Votum: Chinesen verlieren Investition in Wales – Warum es klug ist, mit Augenmaß vorzugehen
Das britische Wirtschaftsministerium ordnete die Rückabwicklung einer vollzogenen Firmenübernahme an. Die Käuferin stand unter Kontrolle der chinesischen Wingtech-Gruppe.
Foto: Bloomberg/Getty ImagesEnde 2022 ordnete das britische Wirtschaftsministerium zum ersten Mal seit der Neufassung des Gesetzes über nationale Sicherheit und Investitionen die nunmehr zulässige Rückabwicklung einer vollzogenen Firmenübernahme an. Die Übernahme betraf die Newport Wafer Fab, die Silikon-Wafers produziert und nach Asien exportiert, wo sie zu Chips verarbeitet werden.
Käuferin war Nexperia, die eine niederländische Gesellschaft ist, aber unter Kontrolle der chinesischen Wingtech-Gruppe steht. Die kurze Begründung sagt nur, dass die aus dem Kauf folgende Kontrolle eines Halbleiter-Verbundes geeignet sei, die nationale Sicherheit „zu unterminieren“.
All dies kommt hier bekannt vor. Der umstrittene Verkauf eines Terminals im Hamburger Hafen an Cosco ist frisch in Erinnerung und endete mit einer Teiluntersagung. 2022 untersagt wurde auch der Verkauf des Medizingeräteherstellers Heyer an chinesische Investoren. Noch 2016 ging die Mehrheitsübernahme von Kuka-Robotik ruhig über die Bühne.
Oft heißt es, Wirtschaftsbeziehungen sollten nicht politisiert werden. Doch das ist ein Trugschluss. Als in den 1970er-Jahren der Westen und China gegenseitig Märkte öffneten, war das, allgemein anerkannt, eine politische Entscheidung.
China hielt immer als strategisch definierte Bereiche für westliche Investoren verschlossen. Mit Augenmaß gegen Ungleichgewichte vorzugehen ist klug – politisch und wirtschaftlich.
Roland Abele ist Redaktionsleiter der Zeitschrift „Recht der Internationalen Wirtschaft“. Dieser Artikel stammt aus der Kooperation zwischen dem Handelsblatt und der Fachzeitschrift „Betriebsberater“.