Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Entwicklung der Renditen Das Vermögen der deutschen Sparer schrumpft – und selbst auf die Börse ist kein Verlass mehr

Die wenigen Zinsen sind nach Abzug der Inflation ohnehin negativ. Jetzt streikt auch noch die Börse – mit verheerenden Folgen für die reale Rendite der Sparer.
1 Kommentar
Viele Deutsche verlieren auf dem Konto derzeit real Geld. Quelle: EyeEm/Getty Images
Menschenmenge

Viele Deutsche verlieren auf dem Konto derzeit real Geld.

(Foto: EyeEm/Getty Images)

Frankfurt Die Bundesbank hat die ohnehin schon frustrierten Sparer aufgeschreckt: Erstmals seit sechs Jahren ist deren Vermögen im ersten Quartal real, also nach Abzug der Inflation, geschmolzen. Genauer gesagt: Erstmals gab es im Durchschnitt eine real negative Rendite.

Wer sein Geld auf die Bank gebracht oder deutsche Staatspapiere gekauft hat, kämpft schon seit Längerem gegen den Schwund. Die Zinsen, sofern es sie noch gibt, liegen unter der Inflation. Lange Zeit haben Aktien durch ihre Kursgewinne die durchschnittliche Rendite noch oberhalb der Null gehalten. Aber seit vergangenem Herbst schwächelt der Deutsche Aktienindex (Dax).

Die Aussichten für Anleger sind daher alles andere als rosig. Zwar will die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen erhöhen. Aber das erste Mal geschieht das voraussichtlich in rund einem Jahr. Außerdem werden steigende Zinsen zunächst die Kurse von Anleihen drücken und damit auch die Renditen, bis sie sich in der ganzen Breite positiv auswirken.

Auf die Börse ist auch kein Verlass mehr, sie ist einfach zu hoch bewertet. Zwischen Anfang 2009 und Ende 2017 erzielte der Dax noch eine durchschnittliche jährliche Rendite von 17,8 Prozent. „In den kommenden Jahren dürften Aktien weniger abwerfen“, warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Ein genauerer Blick auf die Daten der vergangenen Monate ist aufschlussreich. Bei der Berechnung der Renditen hat sich die Bundesbank an der Struktur des tatsächlichen Geldvermögens in Deutschland orientiert. Mehr als 40 Prozent der privaten Vermögen liegen in Bankeinlagen und Bargeld. Ansprüche gegen Versicherungen machen über 30 Prozent aus, Aktien und Investmentfondsanteile hingegen nur einen geringen Anteil (siehe Grafik).

Grafik

Berücksichtigt man diese Gewichtung und die Renditen der Anlageformen, ergab sich für Januar bis März abzüglich der Teuerung ein Minus von 0,8 Prozent. Denn erstens gab es, anders als in den vergangenen Jahren, bei Aktien Kursverluste.

Zweitens lag die Inflation etwas höher und überstieg so die geringe nominale Portfoliorendite. Die langfristigen Daten der Bundesbank zeigen aber, dass es auch in der Vergangenheit schon negative Renditen gab. Aktien- und Investmentfondsanteile zeigen einen ähnlichen Renditeverlauf, das liegt an dem Gewicht der Aktienfonds. Bankeinlagen und Versicherungsansprüche verhalten sich ebenfalls ähnlich. Denn Versicherer legen das Geld der Kunden vor allem in Zinspapieren an.

Weniger Renditen aus Versicherungsansprüchen

Die reale Rendite auf Bankeinlagen schwankt nicht sehr stark. Seit den Neunzigerjahren lag sie meist unter einem Prozent und war auch früher manchmal negativ, allerdings nur kurzzeitig. Seit die EZB die Zinsen auf Rekordtiefs gesenkt hat, sind die realen Renditen hier aber schon über längere Zeit negativ.

Auch bei den Renditen aus Versicherungsansprüchen gibt es einen klaren Abwärtstrend. Hierbei geht es vor allem um Lebens- und private Rentenversicherungen. Ein beträchtlicher Teil dieses Geldes ist in Staatsanleihen und Pfandbriefen angelegt und über einen langen Zeitraum gebunden. Das Niedrigzinsumfeld hat sich daher dort erst mit Verzögerung bemerkbar gemacht. Zuletzt ist die Rendite dort deutlich gesunken, weil ältere, höher verzinste Papiere ausgelaufen sind.

Deutlich besser, aber auch schwankungsanfälliger sind die Renditen aus Aktien- und Investmentanteilen. Sie haben in den vergangenen Jahren entscheidend dazu beigetragen, dass die reale Gesamtrendite der Haushalte positiv war.

Eine wichtige Frage ist, inwieweit sich die Rendite und Struktur des Vermögens ändern, wenn die EZB die Zinsen anhebt. Die Notenbank hat signalisiert, dass sie im nächsten Jahr damit beginnen könnte. Naheliegend wäre, dass Sparer dann Sichteinlagen wegen der höheren Rendite wieder stärker in Festgeld umschichten.

Die Rendite auf Bankeinlagen dürfte aber wegen der höheren Inflation sehr niedrig oder sogar negativ bleiben. Auch bei den Renditen aus Versicherungsansprüchen wird sich zunächst wenig ändern, glaubt Berenberg-Ökonom Carsten Hesse. Die Leitzinsen werden sich nur langsam nach oben bewegen. „Daher wird es vermutlich länger dauern, bis sich das wirksam positiv auf Versicherungsansprüche auswirkt“, sagt er.

Anleger stecken daher noch längere Zeit in einer schwierigen Situation. Sie müssen entweder akzeptieren, dass ihr Vermögen an Schwindsucht leidet. Oder aber mutig auf Aktien setzen – mit nur mäßigen Chancen auf Kursgewinne.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Entwicklung der Renditen - Das Vermögen der deutschen Sparer schrumpft – und selbst auf die Börse ist kein Verlass mehr

1 Kommentar zu "Entwicklung der Renditen: Das Vermögen der deutschen Sparer schrumpft – und selbst auf die Börse ist kein Verlass mehr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo Herr Mallien,
    von Fachjournalisten erwartet der Leser einer renommierten Wirtschaftszeitung differenzierte Darstellungen und Formulierungen. Bereits in der Überschrift hat die Aussage "...selbst auf die Börse ist kein Verlass mehr" nicht zu suchen. Börsen spiegeln die momentane Nachfrage nach Wertpapieren wider, nicht jedoch die Substanzwert- und Gewinnentwicklung der Aktienunternehmen. Da Sie mit "Börsen" den Aktienmarkt meinen, ist es schade, wenn Sie mit dieser Formulierung eben genau die Angst vor der LANGFRISTIGEN Investition vieler Leser in den Aktienmarkt schüren, den Sie im Artikel beklagen. Auf die (Aktien)börse war immer Verlass und wird auch in der Zukunft Verlass sein, so lange es Marktwirtschaft mit Börsen gibt. Wie in der Vergangenheit auch: zukünftig muss der Substanzwert langfristig in Richtung Norden zeigen, wenn auch mit den - von einem mit ausreichend Basiswissen ausgestattetem Anleger=Miteigentümer an Produktionsmitteln als Aktionär oder Aktienfondskäufer - zu vernachlässigenden Kursbewegungen. Interessant bleiben nur die zwei Regeln: 1. ausschließlich Geld in den Aktienmarkt investieren, was nicht kurz- und mittelfristig benötigt wird (grobe Liquiditätsplanung reicht aus) und 2. Ausstieg je nach sich abzeichnendem Liquiditätsbedarf Zug um Zug aus dem Aktienmarkt nur, wenn die Aktienkurse zu den Kaufkursen nicht im Minus stehen, besser noch, wenn sie ordentlich im Gewinn stehen.
    Nicht korrekt ist die Vermischung: "...schwankungsanfälliger sind die Renditen aus Aktien- und Investmentanteilen." Es sollte korrekt heißen: "Aktien und Aktienfondsanteile. Geldmarkt- und offene Immobilienfonds schwanken in der Regel nicht, Rentenfonds je nach Zinsniveaubewegung, Restdauer und Bonität der Fondsanleihen.
    Weiter: Allein die Dividenden der DAX-AGs konnten die Inflation in Schach halten, auch wenn die Kurse stagnierten.
    Fast naiv scheint Ihre Aussage: die Börse "...ist einfach zu hoch bewertet." Welche? Anleihen ja, Aktien - doch nicht jeder Markt!

Serviceangebote