Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Paar beim Wandern

Nicht erst, wenn aus unverheirateten Paaren Eltern werden, machen vertragliche Vereinbarungen viel Sinn.

(Foto: Imago)

Gemeinsames Vermögen Wie sich Paare auch ohne Trauschein finanziell absichern können

Die Ehe ist automatisch mit einigen finanziellen Rechten und Pflichten verbunden. Wollen sich Partner absichern, müssen sie Verträge schließen.
Kommentieren

FrankfurtAm Anfang einer Beziehung schon an die Folgen einer Trennung denken? Das ist für viele Paare ein Tabu. Es gilt als unromantisch und pessimistisch. Doch spätestens, wenn die Partner gemeinsam größere Anschaffungen machen oder ein Kind dazukommt, sind ein paar Vereinbarungen sinnvoll.

Das gilt besonders für unverheiratete Paare: Denn während mit einer Ehe vieles automatisch geregelt wird, ist eine bloße Lebensgemeinschaft juristisch gesehen eine ziemlich inoffizielle Angelegenheit. In der Gesellschaft hat die Ehe stark an Bedeutung verloren. Wurden 1950 noch elf Ehen pro 1000 Einwohner geschlossen, waren es 2017 knapp fünf.

Einen kleinen Aufschwung könnte es durch die Ehe für alle geben, denn seit anderthalb Jahren dürfen in Deutschland auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Die Ehe für alle ersetzt das Konstrukt der eingetragenen Lebenspartnerschaft. Im Gesetz genießt die Ehe noch immer eine Sonderstellung.

Welche Vorteile sie gegenüber einer bloßen Lebensgemeinschaft hat, was Unverheiratete vertraglich regeln sollten und wann trotz Trauschein zusätzliche Vereinbarungen sinnvoll sind, zeigt folgende Übersicht.

Gemeinsame Mietwohnung

Das Zusammenziehen ist für viele Paare eine wichtige Bewährungsprobe. Nicht selten zieht ein Partner einfach in die Wohnung des anderen mit ein. Geht die Beziehung wieder auseinander, hat der Zugezogene keinerlei Rechte an der Wohnung. „Um das zu ändern, müssten beide den Mietvertrag unterschreiben“, sagt Jörn Hauß, Fachanwalt für Familienrecht aus Duisburg.

Vor dem Hintergrund steigender Mieten birgt ein neuer Vertrag aber eine Gefahr: Der Vermieter könnte das zum Anlass für eine Mieterhöhung nehmen. Ist ein Paar verheiratet, spielt es im Falle einer Scheidung keine Rolle, wer den Mietvertrag unterzeichnet hat. „Die gemeinsame Wohnung gilt als Familienwohnung. Wenn sich das Paar nicht einigt, spricht ein Richter demjenigen die Wohnung zu, der sie objektiv betrachtet dringender braucht“, so der Anwalt.

Gemeinsames Vermögen

Dein Sofa, mein Fernseher, deine Waschmaschine, mein Esstisch – wer mit seinem Partner zusammenzieht, sollte eine Inventur machen. Nach vielen Jahren Beziehung weiß am Ende häufig keiner mehr, wer was mitgebracht oder bezahlt hat. Eine Liste, auf der größere Anschaffungen regelmäßig ergänzt werden, kann im Falle einer Trennung Streit vermeiden.

Die Partner sollten eintragen, wer was bezahlt hat und in wessen Eigentum der Gegenstand im Fall einer Trennung übergehen soll. Damit das Ganze später rechtsgültig ist, müssen beide unterschreiben. Auch für Verheiratete ist eine Vermögensaufstellung zu Beginn der Ehe wichtig. „Sie sollten darin auch festhalten, wie viel Vermögen sie auf ihren Konten haben“, rät Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht aus Berlin. Banken müssen Kontoauszüge nur zehn Jahre aufbewahren, danach wird es schwierig, Behauptungen zu beweisen.

Unabdingbar werden vertragliche Regelungen, wenn ein unverheiratetes Paar eine Immobilie kauft. „Häufig tragen die Partner unterschiedlich viel zur Tilgung bei, das sollte man dokumentieren“, rät Undine Krebs, Fachanwältin für Familienrecht aus München. Auch wenn die Immobilie dem einen Partner gehört und der andere sich an Renovierungskosten beteiligt, sollte das festgehalten werden.

„Die eleganteste Lösung wäre ein Darlehensvertrag“, sagt Hauß. Ein Partner könnte dem anderen ein Darlehen für eine Renovierung geben und die Rückzahlung an die Dauer des Zusammenlebens knüpfen. Das könnte dann so lauten: Partner A gibt Partner B ein Darlehen über 5000 Euro, und für jedes Jahr, in dem sie zusammenleben, muss B 500 Euro weniger zurückzahlen.

Für verheiratete Paare, die in einer Zugewinngemeinschaft leben, ist eine solche Regelung weniger wichtig. „Im Falle einer Scheidung können viele Ungerechtigkeiten über den Zugewinnausgleich ausgeglichen werden“, sagt Hauß. Die Zugewinngemeinschaft ist die gesetzliche Standardlösung. Sie gilt, wenn Eheleute nichts anderes vereinbart haben.

Dabei wird aufgelistet, was sie mit in die Ehe gebracht haben und was hinzugekommen ist. Ein Beispiel: Der Mann hat nichts in die Ehe eingebracht und zwischendurch keine Einkünfte beigesteuert. Das Vermögen der Frau dagegen hat sich von 100.000 auf 200.000 Euro erhöht. Dann müsste sie ihm die Hälfte des Betrags zahlen, der während der Ehe hinzugewonnen wurde, hier also 50.000 Euro. Außen vor bleiben Schenkungen und Erbschaften. Wichtig für Unternehmer und Selbstständige: Ohne spezielle Regelung müssen auch die Unternehmenszuwächse geteilt werden.

Anders bei der Gütertrennung, da gibt es am Ende der Ehe keinen Ausgleich. Im Rechenbeispiel bedeutet das: Der Mann ginge mit null Euro aus der Ehe, die Frau mit 200.000 Euro. Individuelle Regelungen können in einem Ehevertrag vereinbart werden. „Das empfehle ich insbesondere Unternehmern und sehr vermögenden Mandanten“, sagt Becker.

In einem solchen Vertrag lässt sich vieles regeln – solange nicht ein Partner völlig übervorteilt wird. Um sich vor Schulden des Partners zu schützen, braucht es dagegen keinen Ehevertrag. Solange die Partner nicht gemeinsam einen Kredit aufnehmen oder füreinander bürgen, hat jeder seine eigene Kasse. Allerdings wirken sich Schulden bei der Berechnung des Zugewinnausgleichs aus.

Altersvorsorge

Bekommen Paare ein Kind, führt das selbst in modernen Beziehungen meist dazu, dass ein Partner beruflich kürzertritt und sich verstärkt um die Kinderbetreuung kümmert. Bei unverheirateten Paaren besteht bei einer Trennung kein gesetzlicher Ausgleichsanspruch. Doch die Partner können vertragliche Vereinbarungen treffen.

Zum Beispiel nach folgendem Muster: Für jedes Jahr, in dem sich Partner A schwerpunktmäßig um die Kindererziehung kümmert und selbst weniger als 10.000 Euro brutto verdient, erhält er von Partner B im Falle einer Trennung 5000 Euro. „Alternativ kann der vermögendere Partner für den anderen in eine private oder die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen“, sagt Hauß. Solche Zuwendungen könnten vom Finanzamt aber als Schenkung gewertet werden und müssten dann unter Umständen versteuert werden.

Wird eine Ehe geschieden, können Kinderbetreuungsphasen über den Zugewinnausgleich kompensiert werden. Wenn die Partner unterschiedlich viel Anwartschaften bei der Rentenversicherung erworben haben, wird das über den Versorgungsausgleich reguliert. „Das geschieht unabhängig vom Güterstand der Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung“, sagt Anwältin Becker.

„Auch in einem Ehevertrag darf eine solche Aufteilung nur dann ausgeschlossen werden, wenn dies mit anderen Zahlungen kompensiert wird.“ Bei Unverheirateten dagegen ist ein solcher Ausgleich nicht möglich. Bei Ehepaaren gilt zudem: „Hat ein Partner wegen der Kindererziehung den Arbeitsplatz aufgegeben oder geändert und dadurch dauerhafte Nachteile erlitten, muss der geschiedene Ehegatte ihm gegebenenfalls die daraus entstandenen finanziellen Nachteile kompensieren“, sagt Krebs.

Zusätzlich kann der geschiedene Ehepartner unter Umständen auch Unterhalt erhalten, wenn er keine Kinder betreut hat. Dagegen haben unverheiratete Paare nach der Trennung keine Unterhaltsansprüche – es sei denn, einer betreut das gemeinsame Kind, dann kann ein Anspruch auf Betreuungsunterhalt bestehen.

Sorgerecht

Auch für das Sorgerecht spielt es eine Rolle, ob die Eltern verheiratet sind. Bei unverheirateten Paaren muss der Vater die Vaterschaft explizit anerkennen, und die Eltern müssen erklären, dass sie das Sorgerecht gemeinsam ausüben wollen. Das kann schon vor der Geburt des Kindes beim Standes- und Jugendamt erledigt werden.

Geschenke

Bei kleineren Präsenten gilt unabhängig vom Trauschein: Geschenkt ist geschenkt. „Etwas anderes kann zum Beispiel gelten, wenn ein Partner eine halbe Immobilie auf den anderen überträgt“, sagt Anwältin Krebs. Zerbricht die Beziehung dann nach relativ kurzer Zeit, könne das Geld oder ein Teil davon zurückgefordert werden, weil sich die „Geschäftsgrundlage“ für die Schenkung geändert hat.

So hatte kürzlich auch der Bundesgerichtshof (BGH) in Bezug auf eine Schenkung argumentiert. In dem Fall war eine Beziehung kurze Zeit nach einer Schenkung der Eltern eines der Beteiligten zerbrochen. „Ob der BGH die gleiche Argumentation auch zehn Jahre nach der Schenkung noch zulässt, ist ungewiss“, sagt Krebs. „Auf Nummer sicher gehen Paare mit einer vertraglichen Vereinbarung.“

Erbschaft

Unverheiratete Paare werden im Erbrecht wie Fremde behandelt. Per Testament kann der Partner aber als Erbe eingesetzt werden. Eine steuerliche Begünstigung lässt sich allerdings nur über die Ehe erreichen. Geschenke zwischen Ehepartnern sind bis zu einem Wert von 500.000 Euro steuerfrei. Auch bei Verlobungsgeschenken fällt in der Regel keine Schenkungsteuer an. Es handelt sich um eine „Schenkung mit aufschiebender Bedingung“.

Sie wird erst wirksam, wenn die Ehe geschlossen wurde – und dann greift der Freibetrag. Kommt es doch nicht zur Hochzeit, fallen bei Geschenken mit einem Wert von mehr als 20 000 Euro Steuern an. Der Beschenkte muss das Präsent dann zurückgeben oder Steuern zahlen. Die gleichen Freibeträge gelten bei einer Erbschaft.

Mehr: Wer Kinder hat, hat auch recht hohe Ausgaben. Doch häufig gibt es auch Unterstützung vom Finanzamt. So helfen Kinder beim Steuersparen.

Startseite

Mehr zu: Gemeinsames Vermögen - Wie sich Paare auch ohne Trauschein finanziell absichern können

0 Kommentare zu "Gemeinsames Vermögen: Wie sich Paare auch ohne Trauschein finanziell absichern können"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote