Steuerhinterziehung Warum Sie mit einer Selbstanzeige günstiger davonkommen

Eine Selbstanzeige ist für Steuersünder deutlich günstiger, als erwischt zu werden. Doch für Anleger der Schweiz kann es sich lohnen, auf das Inkrafttreten des Steuerabkommens zu warten.
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Nachgerechnet: Selbstanzeige oder nicht?

DüsseldorfIm ARD-Tatort „Schmuggel“ bestach eine Bank mehrere Zollbeamte, um das Geld ihrer Kunden sicher über die Schweizer Grenze zu bringen. Das hat am Ende zwei Menschen das Leben gekostet. Keine empfehlenswerte Methode, um Schwarzgeld zu legalisieren. 100 Milliarden Euro haben Deutsche schätzungsweise in der Schweiz liegen. Immer neue Daten CDs tauchen auf, bei höheren Summen droht Gefängnis.

Steuersünder fangen jetzt an zu rechnen: Was kostet eine Selbstanzeige? Was kostet es, von den Steuerfahndern erwischt zu werden? Und lohnt es sich für Schweiz-Anleger, die Einmalabgabe nach dem Steuerabkommen abzuwarten, mit der 2013 alle Vermögen nachversteuert werden sollen?

Angenommen ein deutscher Manager ist Ende 2003 von der Schweiz nach Deutschland zurückgekehrt. Er hat auf einem Schweizer Depot 400.000 Euro zurückgelassen, das Geld hat sich über die Jahre um drei Prozent jährlich vermehrt. Die Zinseinkünfte von 106.700 Euro bis 2010 hat die Führungskraft nicht beim Fiskus angegeben. Hatte er einen Grenzsteuersatz von 40 Prozent, hätte er darauf gut 39.000 Euro Steuern zahlen müssen.

Wenn er seine Einkommenssteuererklärungen freiwillig nachträglich korrigiert, muss er jede versäumte Steuerzahlung mit sechs Prozent jährlich versteuern. Er müsste also zusätzlich zur Nachzahlung noch 13.200 Euro Zinsen bezahlen. Dann käme er aber mit einer Überweisung von insgesamt 52.200 Euro an den Fiskus noch relativ billig davon.

Zwanziger deklariert Luxus-Uhr beim Zoll nach
World Cup 2014 - Theo Zwanziger
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Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hat die ihm bei der Fußball-WM in Brasilien vom brasilianischen Verband geschenkte Luxus-Uhr laut eigener Auskunft beim Hauptzollamt am Frankfurter Flughafen nachträglich deklariert. Der Chronometer im Wert von 20.000 Euro hätte eigentlich schon bei seiner Einreise nach der Rückkehr von der WM-Endrunde beim Zoll angemeldet werden müssen. Der Jurist aus Altendiez, Mitglied im Exekutivkomitee des Weltverbandes Fifa, hatte das Präsent laut eigener Darstellung allerdings erst entdeckt, nachdem er nach seiner Rückkehr aus Brasilien von einem englischen Journalisten kontaktiert wurde.

„Ich habe einen Fehler gemacht, weil ich den Inhalt der Geschenktüte nicht genau überprüft habe. Ich hätte es aber auch nicht für möglich gehalten, dass so etwas nach den Entwicklungen bei der Fifa seit 2012 mit der Einrichtung einer neuen Ethik- sowie Compliance-Kommission noch möglich ist", sagte Zwanziger der am Mittwoch erscheinenden Sport Bild. Anfang der Woche übergab Zwanziger die Uhr laut eigener Darstellung in Zürich auf der Geschäftsstelle der Ethik-Kommission. Bis zum 24. Oktober haben die mehrere Dutzend Fußball-Funktionäre, die eine Uhr erhalten vom CBF erhalten hatten, Zeit, das wertvolle Geschenk zurückzugeben. Tun sie das würden keine Ermittlungen wegen Verletzung des Fifa-Ethikcodes eingeleitet.

Spitzenköche bitten auf Luxusliner zu Tisch
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Um welchen Betrag es geht, ist noch nicht bekannt. Doch die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen den Fernsehkoch Johann Lafer wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Das sagte Staatsanwalt Hans Peter Gandner am 3. September in Koblenz. Der Anwalt von Lafer erklärte auf Anfrage, sein Mandant werde sich während eines laufenden Verfahrens nicht äußern. Eine frühere Mitarbeiterin habe Strafanzeige gestellt, erklärte er. Zwei Tage zuvor hatten rund 45 Beamte Lafers Restaurant in Stromberg und seine Kochschule in Guldental bei Bad Kreuznach durchsucht, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. „Wir ermitteln gegen die Eheleute Lafer wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung“, sagte Gandner. Nun werde die Staatsanwaltschaft die Unterlagen und elektronischen Dateien auswerten.

Alice Schwarzer
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Sechsstelliger Euro-Betrag: Zunächst hatte sich die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt, dann kam raus: Mitte Mai 2014 sollen die Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung Köln diverse Objekte durchsucht und mehrere Durchsuchungsbeschlüsse für Bankkonten vollstreckt haben. Die Beamten hätten den Verdacht, dass Schwarzer Steuern aus selbstständiger Arbeit vorenthalten haben könnte – in sechsstelliger Höhe. Ihre Selbstanzeige könnte damit unwirksam sein. Auch dass sie bereits 200.000 Euro Steuern plus Säumniszinsen nachgezahlt hat, würde ihr dann nicht mehr helfen.

Uli Hoeneß
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Rund 28,5 Millionen Euro: Bayerns Ex-Boss Uli Hoeneß war im März 2014 wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte für Spekulationsgeschäfte in der Schweiz jahrelang keine Steuern gezahlt und dadurch Steuern in Höhe von rund 28,5 Millionen Euro hinterzogen. Seit Anfang Juni ist er in der Justizvollzugsanstalt Landsberg inhaftiert.

QUINN
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900.000 Euro hinterzogene Steuern: Der Sänger Freddy Quinn hatte seinen Hauptwohnsitz jahrelang in der Schweiz, lebte aber überwiegend bei seiner Hamburger Lebensgefährtin Lilly Blessmann. Die deshalb in Deutschland fälligen Steuern, zwischen 1998 und 2002 immerhin rund 900.000 Euro, hat der Österreicher nach eigenem Eingeständnis aber nie bezahlt. Er habe sich nie mit finanziellen Dingen beschäftigt, rechtfertigte sich der Musiker vor Gericht. Außerdem beglich er sofort seine Steuerschuld, so dass im Prozess 2004 die verhängte Haftstrafe von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt wurde. Hinzu kam ein Bußgeld über 150.000 Euro.

Zumwinkel-Prozess
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970.000 Euro hinterzogene Steuern: Klaus Zumwinkel verlor wegen einer Steueraffäre seinen Job als Vorstandschef der Deutschen Post. Ermittler der Bochumer Staatsanwaltschaft durchsuchten vor laufenden Fernsehkameras im Februar 2008 das Privathaus des Topmanagers. Die Staatsanwaltschaft warf Zumwinkel vor, über die LGT Bank Geld in eine Stiftung nach liechtensteinischem Recht geschleust und so den deutschen Fiskus um fast eine Million Euro betrogen zu haben. Mitte Februar 2008 trat der Post-Chef zurück und wurde knapp ein Jahr später zu zwei Jahren Haft auf Bewährung plus Zahlung einer Geldstrafe von einer Millionen Euro verurteilt.

Prozess gegen Ex-Staatssekretaer Luwig-Holger Pfahls
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1,96 Millionen DM hinterzogene Steuern: Der frühere Verfassungsschutzchef und Ex-Verteidigungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls war eine Schlüsselfigur der CDU-Spendenaffäre. Er räumte ein, vom Geschäftsmann Karlheinz Schreiber 3,8 Millionen Mark erhalten zu haben. Schreiber habe das Geld für ihn in der Schweiz verwaltet. Ausgehändigt worden seien ihm 873.000 Mark. Das Landgericht Augsburg erklärte ihn 2005 der Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung für schuldig und verurteilte ihn zu zwei Jahren und drei Monaten Haft. Pfahls kam nach gut 13 Monaten frei, musste aber Ende 2011 erneut wegen Bankrotts und Betrugs in Haft.

Denn würde er vom Finanzamt erwischt, würde es deutlich teurer. Ins Gefängnis kommt er bei dieser Summe zwar nicht. Aber er bezahlt zusätzlich zur Nachzahlung noch eine ordentliche Strafe. Bei einem Nettoeinkommen von 6000 Euro kostet sie etwa 235 Tagessätze zu 200 Euro, also 47.000 Euro. Die Überweisung wäre am Ende mit knapp 100.000 Euro fast doppelt so hoch wie bei der Selbstanzeige. „Dass die Strafe in etwa die gleiche Höhe hat, wie die Steuernachzahlung, entspricht unserer Erfahrung“, sagt Experte Heiko Kubaile von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Zürich. In jüngster Zeit seien die Strafen sogar noch härter geworden. Sie könnten leicht auch das Eineinhalbfache bis Zweifache der Nachzahlung ausmachen. Vom Karriere-Schaden ganz zu schweigen. Beamte dürfte so ein „Kavaliersdelikt“ regelmäßig ihre Stelle kosten.

Die Einmalabgabe bleibt anonym
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9 Kommentare zu "Steuerhinterziehung: Warum Sie mit einer Selbstanzeige günstiger davonkommen"

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  • Das ist ja alles richtig. Aber ist ist unstreitig, dass zu viel Geld falsch verwendet wird. Wenn man sich den deutschen Föderalismus ansieht.... Was für ein Sparpotenzial. Die Kosten der Wiedervereinigung sind auch ein gutes Beispiel. Der Ausbau des Frankfurter Flughafens... Stümperei von Anfang an, statt einen neuen Flughafen zu konzipieren. Der Bund der Steuerzahler und der Rechnungshof berichten jedes Jahr. Was machen die Politiker damit.....Nichts. Und so beißen wir die Zähne zusammen und zahlen. Aber irgendwann wird das passieren. Die Leute werden sich verweigern. Die Finanzbeamten werden anfangen, denn die wissen schon heute nicht mehr, was richtig ist.

  • Leider handelt es sich häufig nicht um normale Zinsen sondern um Erträge aus sogenannten intransparenten Fonds, die in Deutschland nicht zum Handel zugelassen sind. Diese werden laut Investitionssteuergesetz (InvStG) mit einer fiktiven Rendite von jährlich 6% angesetzt. Da die meisten Vermögen von bankinteren Vermögensverwaltungen betreut werden und diese öfters umschichten (den einen Fond verkaufen und einen anderen kaufen; schließlich müssen ja auch Provisionen verdient werden) sind zusätzlich fiktive Veräußerungsgewinne (70% des Rücknahmepreises, §6 InvStG) zu versteuern.
    Der Artikel sagt nicht, dass eine strafbefreiende Selbstanzeige vollumfänglich sein muss, und die hinterzogenen Steuern nacherklärt und inklusive eines Zuschlags von 5% fristgerecht nachbezahlt werden müssen (§398a AO). Gerade das ist aber wegen der fehlenden Offenlegung nach deutschem Recht nicht möglich. Denn warum sollen ausländische Fonds ihren Abschluss in Deutschland prüfen lassen und offenlegen, das Kostet schließlich Geld. Deswegen bedient sich das Finanzamt des §6 InvStG.
    Und dies hat dann zur Folge, dass das komplette Vermögen nur für die Zahlung der Steuer verwendet werden muss. Da ist von der Strafe noch gar keine Rede.

    Außerdem entfällt eine Selbstanzeige in vier Fällen: Bekanntgabe einer Prüfungsanordnung, Amtsträger ist erschienen, Bekanntgabe der Einleitung eines Straf- oder Bußgeldverfahren und Tatentdeckung und Täter musste damit rechnen (§371 Abs. 2 AO) In wieweit eine Tat entdeckt ist, wenn der Betreffende auf einer den Behörden vorliegenden CD genannt ist, wird dann auch noch zu klären sein.

  • "Der Staat wird immermehr zur Krake, es werden zunehmend Gelder aus Deutschland in den Süden Europas fließen."

    Peanuts! Verglichen mit dem was die Wiedervereinigung gekostet hat. Die Deutschen wollen aber so sehr die DDR wieder haben. Eine DDR-Kanzlerin haben wir ja. Der DDR-Präsident kommt bald. Die DDR kommt direkt danach. Und dann wird sich Keiner mehr aufregen, wenn Gelder in den Süden fließen.

  • Schoen bloed, einfach raus aus Deutschland und abmelden, schon guckt das Finanzamt in die Roehre. Es gibt genug nette Flecken auf dem Planeten wo man mit etwas Kapital ein hervorragendes Leben fuehren kann, ohne Steuern zahlen zu muessen.

    Ich mache dies seit 18 Jahren so.

  • Volle Zustimmung! Der Staat wird immermehr zur Krake, es werden zunehmend Gelder aus Deutschland in den Süden Europas fließen. Der Deutsche wird geschröpft. Es wird wieder die Zeit kommen, in der die Leute ihr Vermögen in Goldmünzen anlegen und dieses somit dem Zugriff des Staates entziehen.

  • Was in Griechenland passiert, passiert weil es die Politik vermasselt hat. Erzählen Sie mir bitte keinen Blödsinn, vonwegen dass ein Staat seine Bürger mit 50-60% Abgaben schröpfen muss, der Arztbesuch ein Luxus wird, Mitbestimmung keinerlei Berechtigung hat ABER Gelder in alle Welt fliessen während die Politik längst nicht mehr die Interessen der Bürger vertritt aber Geld hat MEnschen aus aller Welt durchzufüttern.

    Das hat absolut gar nichts mit Griechenland zu tun und was dort passiert! Steuern bezahlen, gehören zu den Bürgerpflichten aber was man in D bezahlt, hat mit "Steuern" bezahlen nicht das gerinsgte zu tun, das ist Raub was hier passiert und zwar auf höchstem Niveau!

  • Man kann sich sicher über viele unsinnige Ausgaben mokieren, aber Steuern zahlen gehört nunmal zu den Bürgerpflichten - wir wollen ja auch in einer vernünftige Infrastruktur leben. Und die wird aus Steuern und Abgaben bezahlt. Wenn man etwas ändern möchte sollte man sich engagieren - aber bitte nicht verweigern.

  • und wo diese Einstellung hinführt sehen Sie in Griechenland.

  • SteuerSÜNDER, ich lach mich krank. Ich sehe es inzwischen eher fast schon als Pflicht an dass man diesem Staat das Geld besser entzieht denn jeder Cent in privater Hand ist besser angelegt und dient dem KReislauf besser als dass er diesem ekelhaften Staat mit seinen irrsinnigen Steuern und dieser abartigen Politik zugeführt wird.

    Wer so blöd ist und sich selbst anzeigt, dem gehörts auch nicht anders.

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