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Steuerskandal Cum-Ex-Vergangenheit holt Kanzleimanager ein

Der Co-Chef von DLA Piper legt sein Amt nieder. Damit kam er der Abberufung zuvor, die wohl wegen früherer Beratung zu Cum-Ex-Deals in einer anderen Kanzlei erfolgt wäre.
14.12.2019 - 13:26 Uhr Kommentieren
Rohde tritt zum Jahresende von seinem Amt als Managing Partnern zurück bei der Kanzlei DLA Piper zurück. Quelle: dpa
Justitia-Statue

Rohde tritt zum Jahresende von seinem Amt als Managing Partnern zurück bei der Kanzlei DLA Piper zurück.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Es ist rund zehn Jahre her, da galt Konrad Rohde manchem Kollegen in seiner Kanzlei als Erster Offizier. Dass Rohde es weit bringen würde, galt als ausgemacht. Dann, 2013, heuerte Rohde bei DLA Piper an, einer der größten Kanzleien der Welt. 2016 schließlich wurde Rohde einer von zwei gleichberechtigten Managing Partnern, mehr ging hierzulande nicht. Mehr als 200 Anwälte hörten seit 2016 auf das Kommando der Doppelspitze aus Rohde und Benjamin Parameswaran. Künftig allerdings zählt nur noch das Wort von Parameswaran.

Rohde tritt zum Jahresende von seinem Amt zurück. Er hat dafür persönliche Gründe angegeben, teilt die Kanzlei mit. Laut Handelsblatt-Informationen sollen es familiäre Hintergründe sein. Doch es spricht viel dafür, dass Rohde das Amt künftig auch ohne seinen Schritt nicht mehr ausüben würde. Er sei durch den Rücktritt einer Abberufung zuvorgekommen, heißt es in der Kanzlei. Beratung aus seiner Vergangenheit hätte ihn eingeholt.

Rohde wirkte bei einem früheren Arbeitgeber als Berater im Hintergrund bei so genannten Cum-Ex-Geschäften mit. Dabei handelt es sich um jenen dubiose Aktienhandel, bei dem der Kauf und Verkauf von Papieren mit (Cum) und ohne (Ex) Dividendenanspruch so arrangiert wird, dass die Finanzämter eine einmal gezahlte Kapitalertragsteuer mehrfach „erstatten“. Auf bis zu zwölf Milliarden Euro wird der dadurch entstandene Schaden für den deutschen Steuerzahler geschätzt. Ohne die Gutachten von Anwälten, die solche Deals als rechtlich zulässig einstuften, wäre der Skandal nie möglich gewesen.

Berger Steck & Kollegen war der Name einer Kanzlei, die eine Hauptrolle in der Begleitung der Deals spielte. Vor allem Kanzleichef Kapitän Hanno Berger ist das deutschlandweit bekannteste Gesicht in der Cum-Ex-Beraterzunft. Rohde war einer der Männer hinter Berger. Die Kanzlei verdiente prächtig an den Deals.

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    Rohde möchte dazu heute nichts sagen, seine Kanzlei ebenfalls nicht. Die Zurückhaltung wirft Fragen auf. War es DLA Piper gleichgültig, was Rohde für seinen früheren Arbeitgeber tat? Als er Managing Partner bei DLA Piper wurde, war die exponierte Rolle von Berger Steck & Kollegen bereits weitläufig bekannt. DLA Piper holte einen Mann auf die Brücke, der wohl keine sauberen Hände hatte. Nun mögen sich Kollegen und Kunden fragen, was er noch alles anfasste – und wann.

    Cum-Ex-Geschäfte jedenfalls gehören zum Schmutzigsten, was sich die Anwaltsszene in den vergangenen Jahren leistete. Der Vorsitzende Richter des Finanzgerichts Köln nannte sie neulich „ein kriminelles Glanzstück“. Seit September läuft vor dem Landgericht Bonn der erste Strafprozess in der Affäre. Die beiden dort angeklagten Aktienhändler sowie ein Kronzeuge packten umfangreich aus und erzählten detailreich, wer ihnen beim Griff in die Steuerkasse half.

    Rohdes Name war bekannt in der Cum-Ex-Szene

    Als es um die dabei wichtigen Berater ging, fiel Konrad Rohdes Name gleich mehrfach. Ein Guru der Cum-Ex-Beratung von damals sei er gewesen. Rohde und andere hätten allein mit Gutachten und Beratung zu Cum-Ex bisweilen mehr als eine halbe Million Euro brutto im Jahr verdient. „Nebelkerzen“ nannten Zeugen solche Gutachten. Sie seien gezielt so formuliert worden, dass die wahre Gestalt der Geschäfte im Dunkeln blieb.

    Der Prozess in Bonn ist öffentlich – die Ausführungen der Angeklagten und der Zeugen fanden inzwischen den Weg nach Frankfurt – zu Rohdes Arbeitgeber DLA Piper. Seine neue Kanzlei hatte, nach allem was bekannt ist, selbst nie etwas mit Cum-Ex-Geschäften zu tun. Und möchte damit eigentlich auch überhaupt nichts zu tun haben. Rohdes Position an der Spitze von DLA Piper dürfte deshalb ein Problem gewesen sein.

    Nun ist es gelöst, wenn auch mit erheblicher Verspätung. Ein schwacher Trost für die Kanzlei: DLA ist mit seinem behäbigen Umgang mit der Cum-Ex-Affäre nicht allein. Die hierzulande noch größere und angeblich noch renommiertere Konkurrenz von Freshfields Bruckhaus Deringer etwa steht in einem viel größeren Fettnäpfchen.

    Freshfields machte den für seine Cum-Ex-Beratung geradezu bekannten Ulf Johannemann noch 2016 zum weltweiten Steuerchef. Heute sitzt Johannemann in Untersuchungshaft – und ist wegen Beihilfe zur schweren Steuerziehung angeklagt. Auch Johannemann freilich wurde nicht gefeuert. Freshfields ließ ihn vor kurzem gehen, als er darum bat.

    Rohde ist noch bei DLA. Doch es scheint, dass die Luft für ihn dort dünner wird. Und es wirkt, als ob über seine Rolle in der Cum-Ex-Beratung bis dato längst nicht alles bekannt ist. Der Bonner Prozess jedenfalls ist möglicherweise nicht der letzte, bei dem sein Wirken von damals zur Sprache kommt.

    Mehr: M.M. Warburg muss die Steuererstattungen zurückzahlen – sofort und ohne Wenn und Aber, kommentiert unser Redakteur Volker Votsmeier.

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