ein angeblich schwerer Verrat an der Familie oder ein Streit mit dem Familienoberhaupt. Aber auch in der Realität gibt es Zerwürfnisse in Familien, die Eltern veranlassen, ihre Kinder zu enterben.

Nahe Angehörige vollständig leer ausgehen zu lassen, ist jedoch gar nicht so einfach, sagt Ursula Seiler-Schopp von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Denn grundsätzlich steht Kindern beim Tod der Eltern ein Pflichtteil zu – auch wenn die Eltern sie im Testament nicht erwähnen.

Die Aufteilung ist gesetzlich vorgegeben: Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des Anteils, der ihnen gesetzlich zusteht, wenn es kein Testament gibt. Hinterlässt also ein Witwer zwei Kinder, möchte aber nur eines beerben, erhält das enterbte Kind einen Pflichtteil von einem Viertel und das andere Kind die übrigen drei Viertel des Vermögens.

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Alleinerbe

Der Alleinerbe erbt als einzige Person. Er tritt rechtlich in die Fußstapfen des Verstorbenen und übernimmt dessen gesamte Rechte, aber auch Pflichten.

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Gesetzliche Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt. Danach wird der Nachlass zwischen dem Ehepartner und den Verwandten des Verstorbenen aufgeteilt, wobei Kinder und Enkel des Erblassers Vorrang vor Eltern, Großeltern oder anderen Angehörigen genießen.

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Annahme der Erbschaft

Wer in Deutschland erben will, muss dafür in der Regel nichts tun. Vor allem braucht er die Annahme des Erbes nicht zu erklären. Dieses Phänomen heißt im Juristen-Deutsch “Von-Selbst-Erwerb.“

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Ausschlagung der Erbschaft

Wer nicht erben will, kann (und muss) die Erbschaft innerhalb einer Frist von sechs Wochen ausgeschlagen. Die Zeit läuft ab dem Moment, in dem der Betreffende von der Erbschaft und deren Gründen erfahren hat. Nach Ablauf der Frist ist eine Ausschlagung in der Regel nicht mehr möglich. Lediglich in Ausnahmefällen besteht die Möglichkeit, die Annahme der Erbschaft anzufechten.

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Ehegattentestament

Verheiratete und eingetragene Lebenspartner können ein gemeinschaftliches Testament errichten. Eine weit verbreitete Form ist dabei das sogenannte Berliner Testament. Dabei setzen sich die Eheleute gegenseitig zu alleinigen Vollerben ein. Erst wenn beide Partner verstorben sind, werden auch die Kinder bedacht. Sie werden zu Schlusserben, also zu Erben des länger lebenden Ehegatten ernannt.

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Pflichtteil

Ein Erblasser kann bestimmte Personen von der Erbfolge ausschließen, aber nicht immer verhindern, dass diese Personen etwas aus seinem Nachlass erhalten. Grund: Der sogenannte Pflichtteil garantiert den nächsten Angehörigen des Erblassers also eine Mindestteilhabe an seinem Nachlass.

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Enterbung

Hat er Erblasser einen oder mehrere gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen oder sie bei der Verteilung des Nachlasses nicht erwähnt, spricht man von Enterbung. Handelt es sich bei den fraglichen Personen um enge Angehörige, können sie oft zumindest seinen Pflichtteil verlangen.

Doch nicht nur Kinder haben das Recht auf einen Teil des Erbes, sondern auch Ehegatten und Eltern. Bei letzteren grenzt Seiler-Schopp jedoch ein: „Eltern verlieren ihren Anspruch, falls die verstorbene Person selbst Kinder hat.“ Lebenspartner, die nicht mit der verstorbenen Person verheiratet waren, hätten hingegen kein Recht auf einen Pflichtteil, sagt die Fachanwältin für Erbrecht.

„Damit ein Angehöriger nur den Pflichtteil erhält, muss man einfach ein Testament anfertigen und eine andere Person als Erben einsetzen. Damit sind alle anderen automatisch enterbt“, erklärt Claus-Henrik Horn, Fachanwalt für Erbrecht. Werden die Enterbten jedoch anschließend nicht selbst aktiv, erhalten sie nicht einmal ihren Pflichtteil.

„Die Kinder müssen an den Erben herantreten und ein Verzeichnis über den gesamten Nachlass fordern. Zudem müssen sie ihren Pflichtteil geltend machen“, sagt er. Dazu haben die Pflichtteilsberechtigten drei Jahre Zeit. Und: Die Frist beginnt erst zum 1. Januar des Jahres nach dem Todesfall.

Auch bei einem sogenannten „Berliner Testament“, einem Testament, in dem sich die Ehepartner gegenseitig als Erben einsetzen und die Kinder erst nach dem Tod des zweiten Ehepartners erben, haben die Kinder schon beim ersten Todesfall den Anspruch auf einen Pflichtteil.

„In diesem Fall wird häufig eine Pflichtteilsstrafklausel ins Testament aufgenommen. Wer im ersten Erbfall den Pflichtteil geltend macht, erhält auch im zweiten Erbfall nur den Pflichtteil“, so Horn. Grundsätzlich werde der Pflichtteil immer in Geld ausbezahlt. „Der Pflichtteilsberechtigte darf keine Gegenstände oder Erinnerungsstücke verlangen.“

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