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Steuertipp So behandelt das Finanzamt wertlos gewordene Aktien

Wenn Anleger einen Verlust mit Aktien erleiden, kann das ihre Steuerlast senken. Bei der Ausbuchung wertloser Aktien aus einem Depot gibt es aber noch Streit.
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Wer Aktien zeichnet, muss auch mit Verlusten rechnen. Quelle: dpa
Anzeigetafel an der Börse

Wer Aktien zeichnet, muss auch mit Verlusten rechnen.

(Foto: dpa)

München „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ So lautete eine der vielen Weisheiten von Börsenguru André Kostolany. Ganz so einfach funktioniert die Welt der Börsen leider aber nicht. Wer auf Einzelaktien setzt, geht das Risiko herber Verluste bis hin zum Totalausfall ein. Die Frage, die sich in einem solchen Fall stellt: Wie ist der Verlust steuerlich zu behandeln?

In einem aktuellen Fall hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz den Verlust aus der Ausbuchung wertlos gewordener Aktien anerkannt. Im Januar 2010 hatte ein Aktionär 10.000 Aktien zum Preis von 5.400 Euro gekauft und in seinem Privatvermögen gehalten. Im Juni des darauffolgenden Jahres erfuhr er von seiner Bank, dass die Aktien als wertlos eingestuft wurden. Da mit keiner Zahlung mehr zu rechnen war, buchte das Geldinstitut die Wertpapiere aus dem Depot des Aktionärs aus. Den entstandenen Verlust machte er daraufhin steuerlich geltend.

Das zuständige Finanzamt erkannte den Totalausfall der Aktien jedoch nicht als Verlust aus Kapitalvermögen an. Grund dafür war, dass es sich nicht um einen Veräußerungsverlust handelte. Dafür hätte der Inhaber der Aktien wechseln müssen. Auch einen veräußerungsähnlichen Vorgang wollte die Behörde nicht erkennen, wenn Aktien ihren Wert aufgrund der Liquidation der ausgebenden Kapitalgesellschaft entstehen.

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz dagegen bewertete die Ausbuchung der wertlosen Aktien aus dem Depot des Aktionärs als ausbleibende Rückzahlung. Damit bezog es sich auf § 20 Abs. 2 Satz 2 EStG, nach dem die Einlösung, Rückzahlung oder verdeckte Einlage in eine Kapitalgesellschaft als Veräußerung anzusehen sind. Außerdem verwies das Gericht auf eine neuere Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH).

Totalausfall einer Aktie wie Ausfall von Darlehensforderung behandeln

Basis der geänderten Rechtsprechung ist die Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009. Damit wollte der Gesetzgeber sämtliche Wertveränderungen in Kapitalanlagen von Privatpersonen steuerlich erfassen. Nach Auffassung des BFH folgt daraus, dass der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung zu steuerlichen Verlusten führt. Ob eine Forderung dabei kurz vor dem Ausfall zu Null verkauft oder mangels Käufer behalten wird, ist nach seiner Einschätzung unerheblich. Denn die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Inhabers der Forderung sind in beiden Fällen negativ. Daraus folgt, dass beide steuerlich gleich zu behandeln sind.

Auf die Begründung des BFH zum Ausfall von Darlehensforderungen stützt sich das Finanzgericht Rheinland-Pfalz nun in seiner Einschätzung. Demnach ist der Totalausfall von Aktien genauso zu behandeln, wie der einer Darlehensforderung. Rechtskräftig ist die Entscheidung bisher jedoch nicht, da das Gericht die Revision beim Bundesfinanzhof (BFH) zugelassen hat. Geführt wird sie dort unter dem Aktenzeichen VIII R 5/19.

Praxistipp:

Verluste aus Aktiengeschäften können Aktionäre nur mit Gewinnen aus Aktien oder Aktienfonds steuermindernd verrechnen – nicht aber mit anderen Gewinnen wie zum Beispiel Zinsen. Hat ein Aktionär im Verlustjahr keinen Gewinn aus Aktien erzielt, kann er den Verlust im Folgejahr mit Gewinnen aus Aktien verrechnen lassen. Hat er nur bei einer depotführenden Bank einen Verlust verzeichnet, bei einem anderen Institut jedoch Gewinne, kann er diese mithilfe einer Verlustbescheinigung gegeneinander verrechnen. Die Verlustbescheinigung ist bis zum 15. Dezember eines Jahres zu beantragen.

Wurde vom Finanzamt ein Totalausfall aus Aktiengeschäften nicht als Verlust anerkannt, sollte der Steuerpflichtige das Ruhen des Verfahrens beantragen. Damit hält er seinen Fall offen. Bestätigt der BFH die Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz, profitiert er davon.

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