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Gesetzliche Rentenversicherung Zusätzlich in die Rentenkasse einzahlen lohnt sich für fast alle

Immer mehr Menschen nutzen die Möglichkeit, durch Zusatzbeiträge die Rente aufzubessern. Und noch viel mehr sollten es tun, sagen die Politiker.
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In Zeiten der Negativzinsen sind Zwangsbeiträge eine gute Kapitalanlage. Quelle: dpa
Rentenversicherung

In Zeiten der Negativzinsen sind Zwangsbeiträge eine gute Kapitalanlage.

(Foto: dpa)

BerlinEs war eine Premiere im deutschen Tarifvertragsgeschäft: Im Mai schloss die IG Metall für 40.000 Beschäftigte einen innovativen Tarifvertrag ab. Erstmals verpflichteten sich Arbeitgeber, für Beschäftigte ab 50 jeden Monat 50 Euro extra in die Rentenkasse zu zahlen. Das Geld soll dazu dienen, der Rentenversicherung die Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat abzukaufen, die bei vorzeitigem Rentenbeginn fällig werden.

IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger sieht den Abschluss als Signal gegen die Rente mit 67. Er ist aber vor allem ein Beleg für den Imagewandel der Rentenversicherung. Jahrzehnte galten deren Zwangsbeiträge eher als verlorene Zuschüsse zum Generationenvertrag.

Doch in Zeiten der Negativzinsen sind sie eine gute Kapitalanlage – nicht nur für Leute, die früher in Rente gehen wollen. Denn die Nachzahlungsmöglichkeit ab 50 ist so gestrickt, dass die zusätzlichen Beiträge als Zusatzrente ausgezahlt werden, wenn der Einzahler regulär in Rente geht. Ähnliche Nachzahlungen sind Arbeitnehmern auch bis zum 45. Lebensjahr für Zeiten der Ausbildung möglich.

Ein Beispiel: Wer bei 40 Prozent Grenzsteuersatz für drei Ausbildungsjahre über drei Jahre verteilt den Höchstbeitrag einzahlt (insgesamt 43.524 Euro), den kostet das netto nur 28.200 Euro. Die spätere Zusatzrente mit 67 beträgt 197,90, bei Privatversicherten 212,30 Euro. Nach 15,4 bzw. 18,6 Jahren übertrifft die Auszahlung die eingezahlten Beiträge.

Zum Vergleich: Frauen haben mit 67 noch eine weitere Lebenserwartung von 22, Männer von 19 Jahren. Beim Abkauf der Abschläge lohnt es sich, den Arbeitgeber mit ins Boot zu holen. Denn das Geld, das er zuschießt, bleibt als Abfindungszahlung steuerfrei.

Seit 2017 können auch Rentner, die weiterarbeiten, durch Beiträge ihre Rente erhöhen. Wer eine Frührente erhält, kann bis zur regulären Altersgrenze freiwillige Beiträge zwischen dem Mindestbeitrag von 83,70 Euro und dem Höchstbeitrag von 1209 Euro einzahlen. Auch Beamte, Freiberufler, Selbstständige und Hausfrauen können so einen Rentenanspruch erwerben.

Interessant ist das vor allem, so der Versicherungsmathematiker Werner Siepe, weil der Rentenbeitrag mit 18,6 Prozent auf einem historischen Tief ist und noch bis 2024 bleiben wird. Die im Vergleich etwa zur privaten Rürup-Rente überlegene Rendite entsteht auch durch die Rentenerhöhungen.

Einzahlungen lohnen sich derzeit besonders

Seit 1957 ist die Rente real um 1,8 Prozent pro Jahr gestiegen. Bis 2022 stellt die Regierung jährlich 2,8 Prozent mehr Rente in Aussicht, allerdings nominal, also ohne Abzug der Inflation. Selbst wenn es langfristig nur ein Prozent Anpassung pro Jahr wären, würde es sich noch lohnen, meint Siepe.

Dies gilt ganz besonders für privat Krankenversicherte. Denn sie erhalten von der Rentenversicherung zusätzlich einen Zuschuss von 7,3 Prozent zu ihrer Krankenversicherung. Und der Staat hilft mit: Einzahlungen sind in der Regel bis zu 23.712 Euro im Jahr als Vorsorgeaufwendungen von der Steuer befreit.

Selbst die Präsidentin der Rentenversicherung, Gundula Roßbach, weist in Interviews darauf hin, dass sich Einzahlungen in die Rentenkasse derzeit besonders lohnen. Und immer mehr hören auf sie: So machten 2014 gerade einmal 967 Versicherte von der Möglichkeit Gebrauch, der Rentenversicherung die Abschläge abzukaufen. 2015 waren es 1499 und 2016 bereits 4479.

Das Beitragsvolumen stieg von 23 Millionen Euro 2014 auf 86 Millionen Euro 2016. Für 2017 ist die Zahl der Einzahler noch nicht ermittelt, aber die Summe der eingezahlten Beiträge. Sie stieg auf 207 Millionen Euro – neunmal so viel wie 2014.

Die Politik ist sich einig. „In Anbetracht der Negativzinsen sind Zusatzzahlungen in die Rentenversicherung eine gute Option, bei einer Durchschnittsrendite von drei Prozent“, sagt Peter Weiß, Rentenexperte der CDU. Die Linke lobt die IG Metall: „Der geniale Tarifvertrag aus Niedersachsen ist DIE Alternative zur gescheiterten Riester-Rente und erst recht zu den Hirngespinsten aus dem Betriebsrentenstärkungsgesetz“ so Rentenexperte Matthias Birkwald.

Zusatzbeiträge stoßen auch auf Kritik

„Die Arbeitgeber sollten in Zukunft generell mit zusätzlichen Zahlungen in die Rentenkasse die Altersversorgung ihrer Beschäftigten aufbessern.“ So weit würde die SPD nicht gehen. „Ich sehe es vor allem als Vertrauensbeweis für die Rentenversicherung“, sagt SPD-Rentenexperte Ralf Kapschack.

Die Grünen wollen es dabei nicht belassen. „Freiwillige Beiträge in die Rentenversicherung sind in jedem Fall die bessere Alternative zu vergleichbar risikoarmen, aber eben auch renditeschwachen Kapitalanlagen. Deshalb wäre es sinnvoll und notwendig, freiwillige Rentenzahlungen zusätzlich zu den Pflichtbeiträgen nicht erst ab dem 50. Lebensjahr, sondern jederzeit zuzulassen. Dies wird auch wechselhaften Berufsbiografien, die immer häufiger werden, gerecht“, fordert der Rentenexperte der Grünen Markus Kurth.

In Österreich gibt es diese „Höherversicherung“ genannte Möglichkeit. In Deutschland wurde sie 1997 abgeschafft. Die Begründung: Es widerspreche dem Geist der Sozialversicherung, Einzelnen die Möglichkeit zu geben, per Zusatzbeitrag höhere Rentenansprüche zulasten zukünftiger Beitragszahler zu erwerben. Ein Einwand, der auch gegen den aktuellen Einzahlungsboom erhoben wird.

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1 Kommentar zu "Gesetzliche Rentenversicherung: Zusätzlich in die Rentenkasse einzahlen lohnt sich für fast alle"

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  • Ich wage zu bezweifeln dass die Brutto/Netto Rechnung stimmt - die Vorsorgeaufwendungen sind i.A. schon mit den Krankenkassenbeiträgen abgefrühstückt - die Einzahlungen in die Rentenkasse werden damit komplett aus versteuertem Geld geleistet. DAS ist das eigentliche Problem - die Mehrfachbesteuerung der Renten. Vorsorgeaufwendungen müssen komplett von der Steuer befreit werden!

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