Anlegerschutz Koalition will Honorarberater an die Leine nehmen

Finanzberater, die auf Honorarbasis arbeiten, sollen gesetzlich kontrolliert werden. Das soll die Qualität der Anlageberatung verbessern. Kritikern geht der Entwurf der schwarz-gelben Koalition aber nicht weit genug.
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Die gesetzliche Regelung soll die Anlageberatung verbessern. Quelle: dpa

Die gesetzliche Regelung soll die Anlageberatung verbessern.

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BerlinVerbraucher sollen bei Finanzprodukten künftig verstärkt auf unabhängige Anlageberater setzen können, die mit Kunden ein Honorar vereinbaren, statt eine Provision zu kassieren. Die schwarz-gelbe Koalition will dazu die sogenannte Honorarberatung als Alternative zum verbreiteten Provisionsmodell gesetzlich regeln.

Nach einem am Dienstag bekanntgewordenen Referentenentwurf müssen Honorarberater einen ausreichenden Marktüberblick haben. Sie dürfen nur gegen Honorar des Kunden beraten. Der Honorar-Anlageberater darf sich zudem nicht auf eigene Finanzinstrumente oder solche Anlagen beschränken, die von ihm nahestehenden Finanzfirmen angeboten werden.

Honorarberater erhalten keine Provision von Anbietern und vereinbaren mit jedem Kunden für ihre Dienstleistung ein Honorar. Unterstellt wird, dass sie als unabhängige Berater eher das geeignete Produkt verkaufen und weniger das, an dem sie viel verdienen. Allerdings ist eine solche Beratung nicht immer preiswert.

Honorarberater sind bislang eher die Ausnahme im deutschen Finanzgewerbe. Geldanlagen werden hierzulande vor allem auf Provisionsbasis vermittelt. Die Zahl derer, die Dienste nur gegen Honorar verkaufen und keine Provisionen kassieren, bewegt sich Experten zufolge im unteren dreistelligen Bereich. Schätzungen gehen davon aus, dass es allenfalls 200 bis 300 Honorarberater gibt gegenüber 300.000 Anlagevermittlern auf Provisionsbasis.

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5 Kommentare zu "Anlegerschutz: Koalition will Honorarberater an die Leine nehmen"

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  • An alle Vorschreiber. Es geht hier nicht um ein ersetzen des Provisionsverkaufs sondern um ein fördern des Honorarberaterdaseins. Jeder Verbraucher soll selbst entscheiden, ob er vorab transparent zahlen will oder hinterher versteckt die Kosten eingerechnet bekommt. Nicht mehr und nicht weniger. Bei dem krassen Mißverhältnis von rd. einer halben Millionen Verkäufern und rd. 300 Honorarberatern muss doch jedem auffallen, dass hier was nicht stimmt. Also mir ist lieber ein von mir bezahlter Berater prüft ob es nicht sinnvoller ist z..B. ein bestehende Produkte ausbauen und nicht noch ein neues Produkt hinzukaufen. Die Provisionsanreize sind doch viel zu hoch als das die meisten Verkäufer darauf verzichten vierstellige Summen zu kassieren. Nochmal: jeder soll selbst entscheiden ob er "unabhängiger" beraten werden will oder "indirekt abhängig". Denn als Ergebnis muss auch "nichts machen" möglich sein und ein Verkäufer hat mit diesem Ergebnis so seine Probleme.

  • Fazit: Aus meiner Sicht wäre eine Kombination aus vermindertem Honorar und verminderter Provision eigentlich die fairste Lösung für beide Seiten. Sie schützt einen Berater etwas vor einem langen Beratungs- und Arbeitsaufwand bei Kunden, die gar nichts abschließen wollen oder können. Der Kunde wiederum könnte eine neutralere Beratung erwarten und hätte eine große Produktauswahl. Produkte mit verminderter Provision gibt es nämlich erheblich mehr als reine Honorarprodukte. Auch haben viele Honorarprodukte im Versicherungsbereich noch ca. 50% der Kosten, die gut verminderte Provisionsprodukte haben, so dass Kunden bei reiner Honorarberatung sehr wahrscheinlich insgesamt mehr bezahlen. Schließlich spart der Kunde bei der Kombination einen Teil der Mehrwertsteuer.

  • Ich biete in verschiedenen Bereichen Provision- und alternativ Honorarberatung an. Mein Ergebnis ist, dass die wenigsten Honorarberatung wünschen, weil Sie dadurch die Kosten nicht einschätzen können und zusätzliche freie Liquidität brauchen, da sie das Honorar zusätzlich zum Produkt bezahlen müssen und auch Mehrwertsteuer anfällt. Die "Honorarberatung" auf Umsatzbasis, die ich natürlich auch anbieten kann, halte ich für eine Verbrauchertäuschung. Hier werden in der Regel zu Hohe Sätze angesetzt und der Kunde hat auch bei vielen Honorartarifen noch Kosten, die sich nicht so leicht amortisieren. Auch versucht ein Berater bei einem Festpreis ggf. die Beratungszeit wie ggf. ein Vermittler möglichst kurz zu halten. Auch geht der Kunde bei einer Honorarberatung mit seiner Unterschrift oft in Vorleistung, weil er im Prinzip vorher nicht sicher sein kann, dass der Berater in auch nach seinen Vorstellung berät und eine passendes Produkt empfiehlt, er aber trotzdem ein Honorar zahlen muss. Manchmal entdeckt ein Kunde auch erst einige Zeit nach einem Vertragsabschluss, dass er ein falsches Produkt abgeschlossen hat. Ein Vermittler hat dann die Stornohaftung zu fürchten, während ein Honorarberater wenig anzuhaben ist. Diesen Teil habe ich aus meiner Erfahrung als Gutachter geschrieben.
    Schließlich macht es keinen Spaß eine ordentliche Rechnung auf Honorarstundenbasis zu schreiben, da neben der Beratung auch Vor- und Nacharbeit nötig ist, die teilweise mehrere Stunden dauert und vom Kunden nicht kontrolliert werden kann. Auch dauert das Schreiben einer korrekten und verständlichen Rechnung wieder Zeit. Manchmal sind die Kunden über die Höhe einer Rechnung negativ erstaunt, weil sie z. B. die Zeit für die Erstellung einer richtigen Vergleichsanalyse und Dokumentation unterschätzen. Letztlich profitieren aus finanzieller Sicht eher reiche Kunden mit großen Vertragsvolumen von einer Honorarberatung, wenn das Honorar nicht an den Umsatz gebunden ist.

  • 100% richtig.
    Die Qualität der Beratung hängt nicht von der ART der Vergütung ab.
    Ein Honorarberater kann genauso schlecht beraten wie ein Provisionsberater.
    Die Qualität der Beratung und - noch wichtiger - die Qualität der Produkte sollte verbessert werden. Das gute Qualität auch immer Geld kostet, sollte keinem Bürger verheimlich werden. Die Masse wird nicht verstehen, dass Sie für jede (notwendige) Beratung pro Stunde zwischen 120,- und 200,- EUR zahlen muss. Honorar wollen die Bürger nicht. Die Bürger wollen Qualität. Qualifizierte Beratung. Hochwertige und faire Produkte. Die Diskussion über die Art und Weise der Vergütung geht am Qualitätsanspruch meilenweit vorbei.

  • Was für ein Schwachsinn von Theoretikern, die entweder noch nie oder zumindest nicht in den letzten 10 Jahren auch nur ein einziges Mal ein Beratungsgespräch geführt haben.

    Beispiel Baufinanzierung:

    Heute informiere ich mich als Verbraucher im Web über die für mich günstigsten Konditionen, suche eine Bank oder Vermittler aus und bekomme dort meine Finanzierung. Der Zinssatz ist klar geregelt, der Vermittler bekommt eine Courtage vom Anbieter, was ist daran so schlecht?

    Nun gehe ich also zu einem Honorarberater. Wie rechnet der ab? Nach Stunden? Und wieviele Stunden kommen dann zusammen? Was passiert, wenn ich in einem halben Jahr nochmal eine Nachberatung brauche, was kostet mich das dann?

    Kann ich sicher sein, dass der Honorarberater seine Beratung nicht künstlich in die Länge zieht, um mehr Honorar zu kassieren? Oder dass er mich in einem eigentlich aussichtslosen Fall umfassend, d.h. langwierig und damit teuer, berät, während ein courtagefinenzierter Vermittler mir vielleicht in 10 Minuten dargelegt hätte, dass mein Finanzierungsvorhaben aussichtslos ist?

    Und überhaupt: Noch kann ich mich als Verbraucher einfach mal bei einem Berater einfinden und 'mich erst einmal unverbindlich informieren', ohne dass mich das was kostet oder dass ich mich zu irgendwas verpflichten muss.

    Der Honorarberater will aber honorarberaten, also wie läuft das da jetzt??

    Ach übrigens: Das Märchen der bitterbösen Berater, die immer nur das Produkt anbieten, an dem sie am meisten verdienen, stammt offensichtlich noch aus der Steinzeit der Finanzberatung, wo es noch kein Internet gab. Ich als Verbraucher bin nämlich, allen Verbraucherschützern zum Trotz, tatsächlich in der Lage, mir ein eigenes Urteil über die vom Berater ausgesprochene Empfehlung zu bilden.

    Was der daran dann verdient, ist mir genauso schnurzpiepegal wie die Höhe der Handelsmarge meines Computerhändlers, bei dem ich gestern eine Mouse gekauft habe.

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