Selbstanzeige Steuersünder müssen zittern

Alice Schwarzer tat es, Uli Hoeneß ebenfalls: Mit einer Selbstanzeige meldeten sie ihre Schwarzgeldkonten. Die aktuellen Vorgaben dafür sind alles andere als lax. Doch schon bald sollen sie deutlich verschärft werden.
Update: 03.02.2014 - 11:39 Uhr 59 Kommentare

Wie Alice Schwarzer versucht sich aus der Affäre zu ziehen

DüsseldorfAm Ende bleibt nur das Geständnis. Als bekannt wurde, dass Alice Schwarzer 200.000 Euro plus Zinsen für ein Schwarzgeldkonto in der Schweiz zurückzahlen musste, wandte sich die Frauenrechtlerin an die Öffentlichkeit. „Ich habe in Deutschland versteuerte Einnahmen darauf eingezahlt in einer Zeit, in der die Hatz gegen mich solche Ausmaße annahm, dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen“, schrieb Schwarzer in ihrem Internet-Blog.

Heute sähe sie das anders. Bei Alice Schwarzer geht es nicht um Kleingeld. Ein Steueranwalt rechnet auf Grund der Nachzahlung mit „Pi mal Daumen 40.000 Euro Erträge pro Jahr“. Bei einer Rendite von fünf Prozent ergäbe das einen Kontostand von 800.000 Euro. Zu Ihrem Vermögen äußert sich Alice Schwarzer nicht gegenüber Handelsblatt Online. „Mein Konto hat sich in diesen Jahrzehnten durch Zinsen und Zinseszinsen vervielfacht, denn in all der Zeit habe ich nie einen Cent von dem Konto abgehoben. Es war einfach da. Zu meiner Beruhigung“, schreibt sie in ihrem Blog.

So oder so ähnlich dürften viele gedacht haben, die ein Schwarzgeld-Konto in der Schweiz besitzen. Wer wie Schwarzer wieder in die Legalität zurück möchte, hat es schwer. Denn eine absolut sichere Sache ist die Selbstanzeige schon heute nicht. Prominentester Beweis: Fußball-Manager Uli Hoeneß, der sich bald vor Gericht wegen seiner Steuerhinterziehung verantworten muss.

Der großen Koalition sind die Regeln trotzdem noch nicht scharf genug. Im Koalitionsvertrag heißt es, die Regelungen zur strafbefreienden Selbstanzeige würden weiterentwickelt. Und fernab der Öffentlichkeit diskutieren Steuerexperten schon seit Monaten, wie die Vorschriften überarbeitet werden können.

Wer Steuern hinterzieht, dem droht gleich doppeltes Ungemach. Auf der einen Seite fordert der geprellte Fiskus eine Nachzahlung, auf der anderen Seite verhängt der Staat eine Strafe. Einen legalen Weg, die Nachzahlung zu umgehen, gibt es nicht. Die Strafe allerdings kann mit einer Selbstanzeige verhindert werden – sofern diese wirksam, also fehlerfrei ist. Das System funktioniert, allein im vergangenen Jahr haben sich rund 25.000 Steuersünder selbst angezeigt.

Immerhin: Zur kompletten Abschaffung der strafbefreienden Selbstanzeige wird es sobald wohl nicht kommen. Denn das wäre nach Einschätzung einer Fachgruppe aus Steuerabteilungsleitern von Bund und Ländern nicht sinnvoll und vielleicht sogar verfassungswidrig. Einige Verschärfungen sind aber möglich. Der Bericht liegt Handelsblatt Online vor.

Steuersünder im Visier
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59 Kommentare zu "Selbstanzeige: Steuersünder müssen zittern"

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  • Daß sich Frau Schwarzer jetzt gewissermaßen mit Exilanten der Nazizeit gleichstellt um weltanschaulich links den Anschein zu wahren ("...dass ich ernsthaft dachte: Vielleicht muss ich ins Ausland gehen“) ist in meinen Augen die weit größere Unverschämtheit als die Hinterziehung von Steuern. Immerhin hat sie ihr Geld ja wohl selbst verdient - und im Gegensatz zu Leuten die es längst auf den Kopp gehauen haben auch nichts davon gehabt.

  • Stellt Sie alle an den Pranger - Steuerhinterzieher wie auch Steuerverschwender und lasst Konsequenzen folgen. Ohne Konsequenzen bleibt alles beim Alten ob beim Flughafen Berlin - schönen Gruß an Herrn Wowereit, der ist immer noch im Amt - oder bei Fr. Schwarzer. Nicht vergessen, wer auf andere mit dem Finger zeigt, deuten immer drei Finger in meine Richtung.

  • War der Meinung, Handelsblatt sei eine wirtschaftsnahe Zeitung.Für Steuervergehen gibt es Rechtsgrundlagen, aber Medienhatz sollte wohl den Zeitungs-Absatz fördern!? Der Gerechtigkeit halber: Wo sind die Artikel über gigantische Steuerverschwendung durch Politiker und Beamte? Die kommen straffrei davon, sogar in so evidenten Fällen wie beim Flughafen Berlin.
    Ordnungspolitik ist passé und damit konstitutive und regulierende Prinzipien. Vielleicht könnte man dem schreibgewandten G. Steingart Bücher von W. Eucken, Röpke, Rüstow, L. Erhard usw. auf den Lesetisch legen

  • Zitat : Steuersünder müssen zittern

    - die Straffreiheit bei Steuerhinterziehung, garantiert durch den Staat, ist ein Witz in sich :

    bei Steuerbehörden , Banken, Medien arbeiten halt Menschen......und diese quatschen !

    Diese Menschen sind nicht in Geheimdiensten beschäftigt und zur "Strafrechtlich verfolgten Verschwiegenheit" verpflichtet !

    Diese Menschen zeigen ihre Gefühle : NEID, GIER, MISSGUNST, RACHE u.s.w. und QUATESCHEN !

    Und diese Menschen VEWRKAUFEN auch ihr Wissen !

    Die Steuerhinterzieher dieser Republik müssen sich warm anziehen : früher oder später kommen sie alle an den öffentlichen Pranger !

    Zurecht, bei Verlogenheit unseres Staates !

  • Verschärfung wird erst kommen, wenn auch letzter Politiker Selbstanzeige vorgenommen hat.
    Oder glaubt hier einer, dass nur die paar Bekannten Steuern hinterzogen hat?
    CDU Hessen hatte schon in 1980Er Jahren Konto in Schweiz.
    Und die Grossspende an Kohl? Wo soll das Geld gebunkert worden sein?
    Momentane Scheinheiligkeit ist zum K....!

  • Keiner zahlt gerne Steuern. Der großen Masse werden sie abgezogen. Nur die Selbstständigen können ihr verdientes Einkommen differenzierter gestalten, können aber auch nicht am Fiskus vorbei. Manche - die Gierigen - bringen ihr unversteuertes Geld ins vermeintlich sichere Ausland und bekommen nun zurecht, von den daraus entstehenden Konsequenzen, Angst.
    Dass es Frau Schwarzer erwischt hat - etwas Schadenfreude sei erlaubt - finde ich gut, da sich diejenigen, die es sich nicht richten können, sich nicht immer, als die Dummen der Nation verstehen müssen.
    Bei Menschen, die sich als moralische Instanzen arrogieren - Frau Schwarzer gehört zu dieser Spezies - dürfen wir höhere soziale und moralische Ansprüche erwarten.
    Auch bei Frau Schwarzer gilt Bertold Brecht: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral."

  • Besonders schlimm finde ich, wenn solche "Moralprediger" wie A.Schwarzer selber Straftäter sind. Denn Steuerhinterziehung ist eine erhebliche Straftat! Wenns um die eigene Kohle geht, da sind die moralischen Hürden nicht ganz so hoch. Aber wenn es um andere Personen geht, dann wird kräftig mit Füßen getreten und die Moral groß geschrieben!! Pfui Frau Schwarzer!!!!!

  • Lieber Oliver 42

    Kindergartenausbau kostet ca. 10 mia, Strassenausbau ca 100 mia, Schulausbau ca 50 mia EUR.

    Die Finanzierung der Beamten (Besoldungen, Pensionen und Beihilfen etc.) kostet ca. 200 mia EUR jährlich.

    Noch Fragen?

  • Also ich würde mich freuen, wenn es ein Selbstanzeige-Leaks geben würde und die Namen aller deutschen Steuerhinterzieher im Internet öffentlich wird.

    Nicht nur Hoeness oder jetzt Frau Schwarzer ALLE (!) Steuerhinterzieher mit Konten in der Schweiz sollten an den öffentlichen Pranger.

    Wer Steuern hinterzieht, der schadet unserer Gesellschaft. Das Geld fehlt für den Kindergartenausbau, für bessere Straßen und bessere Schulen.

    So haben Frau Schwarzer aber auch Herr Hoeness bei mir moralisch und ethisch total verloren. Frau Schwarzer mochte ich zuvor, Herrn Hoeness nicht. Aber jetzt sind sie beide bei mir moralisch "unten durch".

    Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern es schadet unserer Gesellschaft massiv !!!

  • @X.vsObrigkeitsstaat

    Sie nennen die Fakten genau beim Namen. Aber was ändert sich dadurch in dieser Beamten- Diktatur?

    Revolution geht nur durch Druck von aussen.

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