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Betriebliche Altersvorsorge Auf der Suche nach stabilen Erträgen mit alternativen Anlagen

Nach dem Jahr extrem schwankender Aktienkurse setzen Pensionsmanager in Dax-Unternehmen stärker auf Infrastruktur, spezielle Immobilien und Anleihen mit Inflationsschutz.
24.03.2021 - 18:13 Uhr Kommentieren
Immobilien zählen zu langfristigen Investments mit guten Renditeaussichten. Quelle: dpa
Einfamilienhaus

Immobilien zählen zu langfristigen Investments mit guten Renditeaussichten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Alternative Anlagen gelten mittlerweile als Hoffnungsträger in einer Welt schwankender Wertpapierkurse und schwindender Zinsen. Denn diese Investments etwa in Immobilien, Autobahnen oder Solaranlagen versprechen stabile Erträge über einen langen Zeitraum. Vor allem Großinvestoren wie Manager von Pensionsvermögen versuchen so ihre langfristigen Verpflichtungen etwa für Betriebsrenten kalkulierbar zu machen.

So investieren diese Manager von Pensionsvermögen, das außerhalb von Unternehmen – in sogenannten Treuhandgesellschaften namens „CTA“ – verwaltet wird, zunehmend in Infrastrukturanlagen - auch mit nachhaltigem Charakter wie Erneuerbare Energien oder Energieeffizienzprojekte, zudem in Kreditfonds und in spezielle Immobilien. Das haben die Unternehmensberater von Mercer und Willis Towers Watson (WTW) für die Pensionsvermögen der Firmen aus dem Dax 30 ermittelt. Deren CTA-Vermögen betrug Ende 2020 rund 266 Milliarden Euro.

Bei Dax-Unternehmen haben alternative Anlagen bereits einen Anteil von gut sechs Prozent, sagt Jeffrey Dissmann, Leiter Investment Consulting bei Mercer Deutschland, nach Auswertung der Geschäftsberichte von Dax-Unternehmen. Es gebe einen Trend zu defensiven Realwerten bei Pensionsvermögen, stellt Heinke Conrads, Leiterin des Bereichs Altersvorsorge bei WTW Deutschland, fest.

Aktuell investieren die Pensionsmanager dort vor allem in Infrastrukturanlagen und Privatmarktkredite über Fonds, wie Dissmann sagt. Auch Fonds, die auf Kreditportfolios mit in Schwierigkeiten geratenen Firmen (distressed strategies) setzen, seien gefragt. Beliebt ist dabei auch sogenanntes Mezzanine-Kapital: Dort bekommen die CTA oft ihr als Kredit verliehenes Geld als Eigenkapital, auch in Aktien zurück, was ihre Rendite erhöht.

Kapitalanlagen fernab der Börse haben im vergangenen Jahr laut WTW bei den Dax-Pensionsvermögen zugenommen - der Anteil stieg um weitere drei Prozentpunkte insgesamt knapp 30 Prozent. Dazu gehören neben Alternativen Anlagen, Liquidität, spezielle Lebensversicherungen zur Finanzierung von Pensionszusagen (Rückdeckungsversicherungen) und sonstige Anlagen wie Fonds.

Zur Stabilisierung des Portfolios bleiben allerdings auch Anleihen wichtig, die nach wie vor mit knapp der Hälfte der Dax-Pensionsvermögen den Kern des Portfolios ausmachen. Damit könnten vor allem die Laufzeiten der Pensions-Verpflichtungen und -Vermögen besser angeglichen werden, erklärt Conrads.

Auf der Bondseite werden dafür gerne auch Derivate wie Zinsswaps eingesetzt, die damit die Laufzeiten des Anleiheportfolios verlängern. Dahinter steht die Erwartung, dass die Kapitalmarktzinsen noch über längere Zeit niedrig bleiben und zumindest in Europa nicht stärker als etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte steigen, wie Berater Dissmann sagt. Gegen einen stärkeren zu erwartenden Zinsanstieg sichern einige Manager ihre Portfolios bereits ebenfalls mit Zinsoptionen ab. Zudem kaufen sie inflationsgeschützte Anleihen.

Aktien haben Dax-Pensionsmanager zuletzt leicht abgebaut

Aktien haben die Dax-Pensionsmanager dagegen im Jahr 2020 leicht auf rund 19 Prozent reduziert in ihren Portfolios . „Die extreme "V-Bewegung der Aktienmärkte" stellte die Manager von Pensionsvermögen vor besondere Herausforderungen“, sagt Dissmann. Einige hätten ihre Aktienrisiken eher spät begrenzt und sind im Kurstief nicht wieder eingestiegen, andere hätten aber im Tief nachgekauft.

Im Durchschnitt wurden 2020 Portfolio-Renditen von 3,8 Prozent erzielt, wie WTW errechnet hat. Die Pensionsvermögen der 30 Unternehmen sind per Saldo gegenüber dem Vorjahr trotz milliardenschwerer neuer Einzahlungen in die Pensionspläne um rund vier Prozent gesunken, was an der Veränderung des Dax-Index lag.

Neben Wirecard hat Lufthansa mit seinem umfangreichen Pensionsplan für die mehr als 100.000 Mitarbeiter den Leitindex verlassen müssen. Die Neulinge Delivery Hero und Deutsche Wohnen glichen das nicht aus.

Die Pensionsvermögen finanzieren großenteils die von den Dax-Konzernen Ende 2020 mit rund 407 Milliarden Euro ausgewiesenen Pensionsverpflichtungen. Diese künftigen Verpflichtungen werden mit einem kapitalmarktnahen Rechnungszins auf einen Barwert abgezinst, den die Unternehmen dann in ihrer Bilanz ausweisen.

Im vergangenen Jahr ist dieser langfristige Zins vor allem infolge der Anleihekaufprogramme der Notenbanken um weitere 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte gesunken auf 0,7 bis 0,8 Prozent, wie die Berater feststellten. Im Gegenzug stiegen die Verpflichtungen rechnerisch. 2020 sind diese allerdings per Saldo gesunken, das Ausscheiden der Lufthansa hat den Zinseffekt überkompensiert.

Der reine Zinseffekt habe die Verpflichtungen 2020 um etwa 20 Milliarden Euro steigen lassen, schätzt Conrads von WTW. Die Pensionslasten der Dax-Konzerne sind zu 65 Prozent durch CTA-Vermögen gedeckt, wie die Berater aus den Geschäftszahlen für Ende 2020 errechneten. Die Differenz bis zu einer Deckung von 100 Prozent finanzieren die Firmen über Rückstellungen. Schwankungen im Deckungsgrad des CTA-Vermögens schlagen so indirekt auf das Eigenkapital der Firmen durch, gefährden aber nicht die Betriebsrenten.

Mehr: Welche Hoffnungen auf dem ersten Vertrag für eine kollektive Betriebsvorsorge ohne Garantien ruhen

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