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Altersvorsorgesysteme Warum das deutsche Rentensystem weltweit ein Vorbild ist

Die Altersvorsorge in Deutschland gilt einer Studie zufolge aktuell als die „angemessenste“ weltweit, zeigt aber Mängel für die Zukunft.
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Die deutsche Altersvorsorge ist im weltweiten Vergleich gut. Quelle: dpa
Rentenversicherung

Die deutsche Altersvorsorge ist im weltweiten Vergleich gut.

(Foto: dpa)

Frankfurt Heute macht uns Deutschen in Sachen Altersvorsorge weltweit kaum einer etwas vor – was das Versorgungsniveau angeht, steuerliche Anreize, Vorsorgemodelle und die Sparquote. Doch künftig könnte unser System aus dem Generationenvertrag für die gesetzliche Rente, Betriebsrenten und privater Vorsorge Schwächen zeigen.

Daher müssen vor allem Politiker, aber auch Firmen nachlegen, um im internationalen Vergleich standhalten zu können. Das ergibt eine Studie der Unternehmensberatung Mercer, dem australischen Centre for Financial Studies und der Regierung des australischen Bundesstaates Victoria.

„Unser Altersvorsorgesystem mit seinen drei Säulen ist theoretisch sehr gut aufgestellt“, konstatiert Achim Lüder, Chef von Mercer in Deutschland. Das zeige die Spitzenbewertung Deutschlands in Sachen „Angemessenheit“ im Melbourne Mercer Global Pension Index, der 34 Altersvorsorgesysteme weltweit anhand von mehr als 40 Indikatoren misst.

Das deutsche System kletterte bei der Bewertung der aktuellen finanziellen Sicherheit für Rentner auf Platz eins in der Welt mit 79,9 von 100 Punkten. Der Durchschnitt liegt hier bei 61,1 Punkten, am schlechtesten schneidet in diesem wichtigsten Teil der Studie Argentinien ab mit 40,8. Deutschland konnte sich vor allem verbessern, weil in der Studie seit 2018 das Durchschnittseinkommen für die Berechnung der Staatsrente herangezogen und die Verschuldung Privater berücksichtigt wird.

Im zweiten wichtigen Kriterium, der Zukunftsfähigkeit, hier Nachhaltigkeit genannt, schneidet das deutsche System aber unterdurchschnittlich ab mit 44,9 Punkten. Der Durchschnitt liegt bei 52 Punkten, das dänische System führt mit 81,8. Hier fließen vor allem Rückdeckung, Finanzierung des Systems und die Alterung der Bevölkerung ein.

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In Deutschland kritisiert Studienautor David Knox, Partner von Mercer Australien, dass zwei Dinge „die Altersvorsorge auf die Probe stellten“: der demografische Wandel und die sogenannte „Gig Economy“ – also Teile des Arbeitsmarktes, in dem Aufträge kurzfristig an Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden. Immer mehr Menschen würden selbstständig, gingen zeitweise ins Ausland, nähmen Auszeiten. Solche „gebrochenen Erwerbsbiografien“ müssten berücksichtigt werden, mahnt Lüder von Mercer. Das deutsche Vorsorgesystem reflektiere dies bisher viel zu wenig.

Vor allem davon stark betroffene Frauen gerieten sonst finanziell ins Hintertreffen. So mahnt der Experte Politik, Tarifpartner und Arbeitgeber, kapitalgedeckte Modelle stärker zu ergänzen und auch das neu geschaffene System einer Betriebsvorsorge ohne Arbeitgeberhaftung über Tarifparteien mit Leben zu füllen. Zudem sollten Mindestrenten für Niedriglohn-Rentner angehoben werden, die Erwerbsquote Älterer erhöht, die Betriebsvorsorge verbreitert und Kommunikation mit den Menschen über ihre Ansprüche verbessert werden.

Die alternde Gesellschaft stellt der Studie zufolge weltweit eine Herausforderung vor allem für die Politik dar. Ein zunehmendes Spannungsverhältnis zwischen Angemessenheit und Nachhaltigkeit der Systeme stellt Knox in vielen Ländern fest. Interessant ist, dass Europa ein gespaltenes Bild zeigt: Während Länder wie die Niederlande, Dänemark und Schweden demnach sehr gut aufgestellt sind, gibt es wie in Deutschland auch in Italien, Österreich und Spanien Mängel an der Nachhaltigkeit. Deutschland belegt deshalb insgesamt nur Rang 12.

Für Knox zeigen die Ergebnisse, dass ein auch künftig stabiles System alle Erwerbstätigen einbezieht. Das Ziel: Die gesamte Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sollte für die Zukunft sparen, meint er. Als wirksam erweist sich dafür seiner Ansicht nach etwa eine obligatorische Teilnahme an der Betriebsvorsorge.

Ein solcher sanfter Zwang zur betrieblichen Altersvorsorge, auch Opt-Out-System genannt, wird in der Politik wie auch in der Finanzbranche breit diskutiert. Einige große Unternehmen haben mit diesem System bereits den allergrößten Teil ihrer Mitarbeiter für betriebliche Vorsorge gewinnen können.

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