Axa-Vorstand Patrick Dahmen „Altersarmut schreckt die Menschen auf“

Der Vorstand des Versicherers Axa über die Angst der Deutschen vor Altersarmut – und was Politik und Finanzbranche dagegen tun müssen.
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Axa-Vorstand Patrick Dahmen über Altersarmut und Rentenreform Quelle: AXA
Patrick Dahmen

Der Axa-Vorstand im Gespräch.

(Foto: AXA)

FrankfurtHerr Dahmen, was macht viele Menschen so pessimistisch beim Ausblick auf den Ruhestand?
Es lassen sich mehrere Gründe ausmachen, die die Befragten sorgen. Zunächst geht es um Emotionen: Die breit diskutierte Angst vor Altersarmut schreckt die Menschen auf. Dazu passt die zunehmende Erkenntnis, dass das aktuelle Rentenniveau längerfristig nicht zu halten ist angesichts der demografischen Verschiebungen.

Was sorgt die Deutschen noch?
Die Niedrigzinsphase fordert auch hier ihren Tribut. Der hohe Anteil von Einlagen auf Konten wirft immer weniger Ertrag für die Rente ab. Auch das Image der Altersvorsorge über Lebensversicherungen ist gesunken. Das liegt an der Niedrigzinsphase, aber auch daran, dass die Branche in Sachen Transparenz und Kosten nachbessern muss.

Was kann gegen den Pessimismus getan werden?
Es lässt sich auf drei Ebenen ansetzen: In der Politik, was die Erwerbstätigen der Umfrage zufolge ja auch fordern. Dann aber auch in der Finanzbranche und beim Bürger selbst.

Wo sehen Sie die Regierungspolitiker in der Pflicht?
Sie sollten an allen drei Standbeinen der Rente Impuls setzen. Zunächst gilt es, wie es sich die Bürger wünschen, die gesetzliche Rente zu stabilisieren. Das aktuelle Niveau von 48 Prozent des Nettoeinkommens wird sich angesichts der demografischen Veränderung sicherlich langfristig kaum halten lassen

Was ist noch wichtig?
Die Förderung der betrieblichen Altersvorsorge als zweites Standbein der Rente. Hier ist mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz ein Impuls gelungen, der steuerliche Anreize für Geringverdiener setzt, und zudem die Sozialpartner in die Pflicht nimmt, sich aktiv mit dem Thema Rente zu befassen. Auch das dort genannte Obligatorium ist wichtig – es trifft den Nerv der Bürger, wie die Umfrage zeigt.

Und in der privaten Vorsorge?
Dort sollte die Riester-Rente weiterentwickelt werden zu einem transparenten, einfachen, digital abschließbaren und kostengünstigen Produkt.

Was kann die Finanzbranche dabei leisten?
Die Produktanbieter sollten die Impulse der Politik aufnehmen. Für die zweite Säule gilt es ebenso passende, transparente Produkte zu entwickeln. Ein Opting Out dürfte hier unterstützen. In der privaten Altersvorsorge ist es wichtig, einfache, kostengünstigere Produkte anzubieten. Das sollte über modulare, digitale Angebote möglich sein. Eine Beratung wird immer nötig sein, damit Verbraucher passende Produkte erhalten.

Wie soll Beratung denn künftig vergütet werden?
Ich könnte mir einen größeren Anteil der laufenden Vergütung vorstellen und nur einen geringeren zum Abschluss des Vertrages. Eine attraktive Vergütung ist und bleibt allerdings sehr wichtig. Digitale Angebote dürften die Effizienz erhöhen.

Und der Verbraucher?
Der Verbraucher steht vor der Herausforderung, einzusehen, dass er selbst handeln muss. Dazu bedarf es auch Aufklärung. Denn dabei geht es in vielen Fällen darum, heute auf Konsum – also eine Urlaubsreise oder eine Anschaffung – zu verzichten, um im Alter besser dazustehen.

Herr Dahmen, vielen Dank für das Interview.

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