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Steuervorteile Kurz vor Jahresende – So können Sie jetzt noch Steuern sparen

Es gibt Kniffe, mit denen eine Erstattung für das Jahr 2019 höher ausfallen kann. Tipps für Arbeitnehmer, Paare und Unternehmen.
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Steuerzahler können noch Ausgaben in dieses Jahr vorziehen. Quelle: dpa
Gestapelte Geldmünzen

Steuerzahler können noch Ausgaben in dieses Jahr vorziehen.

(Foto: dpa)

Frankfurt In Sachen Steuern dürfen sich viele Deutsche schon auf das Jahr 2021 freuen. Am Donnerstag hat der Bundestag beschlossen, dass die meisten Bundesbürger ab dann keinen Solidaritätszuschlag mehr zahlen müssen. Der Soli war nach der deutschen Wiedervereinigung als Sondersteuer eingeführt worden und beträgt 5,5 Prozent der Körperschaft- und Einkommensteuer. Wer bereits vorher Steuern sparen will, muss nicht auf das Inkrafttreten warten, sondern kann jetzt etwas tun.

Damit die Steuererstattung für 2019 möglichst hoch ausfällt, lässt sich in den kommenden sechs Wochen noch einiges tun. Im Kern geht es um das optimale Timing von Einnahmen und Ausgaben. Auch Anträge auf Freibeträge und staatliche Zuschüsse sollten Steuerzahler nicht vergessen.

Handwerkerkosten

Wer derzeit versucht, einen Handwerker zu engagieren, muss häufig lange Wartezeiten einplanen. Doch das richtige Timing kann dabei bares Geld wert sein. Pro Jahr können 20 Prozent der Aufwendungen steuerlich abgesetzt werden – maximal 1200 Euro. Wer den Betrag für 2019 noch nicht ausgeschöpft hat, kann bis Jahresende zum Beispiel Reparaturen erledigen lassen.

„Für die steuerliche Berücksichtigung kommt es auf den Zeitpunkt der Zahlung an, nicht auf das Rechnungsdatum“, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Unter Umständen kann es sinnvoll sein, mit dem Handwerkerbetrieb entweder eine Abschlagszahlung im alten Jahr oder eine Zahlung im neuen Jahr zu vereinbaren. Berücksichtigt werden allerdings nur Arbeitsstunden, kein Material.

Energetische Gebäudesanierung

Wer als Immobilieneigentümer gerade eine Sanierung der eigenen vier Wände plant, sollte damit besser bis Januar warten. Ab dann werden etwa der Austausch von Heizungen, der Einbau neuer Fenster oder die Dämmung von Dächern steuerlich gefördert.

Die Kosten – für Material und Arbeitslohn – sind mit bis zu 20 Prozent über drei Jahre verteilt steuerlich abzugsfähig. „Bei dieser Regelung kommt es nicht auf den Zeitpunkt der Zahlung, sondern den Beginn der Baumaßname an“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler (BdSt).

Außergewöhnliche Belastungen

Auch an Gesundheitskosten wie Zahnersatz, Brillen oder Medikamenten beteiligt sich der Fiskus. Das gilt aber nur, wenn die Aufwendungen nicht von der Krankenkasse übernommen werden und den „zumutbaren Eigenanteil“ überschreiten.

Dieser richtet sich nach der Höhe des Einkommens, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Bei einer Familie mit zwei Kindern und einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 40.000 Euro sind es 1046 Euro im Jahr. Ist dieser Betrag bereits überschritten, kann es sich lohnen, weitere Ausgaben vorzuziehen.

Werbungskosten

Jetzt noch kaufen oder erst im kommenden Jahr? Diese Frage stellt sich auch bei beruflich veranlassten Ausgaben. Pro Jahr wird in der Steuererklärung automatisch ein Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von 1000 Euro berücksichtigt. Erst wenn die Gesamtausgaben für Fachbücher, Fahrtkosten, Büromaterial oder Ähnliches höher sind, wirkt jeder weitere Euro steuersenkend.

Wer dieses Jahr schon hohe Ausgaben hatte, kann weitere Anschaffungen vorziehen und somit seine Steuern für 2019 zusätzlich senken. Bei „geringwertigen Wirtschaftsgütern“ können Ausgaben bis zu einem Nettobetrag von 800 Euro – 952 Euro brutto – komplett steuerlich abgesetzt werden. Dazu zählt etwa ein günstiger Computer. Teurere Güter müssen über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden.

Sonderzahlungen

Wer vom Arbeitgeber in diesem Jahr noch eine Bonuszahlung oder Abfindung erwartet, sollte ebenfalls den optimalen Zeitpunkt für die Auszahlung prüfen. „Solche Zahlungen können häufig durch die sogenannte Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden“, sagt Rauhöft. „Am besten lässt man von einem Profi berechnen, ob die Auszahlung im laufenden oder im kommenden Jahr günstiger ist.“ Das hänge vor allem vom bisher erhaltenen Einkommen und dem erwarteten Einkommen im nächsten Jahr ab.

Kapitaleinkünfte

Haben Anleger Verluste an der Börse verbucht, müssen sie sich diese bis zum 15. Dezember von der Bank bescheinigen lassen. Damit können in der Steuererklärung Verluste aus einem Depot bei einer Bank mit Gewinnen aus dem Depot bei einer anderen verrechnet werden.

Wer dagegen Einkünfte bei mehreren Banken erzielt hat, sollte in den kommenden Wochen prüfen, ob der Sparerpauschbetrag in Höhe von insgesamt 801 Euro optimal verteilt ist.

Staatliche Zuschüsse

Wer seine Einnahmen erhöhen will, sollte rechtzeitig Zuschüsse vom Staat beantragen. Die Arbeitnehmer-Sparzulage für vermögenswirksame Leistungen kann bis Ende 2019 noch rückwirkend für das Jahr 2015 beantragt werden. Bei der Wohnungsbauprämie funktioniert das nur noch für 2017 und 2018. Wer zur Altersvorsorge bis Jahresende einen Riester-Vertrag abschließt, kann noch die kompletten Zulagen für dieses Jahr einstreichen.

Auch bei bestehenden Riester-Verträgen lohnt sich eine Prüfung: „Wenn der Mindesteigenbetrag nicht eingezahlt wurde, werden die Zulagen gekürzt“, warnt Rauhöft. Wenn sich das Gehalt erhöht hat oder eine Kinderzulage wegfällt, kann die Einzahlung unter den Mindesteigenbeitrag fallen.

Freibeträge

Wer hohe Ausgaben hat und nicht auf eine Rückzahlung im Rahmen der Steuererklärung warten will, kann sein monatliches Nettoeinkommen mit Freibeträgen erhöhen. Gewährt werden diese unter anderem für Unterhaltszahlungen oder Kinderbetreuungskosten.

Voraussetzung ist, dass die Aufwendungen mehr als 600 Euro im Jahr betragen. Bei Werbungskosten – etwa für einen langen Arbeitsweg oder eine doppelte Haushaltsführung – müssen es mehr als 1000 Euro sein. Wer den Antrag bis 30. November beim Finanzamt stellt, kann schon im Dezember davon profitieren.

„Praktisch ist es, den Freibetrag direkt für zwei Jahre zu beantragen“, sagt Klocke. Ergeben sich zwischenzeitlich Änderungen, muss jedoch das Finanzamt informiert werden.

Spenden

Tue Gutes, und sag es deinem Finanzamt – diese Devise gilt für Spenden. Wer an gemeinnützige Organisationen spendet, kann damit seine Steuerlast senken, denn Spenden zählen als Sonderausgaben. Bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte können abgesetzt werden

„Grundsätzlich braucht der Spendennachweis nicht mehr der Einkommensteuererklärung beigefügt zu werden, die Bescheinigung muss dem Finanzamt nur noch auf Anforderung vorgelegt werden“, sagt Klocke. Dafür muss sie mindestens ein Jahr lang nach Bekanntgabe des Steuerbescheids aufbewahrt werden. Bei Spenden bis einschließlich 200 Euro ist kein formaler Nachweis nötig.

Steuererklärungen nachholen

Seit diesem Jahr gelten für die Abgabe der Steuererklärung neue Fristen. Wer eine Erklärung für 2018 abgeben musste und sie selber ausfüllte, hatte sie bis zum 31. Juli beim Finanzamt einreichen müssen. Wer einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein engagiert, hat noch bis zum 2. März 2020 Zeit.

„Dieser Termin sollte eingehalten werden, weil das Finanzamt ansonsten automatisch einen Verspätungszuschlag festgesetzt, falls es zu einer Steuernachzahlung kommt“, warnt Klocke. Arbeitnehmer, die nicht zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, dürfen sich mit der Abgabe vier Jahre Zeit lassen. Bis 31. Dezember 2019 können sie also noch ihre Steuererklärungen für die Jahre ab 2015 beim Finanzamt nachreichen.

„An dieser Stelle bleibt es bei der alten Abgabefrist zum Jahresende“, sagt Rauhöft. Wer im kommenden Februar seine Erklärung für 2015 nachreichen möchte, käme also zu spät.

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