Votum: Der Anwalt im Computer – Werden Juristen überflüssig?
Ein textbasiertes Dialogsystem auf Basis Künstlicher Intelligenz generiert vollautomatisch Antworten auf Fragen von Nutzern in natürlicher Sprache.
Foto: IMAGO/NurPhotoFrankfurt. Von „ChatGPT wird die Arbeit von Juristen grundlegend revolutionieren“ bis hin zu „Wir Anwälte werden von Computern ersetzt“ reicht das Spektrum aktueller Diskussionen zwischen Rechtsberatern.
Dabei geht es um ein auf Künstlicher Intelligenz (KI) aufbauendes textbasiertes Dialogsystem, welches in Entwicklungsstufe drei seit Ende November 2022 vollautomatisch Antworten auf Fragen von Nutzern in natürlicher Sprache generiert.
Daher ist die Frage berechtigt, inwiefern dieses System auch die Arbeit von Juristen verändern wird. Bereits heute kann das System auch komplexere rechtliche Fragestellungen beantworten und sogar Vertragsentwürfe sowie Anwaltsschreiben generieren – und das in zahlreichen Sprachen. Das Beeindruckende ist, dass die so generierten Texte sich kaum von menschlichen Texten unterscheiden.
Mit Spannung erwartet wird die Entwicklungsstufe vier, die später in diesem Jahr erscheinen könnte. Sicherlich wird ChatGPT Juristen nicht ersetzen können. Ersetzt werden aber langfristig Juristen, die sich diesem technologischen Fortschritt verweigern – und zwar von den Juristen, die die KI für sich effektiv einzusetzen wissen.
Den Katzenkönig-Fall kannte ChatGPT bis jetzt zumindest nicht!
Marcus M. Schmitt ist Rechtsanwalt und General Manager der European Company Lawyers Association (ECLA) in Brüssel. Dieser Artikel stammt aus der Kooperation zwischen dem Handelsblatt und der Fachzeitschrift „In-house Counsel“.