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Vermögen im Alter

50- bis 65-Jährige können derzeit noch gut 64 Prozent ihres Bruttoeinkommens aus der Rentenkasse erwarten – genügt das?

(Foto: dpa)

Altersvorsorge Wie Sparer mit der richtigen Strategie die Rentenlücke füllen

Reichen Rente und Kapital fürs Alter? Eine nüchterne Analyse, ein Mix aus verschiedenen Einkommensquellen und Durchhaltevermögen sollten helfen.
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Frankfurt Olaf Scholz hat eine heftige Debatte losgetreten. Die Forderung des Bundesfinanzministers, ein Niveau der Standardrente vor Steuern von 48 Prozent des Durchschnittseinkommens bis 2040 zu sichern, gilt vielen als unbezahlbarer Wunschtraum. Zugleich ist klar, dass selbst damit kein sorgenfreies Alter gewährleistet wäre.

Berater empfehlen zu handeln statt sich zu sorgen: einen Kassensturz zu machen und Versorgungslücken mit einer breit angelegten Strategie zu stopfen. Dabei ist eines klar trotz des Vorstoßes von Scholz: Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft kann die gesetzliche Rente nur an Bedeutung verlieren.

So dürfen heute 50- bis 65-Jährige noch gut 64 Prozent ihres Bruttoeinkommens aus der Rentenkasse erwarten, wie der Freiburger Professor Bernd Raffelhüschen errechnet hat (Grafik). Aber heute 20- bis 34-Jährige müssen mit gut 38 Prozent zurechtkommen.

Rund 33,5 Millionen Deutsche haben einen Anspruch auf gesetzliche Rente, Beamtenpension oder Einnahmen aus einem berufsständischen Versorgungswerk. Bei knapp 20 Millionen kommt eine geförderte Betriebs- oder Riester-Rente hinzu. Gut 15 Millionen können zudem auf Vermögen zurückgreifen.

„Altersvorsorge ist ein Thema mit vielen Unbekannten“, das man sich „möglichst undogmatisch und ohne Panikmache“ erarbeiten sollte, sagt Stefan Schießer. Der Inhaber der „Frankfurter Honorarberatung“ zählt die möglichen Elemente auf: die gesetzliche Rentenversicherung, die Vorsorge über den Arbeitgeber, private Policen, Mieteinnahmen, Vermögen.

Zunächst einmal gilt es, die späteren Ansprüche aus diesen Quellen zusammenzustellen. Jede noch so genaue Planung beruht aber auf Annahmen über die Zukunft. Schießer rät zu einem konservativen Vorgehen, ohne sich Katastrophenszenarien auszumalen. So geht er bei Kalkulationen davon aus, dass die Preise pro Jahr um 0,5 Prozent mehr steigen als die gesetzliche Rente.

Schwierig ist auch die Frage, wie viel Geld man im Alter tatsächlich braucht. „Rechnen ist das eine, eine konkrete Idee vom künftigen Leben zu bekommen das andere“, sagt Constanze Hintze, Chefin der Münchener Beratungsfirma Svea Kuschel + Kollegen, die viele Frauen berät.

Schießer fragt seine Kunden ganz direkt: „Was bräuchten Sie, wenn Sie morgen in Rente gingen?“ Weil bestimmte Ausgaben, etwa für die Kinder oder die eigene Altersvorsorge, dann wegfallen, reichen seiner Erfahrung nach oft rund 70 Prozent des letzten Einkommens aus.

Je früher, desto besser

Danach lässt sich die Lücke zu den tatsächlich erwarteten Einnahmen ermitteln. Dann geht es ans Füllen. Grundsätzlich gilt dabei: „Je früher Sie anfangen, desto besser“, mahnt Annabel Oelmann, Leiterin der Verbraucherzentrale Bremen. Dann greift der Zinseszinseffekt und bessert die Rendite auf.

Typischerweise befassen sich ihre Klienten erst im Alter von Ende 30 bis Mitte 50 Jahren mit der Altersvorsorge: dann, wenn sie sich nach dem Berufsstart die ersten finanziellen Wünsche erfüllt, eine Familie gegründet und vielleicht ein Haus oder eine Wohnung gekauft haben.

„Viele Frauen kommen nach der Scheidung in die Beratung“, erzählt Oelmann – und stellten dann mitunter fest, dass jahrzehntelang ihr Ehemann ihre einzige Altersvorsorge gewesen sei.

Bevor Sparer über die Altersvorsorge nachdenken, müssen ihrer Meinung nach drei Dinge erledigt sein. Drei bis fünf Nettogehälter gehören als Notgroschen für unvorhergesehene Ausgaben auf ein Tagesgeldkonto. Eine private Haftpflicht-Police, eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und für den Hauptverdiener der Familie eine Risiko-Lebensversicherung sollten abgeschlossen sein. Außerdem gilt es, Schulden rasch abzubauen.

Möglichst viele Quellen erschließen

Der nächste Schritt ist, möglichst viele Quellen für die Altersvorsorge zu erschließen. So lohnt es sich überraschend häufig, freiwillig die gesetzliche Rente aufzustocken. Auch Zuzahlungen zu Versorgungswerken wie denen für Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten machen oft Sinn.

„Je mehr der Arbeitgeber dazugibt, desto mehr lohnt sich betriebliche Altersvorsorge“, sagt Verbraucherschützerin Oelmann. Bisher fallen allerdings in der Auszahlphase der betrieblichen Direktversicherungen neben Steuern doppelte Krankenversicherungsbeiträge und die Pflegeversicherung an, was zusammen bis zu 30 Prozent an Abzügen ergeben kann, wie Schießer sagt. Zwar wird das Thema in Berlin seit Jahren diskutiert, aber die Bundesregierung hat noch nicht gehandelt.

Besser kommt bei den Experten die ebenfalls staatlich mit Zulagen und Steuervorteilen geförderte Riester-Rente weg. Wer das starre Förderkonzept akzeptiert und sich Jahrzehnte lang an einen Vertrag binden mag, „sollte sich Riester-Angebote in jedem Fall ansehen“, sagt Oelmann. Sie rät ebenso wie Schießer hier zu Fondssparplänen statt zu Versicherungen, die meist zu teuer seien. Vor allem Familien profitieren dabei von der staatlichen Förderung.

Grundsätzlich muss jeder entscheiden, welchen Teil seines Vorsorgekapitals er gefördert, aber starr, welchen Teil er flexibel anlegen will, wie Schießer resümiert. Und der flexible Teil sollte gewichtig aus Aktien bestehen, wenn man mit Kursschwankungen leben kann und das Kapital noch mindestens fünf Jahre Zeit hat. Die Aktienquoten im Depot kalkuliert er nach der Daumenregel 100 minus Lebensalter, um nicht bei Beginn der Auszahlungsphase von einer Börsenbaisse überrascht zu werden.

„Aktien, Aktien, Aktien“, sagt auch Hintze – dort gebe es noch Chancen auf Rendite. Auf die Gewinne solider internationaler Unternehmen zu setzen, sei in Zeiten rekordtiefer Zinsen der einzig probate Weg zu messbarer Rendite, erklärt sie. Mit Anleihen und Tagesgeld könne man keine Altersvorsorge mehr betreiben.

Auf die Kosten achten

In der Niedrigzinsphase gebe es dort nahezu keinen Ertrag mehr, aber wegen der anziehenden Inflation ein „garantiertes Verlustrisiko“, sagt Oelmann. Selbst in späteren Jahren sollte, wer es verträgt, keinesfalls auf Aktien verzichten, betont sie. Ein Senior von Mitte sechzig lebe statistisch noch rund 20 Jahre – und sollte sich die Chancen auf Aktienrenditen nicht verwehren.

Wenn die Renditen niedrig oder mit Risiko behaftet sind, gilt es besonders, auf die Kosten der Geldanlage zu achten. Je komplizierter und vielschichtiger Produkte aufgebaut sind, desto mehr Gebühren werden meist fällig. Die Experten raten daher von fondsgebundenen Lebensversicherungen ab. Auch Dachfonds, die ihr Geld wieder auf andere Fonds verteilen, können teuer werden.

Relativ günstig sind dagegen ETFs, also börsengehandelte Fonds, die gleich einen ganzen Aktienindex wie etwa den deutschen Dax, den europäischen Eurostoxx 50 oder den internationalen MSCI World abbilden. Aktiv gemanagte Fonds sind teurer und erzielen nur selten bessere Ergebnisse als die passiven Indexfonds.

Wer sich intensiv mit seinem Depot beschäftigt, kann aber auch einzelne Aktien kaufen, sagt Hintze. Dabei gilt es besonders, eine Bank mit günstigen Depotgebühren auszusuchen. Mit ETFs und anderen Fonds kann man auch per Sparplan ein Vermögen aufbauen.

Danach ist das wichtigste Gebot, Disziplin zu halten. „Ein dicker Depotauszug weckt Begehrlichkeiten – nicht verleiten lassen, ohne Not das Vorsorgegeld anzutasten“, mahnt Hintze.

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