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Corona-Folgen Angst vor Altersarmut unter Selbstständigen ist hoch – viele befürworten Vorsorgepflicht

In der Pandemie ist es für viele Selbstständige schwieriger geworden, Geld fürs Alter zurückzulegen. Ein Großteil befürwortet eine geplante Vorsorgepflicht, wie eine Umfrage zeigt.
29.06.2021 - 19:00 Uhr 4 Kommentare
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zahlreicher Selbstständiger in der Coronakrise haben auch Auswirkungen auf ihre Altersvorsorge. Quelle: imago images/Addictive Stock
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Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zahlreicher Selbstständiger in der Coronakrise haben auch Auswirkungen auf ihre Altersvorsorge.

(Foto: imago images/Addictive Stock)

Frankfurt Viele Selbstständige müssen in der Corona-Pandemie starke finanzielle Einbußen hinnehmen und können deshalb weniger Geld fürs Alter zurücklegen. In der Folge ist die Angst vor Altersarmut hoch. Um eine zusätzliche Sicherheit zu haben, spricht sich der überwiegende Teil der Selbstständigen für eine Vorsorgepflicht aus. Das geht aus einer Yougov-Umfrage im Auftrag des Versicherers Ergo unter 511 Teilnehmern hervor, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

„An einer Versicherungspflicht für Selbstständige führt daher kein Weg vorbei“, sagt Michael Fauser, Vorstandsvorsitzender der Ergo Vorsorge Lebensversicherung. Die Ergebnisse der Befragung seien ein klarer Auftrag an die kommende Bundesregierung, das Problem zeitnah zu lösen.

Die Parteien haben das auch in ihren Wahlprogrammen stehen: Demnach wollen CDU und CSU eine Altersvorsorgepflicht für alle Selbstständigen einführen, die nicht bereits anderweitig abgesichert sind. Sie sollen verpflichtet werden, entweder in die gesetzliche Rente einzuzahlen oder andere „insolvenzsichere und zugriffsgeschützte“ Vorsorgearten zu wählen, die politisch noch genauer definiert werden müssen.

Auch die SPD will eine grundsätzliche Pflicht zur Altersvorsorge einführen und Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung integrieren. Die Grünen wollen die gesetzliche Rentenversicherung zu einer Bürgerversicherung weiterentwickeln und in einem ersten Schritt Selbstständige ohne obligatorische Absicherung verpflichtend aufnehmen.

Neu sind solche Überlegungen nicht: Die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD wollte eine entsprechende Regelung bereits in dieser Legislaturperiode einführen. Die Pläne wurden aber wegen der Coronakrise nicht in die Tat umgesetzt.

Soziale Sicherungssysteme sind während der Pandemie wichtig

Doch gerade die aktuelle Situation zeigt, wie wichtig die sozialen Sicherungssysteme sind. In der Ergo-Studie geben 61 Prozent der Befragten an, wirtschaftlich von den Auswirkungen der Pandemie betroffen zu sein. Ein Fünftel davon sieht sich von einer Insolvenz bedroht. 49 Prozent der Befragten verdienen derzeit weniger als vor der Pandemie, und drei Prozent können aktuell gar keinen Verdienst ausweisen. Allerdings dürfte es hier deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen geben, welche die Umfrage aber nicht separat erfasst hat.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zahlreicher Selbstständiger haben auch Auswirkungen auf ihre Altersvorsorge. Knapp die Hälfte der Befragten kann momentan kein oder zumindest weniger Geld für das Alter zurücklegen. Rund jeder Zehnte muss derzeit sogar die eigenen Rücklagen anzapfen, die eigentlich für das Alter gedacht waren.

Knapp die Hälfte der Befragten sagt, dass er oder sie derzeit Angst davor hat, dass das Geld im Alter nicht reichen wird. Viele Selbstständige gehen bereits jetzt davon aus, dass sie später nicht über ausreichend Kapital verfügen werden. 46 Prozent der Umfrageteilnehmer befürworten daher eine generelle Vorsorgepflicht in Deutschland.

Manche Selbstständige sind unterdessen schon heute in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Dazu zählen Handwerker, Hebammen und Erzieher. Freiberufler wie beispielsweise Ärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte und Steuerberater sind zudem in berufsständischen Versorgungswerken pflichtversichert.

Auch Finanzprofis sind für eine Vorsorgepflicht

Alle anderen Selbstständigen müssen sich selbst um ihre Rente kümmern. Eine Option für sie ist der Abschluss einer steuerlich begünstigten Basisrente, die umgangssprachlich als Rürup-Rente bekannt ist. Meist handelt es sich dabei um eine klassische oder fondsgebundene Rentenversicherung. Auch eine freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung ist möglich.

Sollte eine verpflichtende Altersvorsorge in Deutschland eingeführt werden, so wünschen sich 58 Prozent der Selbstständigen Ergo zufolge einen integrierten Schutz vor einer Pfändung des angesparten Kapitals im Falle einer Arbeitslosigkeit. Mehr als die Hälfte der Befragten hofft auf eine große Flexibilität bei der Beitragszahlung. Daneben ist vielen Selbstständigen wichtig, dass die Produkte leicht zu verstehen sind sowie eine Sicherheit bei der Anlage bieten.

Auch Finanzprofis befürworten die geplante Vorsorgepflicht. Der Frankfurter Honorarberater Stefan Schießer sagte dem Handelsblatt vor Kurzem, dass dies „dringend notwendig“ sei. Es gebe eine große Dunkelziffer an Freiberuflern und Selbstständigen, die von der Hand in den Mund leben und sich, wenn überhaupt, erst sehr spät Gedanken über Altersvorsorge machen.

Mehr: Wie sich die Pläne der Union auf die Rente auswirken – und wie Experten sie bewerten

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4 Kommentare zu "Corona-Folgen: Angst vor Altersarmut unter Selbstständigen ist hoch – viele befürworten Vorsorgepflicht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie hoch wird die PKV Prämie in 40 Jahren sein ?

    „Nicht nur die Altersvorsorge ist für viele Selbstständige ein Riesenproblem.“

    „Premium Tarif Continental, günstigster Versicherer. Handelsblatt Test vom 19.5.21.
    Die monatliche Prämie beträgt 545,06 Euro und schließt eine Selbstbeteiligung von 20 Euro je Leistung ein, die aber bei 500 Euro pro Jahr gedeckelt ist“

    Premiumtarif 545,06 zuzüglich Selbstbeteiligung 500,- /12 = monatlich 41,66 Gesamtprämie = 586,72 monatlich. Eintritts Alter 35 Jahr.

    Premium Tarif Conti. ungefähr vergleichbar mit meinem Tarif aus 1980. Mein Eintrittsalter 33 Jahre.

    Selbstbeteiligung ist immer eine verdeckte Prämie, nur dann von Vorteil wenn lebenslang keine Gesundheitskosten anfallen. Also muss man von einer Prämie von 586,72 incl. Selbstbeteiligung ausgehen.

    Wie hoch wird die Prämie in 40 Jahren sein, oder sogar noch später.

    Auf Grundlage meiner Prämienentwicklung seit 1980, Steigerung um 535%, wäre die Prämie in 40 Jahren.

    545,06 zuzüglich 535 % = 3461,06 monatlich, zuzüglich Selbstbeteiligung 41,66 monatlich, zuzüglich Pflegeversicherung.

    Vorausgesetzt die Versicherung erhöht in den nächsten 40 Jahren den Selbstbehalt nicht.

    Bei dieser Berechnung muss der Versicherte nach ca. 20 Jahren eine Tarifreduzierung auf einen abgespeckten Tarif vornehmen, nur dann ist die Steigerung mit meiner Steigerung vergleichbar, sonst wird die Prämie um einiges höher sein.

    An obiger Berechnung kann man sehen, wie katastrophal das PKV System in Wirklichkeit ist, und man mit der PKV ein unkalkulierbares Kosten Risiko eingeht, das bei vielen Rentnern in die Verarmung führen wird.

    In der GKV kann man ganz sicher sein, seine Prämie in Rente noch bezahlen zu können.


  • „Nicht nur die Altersvorsorge ist für viele Selbstständige ein Riesenproblem.“

    „Selbstständige werden von PKV Versicherungen mit falschen Werbeversprechen in die PKV gelockt“

    Entwicklung in der GKV :

    BBG : jährlich Beitragsbemessung der GKV 1980 = 19389,-€, GKV 2021 = 58050,-
    Erhöhung 38661,- Steigerung um 199 % ,
    die Beitragsbemessungsgrenze ist im Zeitraum 1980 bis 2021 in 41 Jahren um 199% gestiegen.

    GKV Beitragssatz : 1980 11,4 %, heute 14,6 % zuzüglich Zusatzbeitrag (ca. 16% incl. Zusatzbeitrag). Steigerung in 41 Jahren um gerade mal 40 %, davon können PKV Versicherte nur träumen.

    In der GKV beitragsfrei mitversichert : beitragsfreie Familienversicherung, 19,5 Monate Krankengeld ab der 6. Woche, Kuren und Reha und noch einiges mehr. In der PKV müssen diese existenziellen Bausteine zusätzlich versichert werden, natürlich gegen entsprechende Prämienzahlungen.

    Fazit : Meine (und da bin ich ganz sicher nicht der Einzige im PKV Tariflabyrinth) PKV Beitragsentwicklung (+ 535% seit 1979 - 1980) ist um ein Vielfaches mehr gestiegen als es bei der GKV möglich gewesen wäre, die Leistungen in der PKV rechtfertigen auf keinen Fall diese Beitragsexplosion.

    Als Coronakranker wird man als PKV Versicherter nicht schneller gesund, man bekommt nur eine höhere Rechnung.

    Als langjährig PKV Versicherter kann ich nur jedem empfehlen, Finger weg von der PKV.

    Die Bürgerversicherung ist einfach alternativlos.

  • „Nicht nur die Altersvorsorge ist für viele Selbstständige ein Riesenproblem.“

    Seit 1979 PKV versichert ,jetzt Rente früher selbstständig. Anfangstarif : Zweibettz., Chefarzt, ohne Selbstbeh., Zahnbeh. 100 %, Zahners. 80 %.

    Tarif 2021 (letzter Tarifwechsel in 2006) : allgemeine Krankenhausleistung, 100% Zahn, 50 % Zahnersatz, 1000,- Selbstbehalt. (Selbstbehalt ist lediglich eine verdeckte Prämie)

    Meine PKV Beitrag ist von 1979/1980 bis 2021 über alle Tarifwechsel hinweg um sagenhafte 535 % gestiegen, auf Basis Anfangsprämie 1979.

    Beitragssteigerung um 535 % obwohl ich 2006 einen Tarifwechsel auf einen enorm abgespeckten Tarif hatte, sonst wäre mein Beitrag heute einen gewaltigen Betrag höher und trotz 41 Jahre Altersrückstellungen.

    Hier ein Teilausschnitt meiner Prämienhistorie. 2006 letzter Tarifwechsel.
    1.1.08) + 29,97 %
    1.1.09) + 32,82%
    1.1.11) + 18,78%
    1.1.15) + 10%
    1.1.16) + 23,7%
    1.1.18) + 37,24%
    Zum 1.1.2021) + 23,73 %

    Meine PKV Prämie bezogen auf die Anfangsprämie 2006 ist um sagenhafte 373 % gestiegen.

    Wie hoch wird wohl mein PKV Beitrag sein, bis ich versterbe ?

    Die jährliche Rentenerhöhung gleicht die Prämienexplosion der PKV Prämie nicht aus, zusätzlich wird die Rente durch Inflation immer weniger Wert, hier ist ganz klar zu erkennen, dass zwangsläufig viele PKV Versicherte Rentner, je älter Sie werden, verarmen werden.

    Wir brauchen die Bürgerversicherung, hier wird die Prämie nach Einkommen berechnet, wer viel verdient zahlt viel, wer wenig verdient zahlt wenig. Das ist dann die einzig richtige Versicherungsform.

  • Jeder Selbständige hat die Möglichkeit vorzusorgen für den Ruhestand. Warum wieder der Ruf nach der staatlichen Regulierung? Versicherer haben natürlich ein Lebhaftes Interesse daran, weil sie davon natürlich profitieren. Bloß nicht!!!

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