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Verdacht auf Steuerhinterziehung Goldfinger-Modell: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 19 Personen

Jahrelang sollen Berater und Anleger den Fiskus mit Scheinfirmen um Steuern geprellt haben. Die Ermittler klagen nun Initiatoren und Investoren an.
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Im Skandal, dessen Name vom berühmten James-Bond-Film inspiriert ist, geht es um den Verdacht des Steuerbetrugs – mit dem Edelmetall. Quelle: dapd
Goldfinger

Im Skandal, dessen Name vom berühmten James-Bond-Film inspiriert ist, geht es um den Verdacht des Steuerbetrugs – mit dem Edelmetall.

(Foto: dapd)

Düsseldorf Für zahlreiche Investoren und Steueranwälte beginnt das Jahr 2019 mit einem Schock: Nach Informationen des Handelsblatts hat die Staatsanwaltschaft Augsburg Anklage gegen 19 Personen erhoben, die ihr Geld in so genannte Goldfinger-Modelle gesteckt oder die Geschäfte als Berater konzipiert haben. Nach jahrelanger Ermittlungsarbeit halten es die Beamten laut der 180-seitigen Anklageschrift für wahrscheinlich, dass die Angeschuldigten Steuern hinterzogen oder es versucht haben.

Die Goldfinger-Ermittlungen zielen nach Handelsblatt-Informationen auf rund 120 Personen. In der ersten Runde wollen die Ankläger sich zunächst auf Verdächtige konzentrieren, die im Zentrum der Affäre stehen. Dazu gehören insbesondere Anwälte und Berater einer Kanzlei und eine Beratungsgesellschaft aus München, die das Modell aufgesetzt und teils auch an ihre Mandanten vertrieben haben.

Einige Berater saßen zwischenzeitlich bereits in Untersuchungshaft, wurden gegen Kaution aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Trotzdem gelten sie weiterhin als tatverdächtig. Eine der betroffenen Kanzleien hat bereits ihren Betrieb eingestellt.

Im Zuge der Ermittlungen führte die Staatsanwaltschaft Anfang 2018 die Staatsanwaltschaft Augsburg eine der größten Razzien durch, die es in Deutschland je gab. Mehr als 800 Beamte waren im Einsatz, sie durchsuchten 200 Häuser und Geschäftsräume im Bundesgebiet sowie in der Schweiz und in Österreich. Sieben beschuldigte Anwälte und Steuerberater wurden damals festgenommen.

Die sichergestellten Unterlagen und Beweise erhärteten offenbar den Verdacht, dass es sich bei dem Goldfinger-Modell um fingierte Geschäfte handelte, die lediglich dazu dienten, den deutschen Fiskus zu hintergehen.

Das Modell ist unter dem Namen Goldfinger bekannt geworden, weil die Investoren in den meisten Fällen Gold oder andere Edelmetalle handeln. Den Fiskus kostete das Schätzungen zufolge mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr.

„Negativer Progressionsvorbehalt“ – so lautete die Zauberformel im Modell Goldfinger. Dieser Effekt sollte den Steuersatz auf null Prozent drücken. Allerdings funktionierte das Konzept nur unter bestimmten Voraussetzungen. Dafür benötigten die Goldhändler eine echte Firma etwa in London, über die sie die Geschäfte abwickelten.

Im Augsburger Fall wurden diese Voraussetzungen offenbar nicht erfüllt. Vielmehr sparten die Beteiligten allerdings nicht nur bei den Steuern, sondern offenbar auch beim Steuersparmodell. Die Ermittler sprechen in einem Durchsuchungsbeschluss, der dem Handelsblatt vorliegt, von „Strohpersonen“ und „Briefkastenfirmen“. Der operative Geschäftsbetrieb in London sei nur vorgetäuscht. Die Strippen seien in München gezogen worden.

Konsequenz: Der negative Progressionsvorbehalt zog nicht und das Finanzamt kassierte die komplette Steuer. Und zusätzlich müssen einige Goldfinger-Trickser wohl schon bald auf die Anklagebank. „Wenn, wie im vorliegenden Fall vorgeworfen, Steuern in großem Ausmaß verkürzt wurden, beträgt der gesetzliche Strafrahmen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg.

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