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Steuererklärung 2011 So holen Sie Ihr Geld vom Staat zurück

Noch zwei Monate bleiben den Steuerzahlern, um ihre Steuererklärung abzugeben. Wer dem Finanzamt kein Geld schenken will, sollte jetzt handeln. Handelsblatt Online zeigt, worauf man achten muss.
Update: 04.04.2012 - 12:40 Uhr 14 Kommentare
Bis zum 31. Mai 2012 müssen Steuerpflichtige ihre Einkommensteuererklärung für 2011 abgeben. Am Anfang steht die Frage: Mache ich die Erklärung selbst oder engagiere ich einen Experten?

Bis zum 31. Mai 2012 müssen Steuerpflichtige ihre Einkommensteuererklärung für 2011 abgeben. Am Anfang steht die Frage: Mache ich die Erklärung selbst oder engagiere ich einen Experten?

DüsseldorfFormulare ausfüllen, Belege zusammensuchen – das ist keine angenehme Aufgabe, lohnt sich aber fast immer. Im Schnitt bekommen Steuerzahler vom Finanzamt über 800 Euro erstattet. Allerdings nur, wenn Sie ihre Einkommensteuererklärung abgeben. Die Frist dafür läuft.

Nur noch knapp zwei Monate bleiben Steuerzahlern, um die Formulare auszufüllen und einzureichen. Wer keinen Verspätungszuschlag riskieren will, sollte sich ranhalten und die offizielle Frist bis Ende Mai einhalten.

Handelsblatt Online zeigt in einem mehrteiligen Spezial zur Steuererklärung 2011, wie Steuerpflichtige bei der Erklärung ihrer Steuern vorgehen sollten, wie Arbeitnehmer möglichst viel Geld vom Finanzamt zurückholen, was Selbständige beachten müssen, wie sich Eltern am besten Unterstützung sichern und welche Sonderregeln es für Immobilienbesitzer und Kapitalanleger gibt.

Bevor sie loslegen, müssen sich Steuerzahler überlegen, ob sie ihre Erklärung alleine machen wollen – und können – oder lieber Hilfe bei einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein suchen. „In den Standardfällen schaffen viele Steuerzahler ihre Einkommensteuererklärung sicherlich gut alleine und müssen keinen Steuerberater engagieren“, rät Wolfgang Wawro, Steuerberater und Vorstandsmitglied des Deutschen Steuerberaterverbandes. Der Rat eines Experten sei jedoch sinnvoll, wenn es durch doppelte Haushaltsführung, Reisekosten oder Selbstständigkeit komplizierter wird.

„Oft ergeben sich im Gespräch mit den Mandanten Möglichkeiten zum Steuernsparen, an die sie alleine gar nicht gedacht hätten“, sagt Wawro. Viele Steuerzahler wüssten beispielsweise nicht, dass sie Reparaturkosten etwa für die Waschmaschine, den Computer und den Fernseher von der Steuer absetzen können. Zwei Feinheiten müsse man aber beachten: Das Gerät muss tatsächlich vor Ort repariert werden, sonst gilt die Reparatur nicht mehr als haushaltsnahe Dienstleistung, und die Rechnung darf nicht bar bezahlt werden. Hintergrund dafür ist die Bekämpfung der Schwarzarbeit.

So finden Sie einen Steuerberater

Vorteil eines Steuerberaters oder eines Lohnsteuerhilfevereins ist auch, dass diese aktuelle Urteile zum Steuerrecht im Blick haben. „Auch Steuerzahler, die ihre Erklärung alleine machen, sollten sich über laufende Verfahren informieren“, rät Anita Käding, Steuerexpertin vom Bund der Steuerzahler.

Umstritten ist aktuell beispielsweise noch die Frage, ob die Kosten für eine Berufsausbildung oder ein Erststudium als Sonderausgaben oder als Werbungskosten bei der Steuererklärung geltend gemacht werden können. Wenn ein negativer Steuerbescheid kommt, solle man dagegen Einspruch einlegen und Verfahrensruhe beantragen.

„Ein Anspruch auf Verfahrensruhe besteht, wenn in der Rechtsfrage ein Verfahren vor einem obersten Bundesgericht, also zum Beispiel beim Bundesfinanzhof, beim Bundesverfassungsgericht oder beim Europäischen Gerichtshof anhängig ist“, sagt Wawro. Mit der Einlegung des Einspruchs sei die Verjährung gehemmt und es bestehe auch nach vielen Jahren noch die Chance, bei positivem Prozessausgang eine Steuererstattung zu erhalten.

Den passenden Steuerberater zu finden, ist aber nicht einfach. „Mit dem Steuerberater ist es wie mit einem Arzt“, sagt Steuerexpertin Käding. „Der Laie kann die Qualifikation kaum prüfen.“ Sinnvoll sei es deshalb, auf die Empfehlung von Bekannten zu setzen. Der Deutsche Steuerberaterverband bietet zudem unter www.dstv.de eine Steuerberatersuche, bei der nach Region und Sachbereich gefiltert werden kann. „Bei Lohnsteuerhilfevereinen sollte man stets auf die Zertifizierung achten“, empfiehlt Anita Käding.

Wer bei der Einkommensteuererklärung  die Hilfe eines Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nehmen will, muss dort Mitglied werden und einen jährlichen Mitgliedsbeitrag zahlen. Dieser richtet sich nach den steuerpflichtigen Einnahmen – beispielsweise dem Bruttoarbeitslohn oder den Rentenbezügen – und den steuerfreien Beiträgen wie dem Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung und dem Arbeitslosengeld.

Beim Lohnsteuerhilfeverein Bayern zahlen Mitglieder mit einem Einkommen unter 11.999 Euro 56 Euro, zwischen 39.000 und 45.999 Euro werden 124 Euro fällig. Mitglied können allerdings nur Arbeitnehmer, Rentner und Unterhaltsempfänger werden – keine Selbstständigen. Außerdem dürfen alleinstehende Mitglieder nicht mehr als 13.000 Euro Einnahmen aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie aus privaten Veräußerungsgeschäften erzielen.

Am 31. Mai läuft die Frist ab

Die Vergütung des Steuerberaters ist gesetzlich in der Steuerberatergebührenverordnung geregelt, allerdings können die Berater auch einen Betrag vereinbaren, der über der gesetzlichen Vergütung liegt. Laut Gesetz soll sich die Gebühr entweder nach der Bearbeitungszeit oder nach der Höhe des steuerrelevanten Einkommens richten. Angegeben werden jedoch stets gewisse Spannbreiten, je nach Aufwand kann der Steuerberater sein Honorar also eher am oberen oder am unteren Ende dieser Spanne ansetzen.

Wer auf die Experten vertraut, muss die Erklärung erst bis zum 31. Dezember 2012 und nicht schon bis zum 31. Mai abgeben. Zudem kann der Steuerzahler sowohl den Steuerberater als auch den Lohnsteuerhilfeverein dafür haftbar machen, wenn bei der Erklärung ein Fehler passiert und ihm Rückzahlungen vom Finanzamt entgehen. „Die Beweislast liegt jedoch beim Steuerzahler und für ihn ist es gar nicht einfach, den Steuerfachleuten Fehler nachzuweisen“, sagt Käding.

Wer die Steuererklärung alleine anfertigt, muss sie bis zum 31. Mai abgegeben. „Eine echte Ausschlussfrist ist das zwar nicht, aber alle Einkommensteuererklärungen – sofern sie nicht freiwillig abgegeben wurden – gelten ab diesem Zeitpunkt als verspätet eingereicht“, sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BDL).

Danach müssen die Steuerpflichtigen mit der Festsetzung eines Verspätungszuschlags rechnen oder sogar mit einem Schätzungsbescheid - bei dem das Finanzamt die Einkünfte und Ausgaben des Steuerpflichtigen schätzt. Wer seine Unterlagen nicht rechtzeitig einreicht, sollte deshalb bei seinem Finanzamt einen Antrag auf Fristverlängerung stellen.

Steuer-Software erfüllt hohe Standards

„Feste gesetzliche Regelungen, wann eine Ermahnung oder ein Schätzbescheid kommt, gibt es nicht“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Allerdings sei es möglich, dass die einzelnen Finanzämter dafür interne eigene Anweisungen haben. Auch beim Verspätungszuschlag handelt es sich um eine Ermessensentscheidung. Er kann festgesetzt werden, muss aber nicht. Laut Gesetz darf der Verspätungszuschlag „zehn Prozent der festgesetzten Steuer oder des festgesetzten Messbetrags nicht übersteigen und höchstens 25.000 Euro betragen“.

Für Steuerzahler, die keinen Berater engagieren, sich aber auch nicht ganz ohne Hilfe durch die Formulare wühlen wollen, kann eine Steuersoftware hilfreich sein. Die Angebote sind vielfältig. „Die gängigen Programme erfüllen alle einen hohen Standard“, sagt Käding. „Wir empfehlen kein einzelnes Produkt, können aber nach unseren Erfahrungen von keinem abraten.“ Elster, das Programm des Finanzamtes, ist jedoch umstritten. „Ich halte nicht viel von der Elster-Software“, sagt Steuerberater Wawro. Das Programm melde zwar Fehler, gebe beim Ausfüllen aber keine konkreten Hinweise und Tipps.

Hilfreich können die Programme auch deshalb sein, weil seit diesem Jahr sehr viel mehr Steuerzahler verpflichtet sind, ihre Steuererklärung elektronisch zu übermitteln. Unternehmer müssen nahezu sämtliche Steuererklärungen für den Veranlagungszeitraum 2011 elektronisch an das Finanzamt übermitteln. Ausgenommen von der Pflicht sind jedoch Arbeitnehmer, die keine sogenannten Gewinneinkünfte – also Einkünfte aus einer Tätigkeit als Selbstständige, als Land- und Forstwirte, Freiberufler oder Gewerbetreibende – haben.

Im nächsten Teil des Spezials lesen Sie in der kommenden Woche, was sich für Arbeitnehmer bei der Steuererklärung ändert und wie sie möglichst viel Geld vom Finanzamt zurückholen.

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14 Kommentare zu "Steuererklärung 2011: So holen Sie Ihr Geld vom Staat zurück"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wir benutzen seit 2011 das Produkt "SteuerSpar Erklärung plus" und sind sehr zufrieden. Es werden auch komplizierte Fälle abgedeckt. Wenn man Fragen hat bekommt man schnell eine Antwort.
    Die Jahressteuerbescheinigungen der Banken haben wir erhalten, bis auf die der comdirect. Telefonisch erhielten wir die Auskunft, daß man guter Dinge sei die Erklärung bis Ende April liefern zu können! Begründung: Fehlanzeige! Aber der Steuerbürger der BRD setzt sich ja pflichtgetreu bei schönem Sommerwetter hin und erfüllt gern die Anforderungen gegenüber unserem Räuberstaat!!

  • Ich wundere mich, dass karstenberwanger nicht mehr Zustimmung für seinen Kommentar erhält.
    Offenbar haben wir es in Deutschland noch immer mit dem Phänomen zu tun, dass der Steuerzahler sich von seinem obrigkeitshörigen Glauben an die Allwissenheit und Vernunft seines Übervaters Staat so ungern trennt, dass er lieber Steuern zahlt als seine Standpunkte zu hinterfragen.

    Oder liegt es einfach daran. dass nach 60 Jahren Sozialstaat 70 Prozent der Wahlberechtigten indirekt oder direkt Transferempfänger geworden sind?

  • "So holen Sie Ihr Geld vom Staat zurück" -
    dieser Satz verrät in selbstkarikierender Weise die obrigkeitshörige Schnäppchen-Mentalität, mit welcher der deutsche Michel bei jedem kleineren Problem nach dem alleswissenden Vater Staat ruft und dann bei der Steuererklärung beginnt zu tricksen und zu feilschen.
    Das passende Wort, das in diesem voll und ganz im deutschen Steuerwahnsinn eingekastelten Artikel fehlt, ist das Wort "Besserverdiener", um nur ja nicht das Licht darauf zu lenken, dass die Umverteilung längst zum Substanzverzehr einer ganzen Volkswirtschaft geworden ist.

    Das ist genau die deutsche Sozialbürokratie-Schnäppchen-Mentalität, mit der eine ganze Generation aus materiellem Egoismus aufgehört hat, Kinder zu kriegen, um stattdessen lieber den eigenen Mittelklassewagen regelmäßig in Waschstraße zu fahren.

    Denkdeformationen nach 60 Jahren Sozialstaat.

  • Sehr richtig, 70-80% Steuer- und Abgabenbelastung (einschließlich indirekter Steuern) sind grotesk zu viel; davon leben nur die Hartz IV und die Beamtenschmarotzer mit ihren Luxuxpensionen.

  • ...ein Verlängerungsantrag ist formlos unproblematisch möglich... ...nachschauen, googeln oder einfach jemanden fragen... ;-)

  • karstenberwanger würde - sofer er auch nur einen Cent hätte, eine Bar auf Mallllorga eröffnen und wäre sicher der Ansicht DIE Idee gehabt zu haben..

    Ach ja lieber Karsten, er erheitert mich :-) Besser waren die Hofnarren früher auch nicht :-D

  • Was macht man, wenn die Bank bis zum 31. Mai die Steuerbescheinigung nicht fertig hat? Im vergangenen Jahr waren das Commerzbank und comdirect. Ich bin verpflichtet, die Steuererklärung bis 31. Mai abzugeben (das Geld für einen Steuerberater ist mir zu schade), aber die Banken halten ihre gesetzlichen Verpflichtungen nicht ein. Wer muss dann die eventuelle Strafe zahlen?

  • Unser ganzes Steuersystem ist darauf ausgelegt, daß der Steuerpflichtige sich die ihm zustehenden Steuern mühsam vom Staat zurück holen muß. Bei der letzten Steuererklärung musste ich für meine Familie 13 Formulare ausfüllen! Das allein dauert schon Stunden, ganz zu schweigen von der Zeit, die man mit Nachdenken verbringt, was in welche Spalte gehört. Immer mehr Leute kapitulieren und lassen das mit der Erklärung ganz sein. Es sind Summa summarum Milliarden, die da dem Fiskus geschenkt werden! Die Schwachen (also die, die sich keinen Steurberater leisten können) haben in diesem System verloren. Und wenn der Glücksfall der Steuerstattung dann eintritt, wird das Geld 20 Monate nachdem es sich der Fiskus gekrallt hat, wieder erstattet - natürlich zinslos.
    Tja und dann ist mir noch aufgefallen, daß ich in den letzten Jahren trotz sinkendem Einkommen immer mehr Steuern zahlen durfte. Warum? Schließlich sind die Steuersätze doch leicht gesunken. Der Trick: Die Bemessungsgrundlagen wurden erhöht. Nun muss immer mehr Geld versteuert werden, das früher steuerfrei war. Was für eine eerbärmliche Trickserei!

  • Die Frist ist ja schön und gut, überzogen habe ich sie schon mehrfach ohne dass etwas passiert wäre. Da in der Regel eine Rückzahlung ansteht ist es aus Gründen der Einnahmenoptimierung günstiger den typischen Lohnsteuerzahler nicht daran zu erinnern. Die dicke Keule wird bestimmt nur bei einer vermuteten Nachzahlung aus dem Sack geholt?

    Zufällig ist heute die Steuerbescheinigung meiner Bank eingetroffen. Dies geschieht immer später. Ist dagegen kein Kraut gewachsen? Schließlich gehen mir dadurch Zinsen auf die Rückzahlung durch die Lappen. Als ich mich diesbezüglich einmal beschwert hatte musste die Einführung der Abgeltungssteuer herhalten.

  • der Artikel schürt wieder Panik, die meisten alleinstehenden Arbeitnehmer sind gar nicht verpflichtet eine abzugeben und haben Jahre das nachzuholen, das erkläre ich Kollegen JEDES Jahr

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