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Bert Rürup im Interview „Die Lebensversicherer haben ein dickes Problem“

Das Zinstief bereitet Bert Rürup Kopfzerbrechen. Im Interview erklärt der Ökonom, warum Sparkassen und Versicherer leiden, der Staat Zinsverluste dennoch nicht kompensieren sollte und was für eine Solidarrente spricht.
20 Kommentare
Der Ökonom war Vorsitzender im Rat der Wirtschaftsweisen und leitet aktuell das Handelsblatt Research Institute.
Bert Rürup

Der Ökonom war Vorsitzender im Rat der Wirtschaftsweisen und leitet aktuell das Handelsblatt Research Institute.

Bert Rürup ist kein reiner Theoretiker, keiner, der sich damit rühmt, so viele Fachartikel wie möglich zu publizieren. Bert Rürup sieht sich als politischen Ökonomen. Ökonomie hat für ihn eine Bringschuld, sie soll der Politik dienen. Viele Jahre beriet er die Bundesregierung in Rentenfragen. Heute ist Rürup 71 Jahre alt, leitet das Handelsblatt Research Institute, und diskutiert nach wie vor leidenschaftlich über das Thema Rente. In der Düsseldorfer Zentrale des Handelsblatts sprechen wir mit ihm über die Probleme des Rentensystems in Deutschland, das Zinstief und nicht zuletzt über sein „Baby“ – die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt. Sie feiert in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag.

Herr Rürup, wie haben Sie eigentlich fürs Alter vorgesorgt?
Na ja, ich bin pensionierter Beamter und war ein gut bezahlter deutscher Professor. Daher, habe ich eine recht auskömmliche Pension. Und da ich nicht schlecht verdient habe konnte ich einiges sparen. Außerdem haben meine Frau und ich ein Haus.

Wie haben Sie denn gespart?
Ich habe keine ausgeprägte Risikopräferenz und habe deshalb nach der Regel gespart: 80 abzüglich Lebensalter gleich Aktienanteil. Allerdings bin ich in der letzten Zeit diesem Grundsatz untreu geworden. Meine Aktienquote liegt derzeit bei merklich über zehn Prozent.

Die Deutschen sparen traditionell über Zinsprodukte, die Lebensversicherung ist beliebt. Doch das historische Zinstief lässt Überschüsse sinken, Rentenzahlungen schrumpfen …
Die Lebensversicherungen haben momentan ein dickes Problem. Allerdings tragen die Niedrigzinsen daran nur vordergründig die Schuld. Eigentlich fällt der Versicherungswirtschaft jetzt auf die Füße, dass sie ein Risikoprodukt lange Jahre als eine sichere und rentable Kapitalanlage beworben und verkauft hat.

Das eigentliche Problem der Lebensversicherer …
… hängt mit ihrem Geschäftsmodell und der Regulierung zusammen. Versicherer sind an Staatsanleihen interessiert, weil sie mit dieser vermeintlich sicheren Anlageform den gesetzlichen Anlagevorschriften nachkommen können, ohne Eigenkapital zur Unterlegung einsetzen zu müssen. Das schlägt durch.

„Das Argument von Herrn Fahrenschon ist ziemlich schräg“
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20 Kommentare zu "Bert Rürup im Interview: „Die Lebensversicherer haben ein dickes Problem“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Mit zunehmend mehr Ökonomen im In- und Ausland bin ich der Meinung, dass der Euro an einem Austritt Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft nicht zerbrechen würde. Er könnte nach anfänglichen Turbulenzen sogar fester gehen. Schließlich entfiele zumindest mittel- und langfristig eine der schwächsten und am wenigstens reparierbaren Flanken der Eurozone. Ohne einen Austritt ist das griechische Drama eines ohne absehbares Ende, ob es uns nun gefällt oder nicht; man studiere nur die finanzpolitische Historie dieses Landes über die letzten Jahrhunderte! Die „Märkte“ haben ein solches Szenario – nämlich ein „Ende mit Schrecken“ – zudem seit geraumer Zeit eingepreist. Ein "GrExit" wäre demnach alles in allem trotz aller Verwerfungen das kleinere Übel. Insbesondere wäre er eine Warnung an eine Reihe weiterer Filous, dass sie sich nicht wirklich auf die Alimentierung durch die "Nordländer" und die damit einhergehende Hängematte verlassen können. Und dann gibt es ja auch noch die täglich zunehmende Zahl von Bürgern, die es sogar für wünschenswert hielten, wenn der Euro als Ganzes scheitert und sich eine kraftvolle Gemeinschaft wirtschaftlich stabiler und zusammen passender Länder in einer neuen Währungs-Union bildet.

  • Wer hier anmerkt, dass die Abgeltungsteuer kontraproduktiv ist, wenn sie ausgerechnet auch auf die politisch ständig eingeforderte "zusätzliche (private) Altersvorsorge" fällig ist, hat natürlich vollkommen Recht! Damit die allenthalben beklagte Müdigkeit zur privaten Altersvorsorge einen Kick bekommt, fordere ich (grob skizziert): Einführung eines jährlichen Freibetrages von mindestens 20.000 € für Kapitaleinkünfte, einerlei ob diese aus Zinserträgen oder Kursgewinnen stammen. Völlige Steuerfreiheit bei Erträgen aus risikobehafteten Kursgewinnen nach einer Haltedauer von z. B. 2 oder 3 Jahren. Um [anstelle von Verkonsumierung] einen vermögensbildenden Effekt zu erreichen, ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Nutzen aus den Freibeträgen nur dann ganz oder teilweise erhalten bleibt, wenn das durch den Vorsorgesparer frei wählbare (!) Anlageinstrument (etwa ein gemischtes Depot) mindestens 5, 6, 8 oder auch 10 Jahre aufrecht erhalten bleibt. Dann übrigens, davon bin ich überzeugt, würde sich auch hierzulande „Finanzbildung“ lohnen. Einem Bürger aber, dem nach dem Willen seiner vollmundigen und üppig versorgten Politiker die Erträge trotz Inflation zu nahezu 100 Prozent frivol besteuert werden, nützt es kaum, wenn er „mehr über Finanzthemen weiß“. - Und: Hände weg von einer wie immer vom typisch deutschen Neid gesteuerten Erhöhung der Steuersätze auf Kapitalerträge!
    Eine steuerliche Besserstellung freiwilliger Altersvorsorge in der Spar- und (!) auch in der Rentenphase ist zugegeben nur ein Aspekt, aber ein wesentlicher. Im Gegensatz zur deutschen Regierung haben das die meisten unserer Nachbarländer erkannt, in denen es auf Kapitaleinkünfte traditionell hohe Freibeträge und/oder besonders niedrige Steuersätze gibt.

  • es hat schon seinen grund, warum beamte und politdarsteller eine üppige versorgung ohne eigene beitragsleistung haben. sie haben eben kein zutrauen in das system welches sie anderen empfehlen. dieser rürup ist ja auch so einer. klug daherreden und dann sich mit maschi gemein machen. dieses giralgeldsystem wie es momentan benutzt wird fährt so alle 70 bis 80 jahre regelmäßig an die wand. bedingt durch den zinseszinseffekt. dann muß es wieder resetet werden und das spiel beginnt von neuem. es glaubt doch wohl niemand ernsthaft an eine zinswende. allein bei einem anstieg um zwei prozent würde dies für die schulden im staatshaushalt einen zinsaufwand zu lasten der staatskasse in höhe von 48 milliarden bedeuten. in einem land wo man noch an den weihnachtsmann und den osterhasen glaubt, kann man solche märchen auch noch verbreiten.


  • Nun ja, nicht nur die deutschen Rüstungskonzerne, sondern auch deren abhängig beschäftigte Arbeitnehmer, welche in den deutschen Rüstungskonzernen die Waffen und Güter für die Griechen zusammengeschraubt haben, denen hat es ihre Jobs, ihre Löhne/Gehälter gesichert, Davon hat wiederrum der deutsche Staat durch Steuer- und Sozialabgaben profitiert.
    Dass grundlegende Problem ist aber >>> Die anderen, welche bei uns nachfragen und kaufen machen dauerhaft nur Defizite z. Bsp. die Griechen, während wir seit Jahrzehnten nur Überschüsse produzieren. Die Nachfrage und der Konsum findet infolgedessen im Ausland statt, während hierzulande die mittleren und unteren Einkommensschichten immer stärkere Kaufkraftverluste hinnehmen müssen. Dazu kommt noch, das die Bezahlung für geleistete Arbeit in einer für deutsche Verhältnisse viel zu weichen Währung, bei gleichzeitiger Nullzinspolitik für mögliche Altersvorsorge- und Sparanstrengungen erfolgt. Wer nicht mehr genug verdient, kann nichts mehr nachfragen oder gibt das wenige, was ihm noch verbleibt, nicht mehr aus = deutsches Importdefizit.
    Für mehr Infos zum Thema googlen Sie bitte nach „deutsche IMPORTDEFIZITE“.

  • Hallo Handelsblatt, macht heute die technik wieder Probleme und sind Hinweise die auf das bewußte Wegreißen des Fundaments des deutschen Finanzsystems mit Sparkassen und Zinsprodukten hinweisen, "unerwünscht"?

  • naja, die deutschen Unternehmer haben an Griechenland ganz gut verdient! Die Rüstungsindustrie hat für Milliarden Rüstungsgüter an Griechenland (zwangs-)verkauft. Die alten konservativen Regierungen waren gute Kunden - selbst unter der Troika wurden diese Verkäufe noch erzwungen. Gewinne wurden gemacht! Nur die Verluste zahlen nun die deutschen Steuerzahler, und nicht die Unternehmer!

  • Die kapitalgedeckte Lebensversicherung ist gescheitert. Alle Zuschüsse flossen nur in die Provisionen der Banken.
    Einzige Lösung:Rückkehr zur vollständigen Umlagefinanzierung, Besinnung auf den Generationenvertrag - d.h. Kinder treten in diesen Vertrag wie auch die Eltern ein. Wer keine Kinde hat, keine adoptiert usw. muß eben privat vorsorgen.

  • Hallo Herr Northoff,
    ein „GREXIT“ bedeutet den Anfang vom Ende des Euros und der jetzigen Währungsunion und Eurozone.
    Ist doch auch völlig logisch. Wenn es die Eurozone/Eurokraten politisch und wirtschaftlich nicht schafft, ein so ökonomisch und bevölkerungsmässig kleines Land wie Greece im Euroverbund zu halten, wie sieht es dann erst mit den Schwergewichten wie Spanien, Italien und Frankreich aus? Sie verstehen, was ich damit meine?
    Der Vertrauensverlust in de Euroverbund und die Eurowährung wäre immens.
    Ebenso die politischen Folgen eines Grexit.
    Auch wenn hier immer wieder das Gegenteil behauptet wird, ich bin mir sicher, scheidet Greece aus, scheitert die Eurozone und der Euro. Letztlich ist es aber egal, beide möglichen Szenerien (entweder Grexit oder eben weiter Umschuldungskedite vergeben) am Ende trotzdem das Euroende und zerbrechen der Eurozone bedeuten werden. Mit einem GREXIT wird der Euro und das Europrojekt in seinem Niedergang nur beschleunigt, ansonsten dauert es bis zum finalen Ende länger.

  • Staatliche Förderungen???
    Wenn die Sparkassen eine staatliche Förderung von Sparern fordert, ist es aus Sicht von Herrn Rürup NEGATIV!
    Wenn die Versicherungswirtschaft eine Erhöhung der Riesterföredrung vorschlägt, ist es für Herrn Rürup POSITIV!
    Wessen Lied singt Herr Rürup eigentlich?

  • Fakten sind heute, das die Netto Rente so niedrig ist wie nie. Die Rente muss sogar noch versteuert werden. Der Gesetzgeber zwingt den Rentner heute dazu auf sein erspartes Einkommen für das Alter zum x ten mal wieder Steuern zu zahlen. Als Durchschnittsverdiener lebt man als Rentner vom Hartz IV Satz. Nicht jeder Mensch in Deutschland erbt Millionen oder andere Reichtümer. Ganz einfach ausgedrückt und salopp, die Regierung bescheißt die armen Rentner und gibt sich selber dicke Pensionen, wenn die besteuert werden wäre das okay, aber Renten unter 3000,- sollten steuerfrei sein, meine Forderung an die raffgierigen Politiker.
    Besser im eigenen Land helfen, als einem maroden Griechenland, besser GREXIT
    und Geld für Deutschlands Rentner.

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