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Studie Kirchen verzeichnen trotz Mitgliederschwund höhere Steuereinnahmen

Jährlich treten Hunderttausende aus der Kirche aus. Die verbleibenden Katholiken und Protestanten verdienen zusehends mehr – und zahlen mehr Steuern.
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Nur rund ein Drittel der Mitglieder der katholischen Kirche stemmt die gesamte Steuersumme. Quelle: dpa
Kirchturm im abendlichen Farbenspiel

Nur rund ein Drittel der Mitglieder der katholischen Kirche stemmt die gesamte Steuersumme.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Deutschlands Kirchen können sich über steigende Einnahmen aus der Kirchensteuer freuen. Und das, obwohl immer mehr Menschen aus den großen Religionsgemeinschaften austreten. Dies geht aus einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervor.

Insgesamt sind die steuerlichen Gesamteinnahmen der katholischen und evangelischen Kirche 2018 auf 12,6 Milliarden Euro gestiegen. Im Vorjahr waren es noch 500 Millionen Euro weniger, berichtet das Bundesfinanzministerium.

Dem gegenüber stehen derzeit rund 45 Millionen Kirchenmitglieder in Deutschland, 23,5 Millionen Katholiken, 21,5 Millionen Menschen evangelischen Glaubens.

Seit der Wiedervereinigung treten jedes Jahr rund 300.000 Mitglieder aus den Kirchen aus. 2004 gab es noch mehr 51,6 Millionen Angehörige der steuerpflichtigen Glaubensrichtungen.

Das IW leitet den anhaltenden Anstieg der Einnahmen auf die zunehmende Beschäftigungsrate und den damit verbundenen Anstieg des Einkommensniveaus her. „Die Einnahmenzuwächse fallen deutlich höher als die Inflationsrate aus, so dass die Kirchen auch real Zuwächse verbuchen“, so die Studie.

Demnach profitierten die Kirchen vom progressiven Einkommenssteuersatz: Arbeitnehmer geben mit steigendem Einkommen auch prozentual mehr ab. Mitglieder der katholischen Kirche zahlen im Schnitt 291 Euro, Protestanten kommen auf 278 Euro im Jahr. Dem IW zufolge liegt der Durchschnittsbetrag damit fast doppelt so hoch wie im Jahr 2004.

Bei Katholiken zahlt ein Drittel der Mitglieder die Steuersumme

Die klerikale Krux bei den Katholiken: Kinder, Arbeitslose und viele Rentner zahlen die Steuer nicht, obwohl sie als Kirchenmitglieder erfasst sind. Damit stemmt nur rund ein Drittel der Mitglieder die gesamte Summe – der reale Durchschnittsbetrag müsste entsprechend deutlich höher liegen.

Die Musterrechnung des IW: Ein verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern erreicht den durchschnittlichen Kirchensteuerbetrag bei einem Bruttogehalt von etwa 56.000 Euro im Jahr.

Der Trend dürfte sich nach Einschätzung der Experten in den kommenden Jahren sogar noch verstärken. Selbst wenn die Prognose, dass jährlich künftig zwischen 400.000 und 500.000 Menschen aus der Kirche austreten, zutrifft, wird allein die katholische Kirche im Jahr 2023 ihre Steuereinnahmen verdoppelt haben. Auf evangelischer Seite betrüge die Steigerung 90 Prozent. In Zahlen hieße das: 8,2 Milliarden Euro gegenüber sieben Milliarden Euro.

Die Steuergelder sind dabei jedoch nicht die einzigen Einnahmequellen der Kirchen – oder deren Hauptquelle. So beziffert das IW den Steueranteil auf der Habenseite bei den Protesten auf 43 Prozent. Konfessionsübergreifend addieren sich Zuschüsse für Kindertageseinrichtungen, Elternbeiträge, Mieteinnahmen und Spenden hinzu.

Von den Milliarden unterhalten die Kirchen allerdings auch sehr viele gemeinnützige und soziale Einrichtungen. So gibt es etwa 8.800 evangelische Kindertagesstätten und Horte sowie 9.370 katholische Einrichtungen. Im Bereich Erwachsenenbildung sind 455 respektive 563 Häuser.

Für die Erhebung und Verwaltung der Steuer behält der Fiskus übrigens rund 400 Millionen Euro Erhebungskosten ein. Da die Kirchensteuer jedoch als Sonderausgabe von der Einkommensteuer abzugsfähig sind, entgehen dem Staat 2018 wohl 3,9 Milliarden Euro.

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