Anreiz zum Ausgeben Das selbstentwertende Geld

Erstmals in ihrer Geschichte verlangt die EZB Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr parken. Ökonomen gehen mit ihren Gedankenspielen sogar noch weiter: Bargeld könnte etwa per Lotterie entwertet werden.
84 Kommentare

„Das Hauptziel ist: Man will den Euro schwächen“

DüsseldorfEs klang wie eine Drohung. Als Mario Draghi Anfang Juni als erster Chef einer großen Notenbank überhaupt einen negativen Einlagenzins verkündete, machte der Italiener klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) zum Handeln bereit ist: „Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

Doch bereits der Strafzins auf geparktes Geld für sich genommen ist für Banken im Euro-Raum ein Novum. Draghi will es damit den Geldhäusern schmackhaft machen, Bares nicht einzubehalten, sondern verstärkt in Form von Krediten in die Wirtschaft zu weiterzureichen. Die Konjunktur könnte dadurch angekurbelt werden.

Ökonomen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie üben sich in Gedankenspielen darin, wie auch Privatleute im Notfall zum Geldausgeben getrieben werden könnten. Eine naheliegender Anreiz: Wer sein Geld nicht ausgibt, läuft Gefahr, dass es wertlos wird. Dabei werden gleich mehrere Ansätze diskutiert.

Zum Beispiel könnten Geldscheine mit bestimmten Endnummern für ungültig erklärt werden. Welche Scheine das seien, würde durch Los entschieden. Eine weitere Möglichkeit: Jeden Tag, den ein Geldschein im Umlauf ist, verliert er an Wert. Dabei könnte der aktuelle Wert des Scheines auf einem Magnetstreifen festgehalten werden. Schließlich könnte man auch allen Barzahlern kollektiv an den Kragen gehen: Vorstellbar wäre, dass diejenigen, die cash bezahlen wollen, einfach mehr bezahlen müssten.

Zur Erinnerung: Dies alles sind Gedankenspiele. Die negativen Einlagenzinsen, wie Draghi sie jetzt vorgibt, treffen nur die Banken – und die haben fürs Erste nicht vor, die Entwicklung an die Sparer weiterzugeben. „Es drohen keine negativen Einlagenzinsen für Privatleute“, urteilt Gunnar Meyer von der Commerzbank.

Heikler würde es erst, sollte EZB-Chef Draghi als nächstes zum Großangriff gegen fallende Preise ausholen und einen negativen Leitzins verkünden. In diesem Falle würden Banken Zinsen dafür bekommen, wenn sie sich Geld von der EZB leihen. Gäben die Banken diesen Zins weiter, könnten auch Firmen daran verdienen, bei der Bank einen Kredit aufzunehmen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Nächster Schritt: Negativer Leitzins
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Anreiz zum Ausgeben - Das selbstentwertende Geld

84 Kommentare zu "Anreiz zum Ausgeben: Das selbstentwertende Geld"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Beste, was man in der Regentschaft der dilettantischen Notenbanker tun kann ist, ist neben werthaltigen Sachanlagen in physische Edelmetalle zu gehen.
    Dank der Londoner kriminellen Manipulatoren sind die Preise für Gold und Silber auf einem unverdient niedrigen Niveau während die mit frischgedrucktem Falschgeld gekauften, überteuerten Tulpenzwiebel-Wertpapiere bald das Ende ihrer Hausse erreichen.
    Schon der große Wohlstandsvernichter US-Grünspan, der mit dem massiven Gelddrucken anfing, hat dem Gold folgendes Statement gegeben:
    ".....die Einzigen, die ihr Vermögen erhalten können, sind die Goldbesitzer..."

  • Schön, dass Sie solche Überlegungen im Handelsblatt darstellen. Diese Themen werden in der nächsten Zeit zu Top-Themen werden, denn es führt kein Weg mehr daran vorbei.

    Allerdings ist es zwar korrekt, Silvio Gesell als Ideengeber für Buiter und Mankiw zu nennen, nicht aber, dass Gesell negative Leitzinsen befürwortet hätte. Gesell wollte eine Umlaufsicherungsgebühr auf Bargeld. Heute müsste man diese wohl auf die unbaren Zahlungsmittel ausweiten. Die Gebühr soll verhindern, dass Zahlungsmittel gehortet werden und deswegen deflationäre Tendenzen auftreten. Sie wäre eine bessere Finanztransaktionssteuer, denn Spekulationskassen, die in den letzten Jahren immer weiter ausgeweitet wurden, würden dadurch unattraktiv.

    Prof. Belkes Bedenken, dieser Vorschlag sei für ganze Volkswirtschaften nicht realistisch, da niemand so ein Geld wolle, zeigt dass die Idee noch nicht ausreichend verstanden wird. Es ist nämlich keineswegs so, dass dann "die Währung sich selbst entwertet". Schleichende Inflation hatten und haben wir im jetzigen System, eigentlich komisch, dass die Menschen so ein Geld wollten ;-). Erst mit einer Umlaufsicherungsgebühr kann die Währung stabil gehalten werden. Abgewertet werden dann nur die Zahlungsmittel - und belastet werden vor allem diejenigen, die den Zahlungsverkehr, unser öffentliche Gut, lahmlegen. Alle anderen profitieren von der abnehmenden Schuldenlast. Mehr Infos unter: www.INWO.de

    Nichtsdestotrotz hat Ansgar Belke natürlich Recht, dass Anleger dann verstärkt in reale Werte wie Boden und Rohstoffe gehen würden. Das ist ja auch heute schon der Fall, noch angefeuert durch die künstliche Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Hier besteht sowieso dringend Handlungsbedarf! Ökonomische Renten aus Boden und anderen begehrten Gütern müssen abgeschöpft werden, um deren Privatisierung in den Händen einer Minderheit zu beenden. Siehe z.B. unter: http://rent-grabbing.com/

  • Mit beiden, weil sie beide den gleichen Reinsilbergehalt haben und beide 31,1g wiegen.
    Allerdings haben noch mehr Leute die gleiche Idee:
    Teilweise sind die Münzen ausverkauft.

  • Ob sich Mario Draghi noch „im Rahmen seines Mandats“ bewegt, ist doch letztlich nicht entscheidend. Seit seiner Amtseinsetzung durch die Rockefeller-Gruppe G30 ist er ohnehin der Übervater von Kommission, Ministerrat und Parlament, die schon längst vor politischer Aporie (Ausweglosigkeit, Ratlosigkeit) nur so starren und das bereits seit 2009, als ein anderer Vertreter der G30, Jean Claude Trichet, die EZB als allgegenwärtiges politisches Instrument (SMP) entdeckte. Draghi soll eben den Neoimperialismus wie in Amerika (siehe den Film „inside jobs“ von Ferguson) auch in Europa über die Runden bringen, zumindest bis zum nächstfälligen GAU. Gebracht haben seine Einsätze bisher nichts, im Gegenteil. Er führt zwar mit seinen Bazookas und dicken Bertas die Pferde zur Tränke, aber saufen wollen sie nicht. Und das heisst: weiterhin stagnierendes Wirtschaftswachstum, steigende Arbeitslosigkeit und vor allem: Steigende Staatsschulden in unerreichbare Höhen. Ein Konzept mit dem Thema: Was können wir aus der politisch katastrophalen Entscheidung von 1988, über eine Währungsunion eine politische Union erzwingen zu wollen, lernen, ist nicht mal in Ansätzen in Sicht. Die demokratisch nicht legitimierte EU-Kommission aber ist zurzeit damit beschäftigt, über Geheimverhandlungen bei TTIP und CETA, die Welt für den amerikanischen Neokapitalismus neu aufzuteilen. Die Menschen in Europa kommen in keinem Schema vor, sie sind, weiter wie bisher, Nebensache.

  • Heute auf focus online:"Keine Deflation!So seltsam erklärt die EZB ihren Zins-Hammer ... Die Zentralbanker sehen plötzlich gar keine Deflationsgefahr (sinkende Preise) im Euroraum. Das ist insofern interessant, als dass die jüngste Geldschwemme unter Experten weithin als Kampf gegen die Deflation angesehen wurde. ..."
    Nun denn: vielleicht sagen einem diese Schlaumeier auch noch, wofür man das Geld ausgeben sollte / kann: für noch ein weiteres elektronisches Teil aus China, für Klamotten aus Indien, für überteuerte Immobilien oder gar Aktien von überbewerteten Unternehmen oder soll mans gleich den Bettlern an der Ecke geben?
    Wenn tatsächlich die Bargeldentwertung kommt, dann kann man nur noch schauen, seine Einnahmen zu reduzieren, das wiederum lässt dann die Sozialsysteme crashen.
    Dass an der Stellschraube Bargeld gedreht wird, merkt man ja an den vielen Berichten derzeit zur Abschaffung desselbigen. Dann lohnt sich der Negativzins erst richtig, bis dahin laufen die Banken Gefahr, daß die Leute ihr Geld abheben und zu Hause deponieren. Das bekäme den Instituten nicht gut. Also muss was ersonnen werden, den Leuten das Bargeld abzuknöpfen.

  • Mit dem Philharmoniker oder dem Silver Eagle? Sind ja eigentlich alles anerkannte Zahlungsmittel.

  • Wer sich rechtzeitig mit 1-Unzen Silbermünzen eindeckt (z.B. Wiener Philharmoniker, Wert ca. 20€) kann bei der kommenden Papiergeld-Entwertung überall damit bezahlen.
    In Utah USA kann man damit schon seit vielen Jahren seine Hotel- oder Benzin-Rechnung in bar bezahlen.

  • Danke! Das werde ich mir zu Gemüte führen.

  • Wieso regt Ihr Euch denn alle so auf? Der Dax steht (stand) doch bei 10.000 und das ist doch die Hauptsache, oder?:-)

  • @Schuischel

    Ja, sogar als gedrucktes Werk erschienen im Hanser Verlag mit dem Titel "Der bedrohte Friede: Politische Aufsätze 1945 - 1981".

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%