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Gesetzliche Rente Studie: Frauen erhalten im Schnitt ein Viertel weniger Rente

Frauen schränken oftmals ihre Erwerbstätigkeit ein, wenn sie eine Familie gründen. Das wirkt sich auf ihren gesetzlichen Rentenanspruch aus.
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Viele Frauen treten für die Kindererziehung im Beruf kürzer und erwerben somit weniger Ansprüche auf die gesetzliche Leistung. Quelle: Unsplash
Junge Mutter

Viele Frauen treten für die Kindererziehung im Beruf kürzer und erwerben somit weniger Ansprüche auf die gesetzliche Leistung.

(Foto: Unsplash)

Frankfurt Neue Zahlen für eine bekannte Erkenntnis: 26 Prozent weniger gesetzliche Rente bekommen Frauen im Vergleich zu Männern in Deutschland. Bis zum Alter von 35 Jahren unterscheiden sich die Rentenansprüche zwar nicht besonders, doch danach öffnet sich eine Schere: Nach heutiger Berechnung hätte eine Frau, die mit 67 Jahren in Rente geht, im Durchschnitt monatlich 140 Euro weniger gesetzliche Bruttorente als ein Mann.

Das ergibt eine Studie der Universitäten Mannheim und Tilburg, Niederlande, im Auftrag des Fondshauses Fidelity International. Die Studie basiert auf repräsentativen Daten von 1,8 Millionen Arbeitnehmern des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für die Jahre von 1993 bis 2014 und ist demnach die umfangreichste Analyse dieser Art. Um diese Lücke zu schließen, müsste eine heute 40-jährige Frau nach Aussage der Studienautoren gut zwei Prozent ihres Bruttojahresgehalts sparen.

Verantwortlich für die Lücke bei den Ansprüchen an die gesetzliche Rente ist die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern, wie Alexandra Niessen-Ruenzi, Betriebswirtschaftsprofessorin an der Universität Mannheim, sagt. Die Einkommenslücke beträgt in Deutschland nach Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2018 im Mittel 21 Prozent über alle Berufsgruppen hinweg. Bei exakt gleichen Jobs bekämen Frauen sechs Prozent weniger Gehalt. Dies schlägt sich bei Arbeitnehmern in geringeren Rentenansprüchen nieder.

Die Rentenschere öffnet sich der Untersuchung zufolge ab dem Alter von 35 Jahren und klafft bis zum Alter von 55 Jahren immer weiter auseinander. So haben Frauen zwischen 36 und 45 Jahren rund 15 Prozent geringere Rentenansprüche als Männer. Bei 46- bis 55-Jährigen beträgt die Lücke dann sogar 27 Prozent, danach 25 Prozent. Zwischen einzelnen Berufsgruppen unterscheidet sich die Lücke etwas, sie existiert aber überall.

„Der springende Punkt ist, ob eine Frau Kinder hat oder nicht“, wie Niessen-Ruenzi feststellt. „Frauen schränken ihre Erwerbstätigkeit ein, wenn sie eine Familie gründen.“ Sie arbeiteten dann häufiger Teilzeit, würden von ihrem Arbeitgeber weniger gefördert und seien zudem in Gehaltsverhandlungen weniger erfolgreich als Männer. Das Gehalt von Müttern erreicht dann auch später nie mehr das Niveau kinderloser Frauen – in der Literatur gibt es dafür den Begriff „Motherhood-Penalty“ (Bestrafung der Mutterschaft).

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Um diese Lücke zu schließen, müssten Frauen im Schnitt im Monat einige Prozent ihres Bruttogehalts sparen: Unter Annahme einer Inflation von 1,5 Prozent im Jahr und einer erwarteten Rendite des angelegten Geldes von drei beziehungsweise fünf Prozent jährlich müsste eine 50-Jährige 124 Euro oder 105 Euro sparen. Eine 30-Jährige käme im Monat mit 55 und 36 Euro aus, da sie mehr Zeit hat zu sparen und sich die wiederangelegte Rendite aus dem Ersparten mitverzinst.

Damit dürfte das finanzielle Auskommen im Alter allerdings meist noch nicht gesichert sein, sagt Niessen-Ruenzi. Die gesetzliche Rente deckt im Durchschnitt nur noch knapp die Hälfte des letzten Gehalts vor Steuern ab. Viele müssen also auf Betriebsrenten und Ersparnisse zurückgreifen. Und auch hier verweist Niessen-Ruenzi auf Studien, wonach Frauen um fast zwei Drittel geringere Ansprüche an betriebliche Vorsorge haben sowie mehr als ein Drittel weniger privates Alterskapital besitzen.

Die Wissenschaftlerin plädiert daher dafür, über eine stärkere finanzielle Förderung von Frauen zu diskutieren: etwa die Unterstützung ihrer Altersvorsorge oder eine Förderung von Kinderbetreuung und -erziehung statt etwa der Ehe durch das Ehegattensplitting. „Frauen müssen sich bewusst sein, dass sie solche finanziellen Unterschiede stärker kompensieren müssen als Männer“, sagt Claudia Barghoorn, Leiterin Privatkundengeschäft bei Fidelity.

Hilfreich wäre aus ihrer Sicht, wenn Frauen in der Finanzberatung besser erreicht würden. Wissenschaftlerin Niessen-Ruenzi zufolge müssten Finanzberater Frauen als Kundengruppe aber erst entdecken: Studien würden zeigen, dass sich viele Berater weniger intensiv um Frauen kümmern.

Mehr: Den Beratern der Deutschen Rentenversicherung fällt besonders die Rentenlücke zu wenig auf. „Ernüchternd“ nennt Stiftung Warentest die Qualität.

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