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Anlageskandale Staatsanwaltschaft klagt Betreiber von Lombardium wegen Betrugs in 1730 Fällen an

Ein Pfandleihgeschäft mit Diamanten, Gemälden und Sportwagen versprach das Hamburger Luxuspfandhaus seinen Anlegern und sammelte Millionen. Doch offenbar existierten viele Pfandgüter nur auf dem Papier.
24.08.2020 - 10:37 Uhr Kommentieren
Ein Luxuspfandleihaus für Goldschmuck, Gemälde und Sportwagen - mit dieser Geschäftsidee sammelten die Lombardium-Betreiber Millionen von Privatanlegern. Nun sind sie wegen Betrug angeklagt. Quelle: dpa
Die Geschäftsidee von Lombardium

Ein Luxuspfandleihaus für Goldschmuck, Gemälde und Sportwagen - mit dieser Geschäftsidee sammelten die Lombardium-Betreiber Millionen von Privatanlegern. Nun sind sie wegen Betrug angeklagt.

(Foto: dpa)

Berlin Vier Jahre nach der Pleite des Luxuspfandhauses Lombardium aus Hamburg hat die Staatsanwaltschaft den früheren Betreiber und sieben seiner Mitarbeiter wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in 1730 Fällen angeklagt. Wie die Strafverfolgungsbehörde am Montag mitteilte, sollen die Angeschuldigten rund 50 Millionen Euro von Privatanlegern dazu verwendet haben, „Anleger der Vorgängerfonds auszuzahlen und den Lebensunterhalt der Angeschuldigten zu finanzieren“.

Laut Staatsanwaltschaft habe die Gruppe im Jahr 2013 das Anlageprodukt „LombardClassic 3“ als sehr sichere und „festgeldähnliche“ Geldanlage vertrieben und Anlegern ein florierendes Pfandleihgeschäft mit Luxusprodukten wie Sportautos, Gemälden oder Diamanten suggeriert. „Tatsächlich betrieb das Pfandhaus entsprechende Geschäfte jedoch nur in sehr geringem Umfang“, schrieb die Behörde.

Sie wirft dem Hauptangeschuldigten Patrick Ebeling (54) zudem vor, bei einer Wirtschaftsprüfung Unterlagen gefälscht zu haben, um andere über die Existenz und Echtheit verschiedener Pfandgegenstände zu täuschen.

Außerdem soll Ebeling von 2011 bis 2015 in elf Fällen gegen das Kreditwesengesetz verstoßen haben, „indem er als faktischer Geschäftsführer des Luxuspfandhauses ungesicherte Darlehen in Höhe von insgesamt 17,65 Millionen Euro vergab, obwohl das Unternehmen nicht die dafür erforderliche bankrechtliche Erlaubnis besaß“.

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    Die Anklage wurden den Angeschuldigten zugestellt. Anwalt des mutmaßlichen Lombardium-Hintermanns ist der bekannte Strafverteidiger Alfred Dierlamm aus Wiesbaden. Er schrieb auf Anfrage am Freitag: „Im Hinblick auf das anhängige Verfahren bitte ich um Verständnis dafür, dass wir uns derzeit ausschließlich gegenüber dem zuständigen Gericht zu den erhobenen Vorwürfen äußern werden.“ Dierlamm verwies darauf, dass für seinen Mandanten bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung gelte.

    Über die Eröffnung des Hauptverfahrens hat die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hamburg noch nicht entschieden, Hauptverhandlungstermine stehen deshalb bislang nicht fest.

    Angebliche Renditen von sieben Prozent

    Wie der Lombardium-Vertrieb neue Anleger köderte, hatte vor einem Jahr Michael Müller aus Hamburg dem Handelsblatt beschrieben. Er hat 15.000 Euro verloren. Seinen richtigen Namen wollte der Anleger aus Angst vor den Betreibern nicht in der Zeitung lesen. „Mein Berater hat vom festgeldähnlichen Charakter geschwärmt“, sagte Müller, der Mann habe ihm die Geschichte vom Millionärspfandhaus „plakativ ausgemalt“. Jährliche Renditen von mehr als sieben Prozent seien möglich, hieß es in Prospekten.

    Lombardium war durch seine Werbung in der Elbmetropole bekannt geworden. Bei den „German Open“ am Hamburger Rothenbaum sponserte das Unternehmen Tennisspiele. Im Juli 2015 traten im „Legendenmatch“ Michael Stich und Goran Ivanisevic gegeneinander an und ließen sich anschließend mit dem Lombardium-Betreiber fotografieren.

    Was die Tennisstars wohl nicht wussten: Wenige Tage zuvor hatte die Polizei die Geschäftsräume durchsucht. Zwischenzeitlich ermittelten die Behörden gegen 15 mutmaßliche Komplizen. Die Fahnder des Landeskriminalamts stießen auf ein kaum durchschaubares Geflecht aus Dutzenden Firmen, in denen Gelder versickert sein könnten. Immer wieder tauchte auch die Mutter des Hauptbeschuldigten als Geschäftsführerin oder Gesellschafterin auf.

    Wie Müller glaubten viele Anleger die schöne Geschichte. Rund 120 Millionen Euro investierten sie insgesamt, indem sie sich als stille Gesellschafter an zwei Unternehmen beteiligten, die heute vom Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler aus Dresden verwaltet werden.

    Rückforderungen des Insolvenzverwalters

    Scheffler hatte vor einem Jahr öffentlich auf den mutmaßlich kriminellen Hintergrund des Pfandleihhauses hingewiesen. „Die Anklage unterstützt unsere Auffassung, dass hier ein Schneeballsystem vorliegt und dass die Protagonisten davon Kenntnis hatten“, sagte Scheffler dem Handelsblatt.

    Weil Lombardium seit 2013 keine Gewinne mehr gemacht habe, aber weiter Gelder an die stillen Teilhaber ausgeschüttet habe, fordert Scheffler zurzeit von 6800 Anlegern Geld für die Insolvenzmasse zurück. Die entsprechenden Anfechtungsschreiben begann er vor einem Jahr zu verschicken. Mit einem Drittel der Anleger habe er sich inzwischen in Vergleichen geeinigt, sagte er. Wie viel Geld er von den ursprünglich geforderten 50 bis 60 Millionen Euro auf diesem Weg sichern konnte, wollte er nicht mitteilen.

    Die Staatsanwaltschaft wies in ihrer Pressemitteilung darauf hin, wo sich geschädigte Anleger im Internet informieren können, wenn sie in dem Verfahren Schadensersatz beantragen wollen.

    Mehr: Lombardium-Anleger sollen 60 Millionen Euro zurückzahlen.

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