Bankgeschäfte Deutsche wollen Fintechs lieben

Von wegen konservativ – eine neue Studie zeigt, dass die Deutschen ihre Finanzangelegenheiten bald mehr neuen Firmen anvertrauen werden. Besonders interessiert sind sie an Angeboten rund ums Girokonto.
Fintechs machen Banken auch schon im Kontogeschäft Konkurrenz. Quelle: obs
Kontoverwaltung aus dem Wohnzimmer

Fintechs machen Banken auch schon im Kontogeschäft Konkurrenz.

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FrankfurtSchlechte Nachrichten für traditionelle Banken: Ein nicht unerheblicher Teil der Deutschen ist künftig bereit, für viele Finanzangelegenheiten Fintechs zu nutzen. Das zeigt eine Studie des Marktforschungsinstituts Yougov und des Auslandsüberweisungsdienstes Transferwise. Dafür wurden 7000 Menschen in verschiedenen Ländern befragt, darunter 2000 in Deutschland.

Die repräsentative Umfrage widerlegt hierzulande ein gängiges Vorurteil: Galten die Deutschen bisher eher als konservativ und rückständig was neue Trends im Finanzsektor angeht, zeigen sie nun eine neue Offenheit zu alternativen Anbietern. 72 Prozent der Befragten gaben an, sie würden in Betracht ziehen, Fintechs zukünftig für Geschäfte zu nutzen, die sie aktuell bei ihrer Bank in Anspruch nehmen.

Bis 2020 kann sich ein Drittel der deutschen Befragten vorstellen, bei gut der Hälfte ihrer Finanzangelegenheiten auf Fintechs anstelle von Banken zu setzen. In den nächsten zehn Jahren rechnet jeder fünfte damit, sämtliche Finanzangelegenheiten darüber abzuwickeln.

„Die Finanzwelt steht kurz vor einem fundamentalen Wechsel”, sagt Taavet Hinrikus, CEO und Mitgründer von Transferwise. In fünf Jahren werde die Finanzbranche bereits deutlich anders aussehen als heute, mit neuen Anbietern und innovativen neuartigen Serviceangeboten. In zehn Jahren werde sie sich grundlegend verändert haben. „Die wohl größte Veränderung wird sich in den Erwartungen und im Verhalten der Kunden zeigen“, glaubt

Hinrikus. „Wir rechnen damit, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre einige Teile der Finanzindustrie vollständig von Nicht-Banken betrieben und dominiert sein werden, in anderen Teilen hingegen wird es einen Mix geben.“

Besonders alarmierend für die Banken dabei ist, dass sich die Befragten neben neuen Bezahlmöglichkeiten beim Einkaufen (20 Prozent) vor allem für Alternativen um das private Konto (27 Prozent) interessieren. Schließlich ist das Girokonto der wichtigste Zugang der Institute zu ihren Kunden. Fintechs wie Numbr26, die ein Girokonto anbieten, sind bereits heute am Markt.

Das sind die zehn größten Fintech-Firmen
Platz 10: OurCrowd
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Die Finanzdienstleistungsbranche steht infolge der Digitalisierung im Wettbewerb mit Start-ups aus der Internetwelt. Sieben der 50 erfolgreichsten Fintech-Firmen kommen aus China. Dies geht aus dem Ranking „Fintech 100“ hervor, das die Unternehmensberatung KPMG und die Investmentgesellschaft H2 Ventures für das Jahr 2015 erstellt haben. Doch auch deutsche Unternehmen sind vertreten.

Den Reigen der Top Ten eröffnet demnach OurCrowd, der weltweit führende Wagniskapitalgeber mit Sitz in Jerusalem. Das Unternehmen, das 2013 gegründet wurde, ermöglicht Investoren auf der ganzen Welt den Zugang zu und das Investment in vielversprechende Start-ups. Gründer Hon Medved zufolge haben bislang rund 1.500 Geldgeber insgesamt 170 Millionen Dollar in 80 Technologiefirmen investiert.

Platz 9: Klarna
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Das schwedische Unternehmen Klarna bietet Zahlungslösungen für Onlineshop-Betreiber in 18 Ländern an. Auch in Deutschland ist es möglich über „Klarna“ zu bezahlen. Das im Jahr 2005 gegründete Unternehmen ist derzeit 2,25 Milliarden Dollar wert.

Platz 8: Atom
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Im Jahr 2014 gegründet, hat sich die britische Atom Bank zur Aufgabe gemacht, die Bankenbranche zu verändern. Das Ziel könnte bald erreicht werden: Bereits jetzt wird der Finanzdienstleister mit dem Online-Vermittlungsdienst Uber verglichen, der die Taxibranche aufmischte. Erst kürzlich hat die spanische BBVA 68 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert.

Platz 7: Avant
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Der im Jahr 2012 gegründete Finanzdienstleister AvantCredit bietet seinen Kunden Privatdarlehen an. Das Unternehmen konnte im Jahr 2014 Investitionen in Höhe von 75 Millionen Dollar verbuchen.

Platz 6: Kreditech
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Die Aufbauleistung der Kreditech-Gründer ist beachtlich: Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller haben in nur drei Jahren eines der wenigen deutschen Startups hochgezogen, das auch international wahrgenommen wird. Ende September verkündete das Unternehmen, im Rahmen der dritten Finanzierungsrunde bislang umgerechnet 85 Millionen Dollar eingesammelt zu haben. Das Startup gilt als heißer Börsenkandidat, doch das Geschäftsmodell ist umstritten. Zuletzt räumte Diemer seinen Posten als CEO.

Platz 5: Funding Circle
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Die Internet-Konkurrenz der Banken wächst rasant. Neben der US-amerikanischen Plattform Lending Club zählt Funding Circle zu den bedeutenden internationalen Spielern. Seit Oktober steht fest, dass das Unternehmen zudem den schnell wachsenden deutschen Online-Marktplatz für Unternehmenskredite, Zencap, übernimmt. Funding Circle wurde 2010 gegründet und hat nach eigenen Angaben in fünf Jahren Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vermittelt.

Platz 4: Qufenqi
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Die Kreditvergabe-Plattform bietet monatliche Ratenzahlungslösungen für Studenten und Berufstätige in China – und das mit Erfolg. Die meisten Investments in Asien flossen im vergangenen Jahr unter anderem in Qufenqi: 100 Millionen Dollar.

Weil die EU künftig Dritten erlaubt, Kontoinformationen abzurufen und die Daten aufzubereiten, könnten demnächst in diesem Bereich bald noch viele weitere Fintechs entstehen. Auch die Banken wissen das, einige Institute basteln bereits an eigenen Aggregationsdiensten.

Ganz überflüssig dürften Banken dann aber doch nicht werden. Bei großen finanziellen Investitionen wie Immobilienkrediten sind die Deutschen gegenüber Fintechs noch deutlich vorsichtiger.

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