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Betriebsrenten Fehler bei Altersrückstellungen: Verbraucherzentrale Bremen meldet Insolvenz an

Der Verein ist pleite, weil er zu wenig Geld für Mitarbeiter zurückgelegt hat. Kritik an mangelnder Qualifizierung der Verbraucherschützer wird laut.
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Mitarbeitern wurden zu hohe Betriebsrenten versprochen. Quelle: dpa
Verbraucherzentrale

Mitarbeitern wurden zu hohe Betriebsrenten versprochen.

(Foto: dpa)

FrankfurtWegen Fehler in den Arbeitsverträgen ihrer Mitarbeiter ist die Verbraucherzentrale Bremen (VZ Bremen) in finanzielle Schieflage geraten. Man habe eine Restrukturierung in Eigenverwaltung initiiert, um sich mithilfe eines Insolvenzplans wirtschaftlich neu aufzustellen, teilte der gemeinnützige Verein bereits am Dienstag mit.

Verbraucherzentralen gibt es in jedem Bundesland. Die Bremer informieren, beraten und unterstützen nach eigener Darstellung seit mehr als 50 Jahren Verbraucher in Fragen des privaten Konsums und vertreten Verbraucherinteressen bei Unternehmen, Politik und Verbänden. Ihre Beratungsschwerpunkte seien unter anderem Verbraucherrecht, Versicherungen und Finanzdienstleistungen.

Nun sorgt die Pleite inzwischen für jede Menge Spott in den sozialen Netzwerken. „Insolvenz wegen Fehler bei der Altersvorsorge der eigenen Mitarbeiter, aber Bürger in Fragen der Altersvorsorge beraten! Das nennen wir echtes Expertentum“, höhnt zum Beispiel der User RoboAdvisor-Portal‏ auf Twitter. „Ähm, war der Schwerpunkt der insolventen @VZHB nicht ausgerechnet Finanzen???“, fragt Andreas K. Gruber, Leiter Public Affairs bei der DKB. Und „Peinlich, peinlich“, meint der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute‏.

Der Bundesverband Finanzdienstleistung (AfW), Lobbyverband vieler Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler, nutzt die Vorgänge in Bremen sogar als Steilvorlage. Schon mehrfach hatte der Verband kritisiert, dass die Mitarbeiter der Verbraucherzentralen nicht ausreichend qualifiziert seien, wenn es um Themen wie Altersvorsorge und Risikoabsicherung gehe. Denn sie müssten im Gegensatz zu den gewerblich tätigen Vermittlern und Beratern keine Sachkunde nachweisen. Jetzt bekräftigt der Verband seine Kritik.

„Ständig müssen sich unsere Mitglieder von den vermeintlichen Verbraucherschützern pauschal und ohne belastbare Grundlage vorhalten lassen, provisionsexzessiv und qualitativ schlecht zu beraten“, so AfW-Vorstand und Rechtsanwalt Norman Wirth.

„Und seit Jahren weisen wir darauf hin, dass es schwerlich sein kann, wenn in den staatlich subventionierten Beratungsstellen ohne klare Ausbildungs- und Qualifizierungsanforderungen die Bürger auch in Altersvorsorgefragen beraten werden. Schlimm, wenn es jetzt sogar dort die eigenen Mitarbeiter betrifft.“

Aber wer trägt die Schuld für die fehlerhaften Arbeitsverträge? Und hätten die betroffenen Mitarbeiter, eben jene Verbraucherschützer, den Fehler erkennen können und ihren Arbeitgeber darauf hinweisen sollen?

Der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Tim Voss, ließ eine entsprechende Anfrage des Handelsblatts dazu bisher unbeantwortet. Sebastian Steineke, CDU-Mitglied im Bundestag, twitterte bereits: „Hoffe die Gespräche führen zu einer guten Lösung. Die Causa wirft aber auch grundsätzliche Fragen der Überwachung auf“.

Geschäftsführerin deckt auf

Die Verbraucherzentrale selbst stellte bereits klar: „Die Geschäftsführung bleibt im Amt und kann weiter uneingeschränkt agieren.“ Nach Recherchen des Weserkurier sei es die jetzige Geschäftsführerin Annabel Oelmann gewesen, die den Fehler aufgedeckt habe und sofort tätig wurde.

Was genau passiert ist, dazu gibt sich die VZ Bremen zugeknöpft. Nachfragen werden nur schriftlich beantwortet. Laut „Weserkurier“ seien Mitarbeiter vor einigen Jahren dem falschen Versorgungsanbieter zugeordnet worden, wodurch sie jetzt Anspruch auf mehr Geld haben als ihnen bei einer korrekten Eingruppierung zugestanden hätte.

Der Verein hätte wiederum nur Altersrückstellungen auf Basis der korrekten Eingruppierung gebildet und den Fehler über Jahre nicht bemerkt. Zur Höhe dieser Altlasten machten die Verbraucherschützer keine Angaben

„Mit den Beteiligten ist man derzeit im Gespräch und sucht im Interesse aller nach Lösungsmodellen“, teilte die VZ Bremen mit. Für die betroffenen Mitarbeiter könnte das darauf hinauslaufen, dass sie freiwillig auf Zahlungen verzichten und deutlich weniger Betriebsrente erhalten als in den Verträgen versehentlich vereinbart war. In der Pressemitteilung heißt es, man versuche, „in erheblichem Umfang drohende sozialversicherungsrechtliche Ansprüche der Altersversorgung abzuwenden“.

Verbraucherzentrale will weiter beraten

Die Bremer wollen offenbar nicht riskieren, dass ihre eigene Insolvenz nun Verbraucher abschreckt, sich von ihr beraten zu lassen. Die entsprechende Mitteilung dazu ist auf der Webseite nur versteckt im Bereich „Presse“ zu finden.

Dort heißt es, das „Leistungsangebot des Beratungszentrums in Bremen und der Beratungsstelle Bremerhaven ist weiterhin vollumfänglich sichergestellt“. Die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien abgesichert.

„Wir sind zuversichtlich, dass die Verbraucherzentrale gestärkt aus dieser Restrukturierung hervorgehen wird und ihren Auftrag, allen Bürgerinnen und Bürgern im Land Bremen eine anbieterunabhängige Verbraucherberatung anzubieten, auch in Zukunft erfüllen wird“, trommelt überdies Verwaltungsratschef Voss.

Wenn sich die betroffenen Mitarbeiter quer stellen und auf ihre Bezüge pochen, könnte immer noch der Steuerzahler einspringen, meinen Politiker von CDU, FDP und der Linken gegenüber dem „Weserkurier“. Man müsse über eine höhere Förderung der Verbraucherzentrale nachdenken, um das Beratungsangebot der Verbraucherschützer aufrecht zu erhalten.

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