Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Von Schwangerschaft bis zur Geburt Diese Steuertipps sollten werdende Eltern kennen

Bei der Steuererklärung gilt eine Schwangerschaft als Krankheit – deshalb sind viele Kosten absetzbar: von künstlicher Befruchtung über Sport bis hin zu medizinischen Checks.
19.07.2021 - 17:33 Uhr Kommentieren
Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft anfallen, sind steuerlich absetzbar. Quelle: mauritius images
Eltern mit Kind

Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft anfallen, sind steuerlich absetzbar.

(Foto: mauritius images)

Frankfurt Seit 30 Jahren erblicken die meisten Jungen und Mädchen in Deutschland im Juli das Licht der Welt. 2020 zählten die Statistiker im Heumonat insgesamt 70.421 Sommer-Babys. Schon vor der Geburt ihres Kindes geben die werdenden Eltern einiges an Geld aus. Medizinische Untersuchungen bis zur künstlichen Befruchtung, Schwangerschaftsyoga und Vorbereitungskurse, Umstandsmode oder die Erstausstattung fürs Baby – schnell läppern sich die Beträge.

Die gute Nachricht ist: Die Kosten müssen nicht komplett allein getragen werden, ein Teil kann von der Steuer abgesetzt werden.

Der Fiskus behandelt eine Schwangerschaft nämlich wie eine Krankheit. Auch wenn das die wenigsten Schwangeren gern hören, ist es aus steuerlichen Gründen ein großer Vorteil. Denn es bedeutet, dass Mütter viele Ausgaben, die im Zusammenhang mit der Schwangerschaft anfallen, als „außergewöhnliche Belastungen“ absetzen können. Einige andere Aufwendungen können obendrein als „haushaltsnahe Dienstleistungen“ geltend gemacht werden.

Dabei müssen die jungen Mütter eine Regel beachten: Sie dürfen nur das von der Steuer absetzen, was sie auch selbst gezahlt haben. Rechnungen, die ihre Krankenkasse, eine Zusatzversicherung oder der Arbeitgeber übernommen haben, zählen nicht dazu.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Manchmal werden die Kosten jedoch nur anteilig übernommen. „In diesem Fall können Mütter den verbleibenden Teilbetrag bei der Steuererklärung angeben“, weiß Juliane Kutzke, Steuerspezialistin bei der Steuer-App Taxfix. Wer es hingegen versäumt hat, bei der Krankenversicherung rechtzeitig die Erstattung zu beantragen, muss die Kosten komplett aus eigener Tasche zahlen.

    Außergewöhnliche Belastungen sind unvermeidbare Kosten, die steuerlich nur dann berücksichtigungsfähig sind, wenn der Steuerpflichtige sich ihnen nicht entziehen kann. „Hieran fehlt es, wenn der Steuerpflichtige freiwillig oder aus Schludrigkeit auf einen bestehenden Erstattungsanspruch gegen seinen Krankenversicherer verzichtet“, erklärt der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH).

    Medizinische Untersuchungen 

    Die Krankenkassen übernehmen normalerweise einen Großteil der Behandlungskosten. Dazu gehören zum Beispiel die drei Vorsorgeuntersuchungen mit Ultraschall. Auch alle wichtigen Tests auf Erkrankungen wie Röteln, Hepatitis B, HIV oder Schwangerschaftsdiabetes – sowie seit 1. Juli 2021 der Rhesusfaktortest – sind für gesetzlich Versicherte kostenfrei. 

    Zusätzliche Untersuchungen wie den Organ-Ultraschall zahlt die Kasse nur bei Verdacht auf eine bestimmte Entwicklungsstörung, bei einem unklaren Befund oder im Falle einer Risikoschwangerschaft. Andere sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) muss die Schwangere selbst bezahlen, kann sie aber teilweise als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend machen.

    Diese werden in der Steuererklärung seit 2019 in einer eigenen Anlage angegeben. Außergewöhnliche Belastungen sind jedoch erst dann steuermindernd, wenn sie die sogenannte „zumutbare Eigenbelastung“ übersteigen. Diese hängt ab vom zu versteuernden Einkommen, vom Familienstand und von der Anzahl der Kinder. Sie liegt zwischen einem und sieben Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte.

    Grafik

    Eine verheiratete Frau mit einem Kind und einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro muss rund 1500 Euro aus eigener Tasche finanzieren, erst Beträge darüber kann sie absetzen. Mütter, deren Kinder im Sommer geboren werden und die nach der Geburt Elternzeit nehmen, haben in dem Jahr ein deutlich geringeres Jahreseinkommen von zum Beispiel nur 20.000 Euro. Das Mutterschaftsgeld und das Elterngeld zählen zu den Lohnersatzleistungen und fließen nicht in den Gesamtbetrag der Einkünfte. Somit beträgt die zumutbare Eigenbelastung der Frau nur 446 Euro.

    Wichtig: Ein verheiratetes Paar, das eine gemeinsame Steuererklärung abgibt, hat durch das Einkommen des Ehemanns einen höheren Gesamtbetrag der Einkünfte und folglich auch eine höhere zumutbare Eigenbelastung. Hier lohnt sich auch im Hinblick auf die Lohnersatzleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, meist eine getrennte Veranlagung.

    Nicht alle medizinischen Aufwendungen akzeptiert der Fiskus jedoch. „Reine Vorsorgeuntersuchungen können in der Regel nicht abgesetzt werden. Der Arzt muss die Untersuchung verordnet haben, oder es muss der Diagnostik dienen“, weiß Taxfix-Expertin Kutzke.

    Folglich sind das Ersttrimester-Screening (ca. 200 Euro) oder der nichtinvasive Pränataltest (ca. 400 Euro), um eine Trisomie auszuschließen und das Geschlecht eindeutig zu bestimmen, steuerlich absetzbar. Die Tests auf Toxoplasmose, B-Streptokokken, Zytomegalie, Ringelröteln oder Herpes simplex sind dagegen nur abzugsfähig, wenn sie vom Arzt verordnet wurden.

    Seit 2021 ist im Rahmen der neuen Strahlenschutzverordnung das sogenannte „Babyfernsehen“ verboten. Hier macht der Gynäkologe 3D- und 4D-Ultraschalluntersuchungen, die einzig und allein dem Zweck dienen, Bilder oder Filme von dem Ungeborenen zu bekommen. Nur medizinisch indizierte 3D-Untersuchungen bleiben erlaubt und können – wenn keine Kassenleistung – steuerlich abgesetzt werden.

    Sport, Massagen, Medikamente 

    Der Geburtsvorbereitungskurs wird von den gesetzlichen Krankenkassen getragen. Manchmal verschreibt der Arzt aber auch Massagen, Physiotherapie oder besondere Medikamente. Unter dieser Voraussetzung sind die Kosten dafür als außergewöhnliche Belastung steuerlich absetzbar. Wichtig ist dabei ein Nachweis der medizinischen Notwendigkeit. Der Arzt schreibt dafür ein Attest oder ein „grünes“ Rezept. „Dieses muss jedoch ausgestellt werden, bevor die Kosten entstehen“, betont Steuerfachfrau Kutzke. „Sonst streicht das Finanzamt alle IGeL rigoros aus ihrer Steuererklärung“, ergänzt die VLH. 

    Akupunktur bei Schwangerschaftsübelkeit oder zur Geburtseinleitung erfreut sich zunehmender Popularität. Die Kosten dürfen nicht von den Krankenkassen übernommen werden, aber wenn die Akupunktur medizinisch notwendig ist, sollte sich der Fiskus beteiligen. „Eine einheitliche Rechtsprechung liegt dazu bisher nicht vor. Daher sollte man es zumindest versuchen“, rät Kutzke. „Im schlimmsten Fall werden die Kosten nicht anerkannt.“

    Fahrtkosten

    Viele Schwangere sind irgendwann nicht mehr so gut zu Fuß. Gut, dass die Fahrtkosten zum Gynäkologen, zur Hebamme, ins Krankenhaus oder zur Geburtsvorbereitung ebenfalls als Krankheitskosten in der Steuererklärung eingetragen werden können. „Bei Nutzung eines eigenen Pkws können 30 Cent pro Kilometer angesetzt werden – oder bei Bus und Bahn die tatsächlichen Kosten“, erklärt Kutzke. Wer ein Taxi nimmt, sollte auf der Quittung eine „Krankenfahrt“ vermerken lassen.

    Ausstattung

    Die Erstausstattung fürs Baby – vom Strampler über Windeln und Babybettchen bis hin zum Autositz – oder auch Umstandskleidung für die Mama werden vom Finanzamt als private Ausgaben zur Lebensführung erachtet. Sie können nicht abgesetzt werden. Als Ausgleich für diese Aufwendungen erhalten Eltern ab der Geburt bei ihrer Steuer automatisch den Kinderfreibetrag, sobald sie ihr Kind beim Einwohnermeldeamt anmelden. Durch den Freibetrag sinkt das zu versteuernde Einkommen. Außerdem gibt es ein monatliches Kindergeld, das allerdings auch beantragt werden muss.

    Haushaltshilfe

    Im Wochenbett soll sich die junge Mutter unbedingt schonen. Eine Haushaltshilfe kann dann wertvolle Unterstützung bieten. Die Ausgaben dafür lassen sich als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen. 20 Prozent der Lohnkosten erkennt der Fiskus hier an. Wer eine Minijobberin oder einen Minijobber anstellt, kann maximal 510 Euro pro Jahr geltend machen. Für sozialversicherungspflichtige oder selbstständige Dienstleister gilt ein Höchstbetrag von 4000 Euro pro Jahr. Während die außergewöhnlichen Belastungen lediglich das zu versteuernde Einkommen senken, werden die anteiligen Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen direkt von der Steuerschuld abgezogen.

    Kinderwunschbehandlung

    Manche Paare haben Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Wird eine Unfruchtbarkeit diagnostiziert, können alle Mütter – unabhängig von ihrem Familienstand oder ihrer sexuellen Orientierung – eine künstliche Befruchtung von der Steuer absetzen, entschied der Bundesgerichtshof (Az. VI R 47/15). Das ist nicht billig, schnell überschreiten die Ausgaben mehrere Tausend Euro.

    Die meisten Krankenkassen übernehmen 50 Prozent der Behandlungskosten für maximal drei Behandlungszyklen, einige zahlen auch noch mehr. Allerdings gelten dafür meist strenge Voraussetzungen: Es muss sich um ein heterosexuelles, verheiratetes Paar handeln, bei dem die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 ist. Außerdem muss der behandelnde Arzt der Überzeugung sein, dass „hinreichend Aussicht auf Erfolg besteht“.

    Zusätzlich können diese Paare ihren Eigenanteil weiter drücken, in dem sie Fördermittel des Bundes und der Länder beantragen. Mit diesem Zuschuss lässt sich der Eigenanteil um erneut bis zu 50 Prozent reduzieren. Auch unverheiratete heterosexuelle Paare können den staatlichen Zuschuss beantragen. Was nach Krankenkasse und Förderprogramm noch übrig bleibt, können Mütter in der Steuererklärung angeben. Auch wenn keine Unfruchtbarkeit vorliegt, die Frau aber mehrere Fehlgeburten erleidet und der Arzt daraufhin zu einer Kinderwunschbehandlung rät, sind die Kosten steuerlich als außergewöhnliche Belastung anzuerkennen, entschied das Finanzgericht München in mehreren Urteilen. Eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs steht allerdings noch aus (Az. VI R 34-36/19).

    Wer sich für die Kinderwunschbehandlung eine Klinik im Ausland – zum Beispiel Dänemark oder Tschechien – aussucht, kann die Kosten grundsätzlich auch als außergewöhnliche Belastung absetzen. Aber: „Die Behandlung im Ausland darf nicht gegen das deutsche Embryonenschutzgesetz verstoßen. Behandlungen, die nach dem Embryonenschutzgesetz in Deutschland verboten sind, können auch nicht in der Steuererklärung eingetragen werden“, so der Hinweis der VLH.

    Steuerklasse und Elterngeld

    Den Grundstein, Steuern zu sparen, legen werdende Mütter am besten schon, wenn es mit der Familienplanung ernst wird, oder allerspätestens, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist. Dann nämlich sollten verheiratete Mütter, die weniger als 2770 Euro netto im Monat verdienen, ihre Steuerklasse überprüfen, um nach der Geburt ein möglichst hohes Elterngeld zu erhalten.Das Elterngeld zahlt der Staat allen Müttern beziehungsweise Vätern, die nach der Geburt zu Hause bleiben.

    Paare haben zusammen einen Anspruch von bis zu 14 Monaten (oder 28 Monaten, wenn sie in Teilzeit weiterarbeiten), den sie untereinander aufteilen können. Die Höhe des Elterngeldes beträgt 65 bis 67 Prozent des Nettogehalts in den zwölf Monaten vor Beginn des Bezugszeitraums – mindestens 300 und maximal 1800 Euro.

    Wie hoch das Nettogehalt ausfällt, richtet sich wiederum nach der Lohnsteuerklasse. Ehepaare, bei denen einer deutlich mehr verdient als der andere, wählen häufig die Kombination III/V. Hatte die Frau bisher wegen eines geringeren Einkommens Steuerklasse V und möchte sie den überwiegenden Teil der Elternzeit nutzen, sollte das Paar frühzeitig die Steuerklassen tauschen. So erhöht sich der Elterngeldanspruch.

    Dabei ist allerdings Eile geboten: Der Antrag auf den Wechsel in die Steuerklasse III muss spätestens sieben Monate vor dem Monat gestellt werden, in dem der Mutterschutz beginnt. Liegt der Geburtstermin eines Kindes etwa am 15. November, beginnt der Mutterschutz am 4. Oktober. Schon im März, wenn die werdende Mutter in der fünften bis achten Schwangerschaftswoche ist, müsste sie den Wechsel beantragen, damit für sie von April bis September die Steuerklasse III greift.

    Dann hätte die Frau im Bemessungszeitraum ein halbes Jahr lang Steuerklasse V und eine halbes Jahr Steuerklasse III. Sie bekommt dann das Elterngeld auf Basis des Durchschnitts von zwölf fiktiven Gehältern nach Steuerklasse III ausgezahlt.

    Ist die Frau hingegen die Gutverdienende in der Ehe, kann ein Steuerklassenwechsel kontraproduktiv sein. Rutscht sie durch die „schlechte“ Steuerklasse V unter die Marke von 2770 Euro, sinkt dadurch ihr Elterngeldanspruch.

    Mehr: Von Kinderbetreuung bis Krankenkasse – Mit diesen acht Tipps sparen Eltern Steuern.

    • dlm
    Startseite
    Mehr zu: Von Schwangerschaft bis zur Geburt - Diese Steuertipps sollten werdende Eltern kennen
    0 Kommentare zu "Von Schwangerschaft bis zur Geburt : Diese Steuertipps sollten werdende Eltern kennen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%