Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Institutionelle Anleger Pensionskassen sind in der Japan-Falle

Pensionskassen verringern wegen der Niedrigzinsen ihre Staatsanleihequote und erhöhen stattdessen die Aktienquote. Doch die Strategie ist riskant.
Kommentieren
Wegen der anhaltenden, niedrigen Zinsen sind die Zeiten für klassische Sparer eher schlecht. Quelle: Imago
Sparkassenangestellte zahlt einem Kunden Geld aus

Wegen der anhaltenden, niedrigen Zinsen sind die Zeiten für klassische Sparer eher schlecht.

(Foto: Imago)

DüsseldorfDie Japanisierung der Bundesanleihe ist komplett: Erstmals seit Jahrzehnten sind die Renditen für deutsche Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg niedriger als die japanischer Staatsanleihen. Darauf hat der Vermögensverwalter Flossbach von Storch am Donnerstag in einer Mitteilung hingewiesen.

Welche Folgen die anhaltende Zinsflaute hat, lässt sich ebenfalls in Japan beobachten. Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des Fondshauses Quant Capital, sagt daher: „Die Parallelen zwischen den Situationen in Japan und in Europa bergen für institutionelle Investoren wichtige Erkenntnisse.“

Mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,2 Billionen Euro ist der japanische Government Pension Investment Fund (GPIF) einer der größten Pensionsfonds der Welt. Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen in Japan seit 2012 hat der Fonds seine Staatsanleihequote von rund 60 Prozent auf 35 Prozent reduziert und die Aktienquote von 24 auf 50 Prozent erhöht.

Doch die Strategie ist riskant: Im vierten Quartal 2018 brach der GPIF, der die Pensionen von Millionen Japanern verwaltet, um über neun Prozent ein. „Auch europäische Institutionen müssen sich langsam mit dem Gedanken anfreunden, dauerhafter in einem Regime extrem niedriger Zinsen zu investieren“, sagt Mlinaric. Doch er mahnt: „An der ‚japanischen Krankheit‘ sollte keine Rente zugrunde gehen.“

Die Lage wird immer schwieriger, bestätigt auch Andreas Kopfmüller, der bei der Unternehmensberatung Mercer die Beratung regulierter Pensionskassen leitet: „Der Anlagenotstand für viele Pensionseinrichtungen spitzt sich mit der anhaltenden Niedrigzinsphase weiter zu.“ Aktuell halten etwa Pensionskassen, die für Firmen Betriebsrenten verwalten, noch die Hälfte ihres Vermögens in Anleihen.

Davon würden in jedem Jahr rund fünf bis zehn Prozent fällig, so Kopfmüller. Und „seit zwei Jahren legen diese Pensionseinrichtungen neues Kapital nahezu nicht mehr in deutsche Anleihen an“, ergänzt er. Der Grund: Es gibt zu wenig Rendite.

So brächten zuvor beliebte Schuldverschreibungen von Banken oder Schuldscheindarlehen guter Bonität gerade mal einen Renditeaufschlag von 0,5 bis gut ein Prozentpunkt gegenüber Bundesanleihen. Damit erreichen sie nicht ihre benötigten drei bis vier Prozent Ertrag nach Kosten im Jahr. Allerdings haben die Pensionskassen ihren Kunden vergleichsweise hohe Auszahlungen versprochen.

Viele Manager steuern daher um und setzen stärker auf Immobilien und alternative Anlagen wie Infrastruktur und Beteiligungsfonds, um noch laufende Rendite von rund vier Prozent zu erreichen. Für viele Pensionskassen oder andere Versorgungswerke sei das der einzige Ausweg, sagt Kopfmüller.

Bisher halten sie seiner Einschätzung nach rund zehn bis 15 Prozent Immobilien und fünf bis zehn Prozent in alternativen Investmentprodukten. Dazu zählen Infrastruktur-, Private-Equity- oder Private-Debt-Beteiligungen. Hinzu kommt: Durch die immer niedrigeren Zinskupons fällt es den Verwaltern schwerer, genügend Bareinnahmen zu generieren, mit denen laufende Renten ausgezahlt werden können.

Die Probleme der Pensionskassen rufen zunehmend auch die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan. Der zuständige Bafin-Exekutivdirektor Frank Grund hatte deshalb 2018 Alarm geschlagen. Das hat Wirkung gezeigt. Viele Unternehmen, die ihre Betriebsrenten an externe Pensionskassen ausgelagert haben, hätten diese inzwischen durch Finanzspritzen oder belastbare Verpflichtungserklärungen gestützt, sagte Grund. Die Zahl der Pensionskassen, deren finanzielle Situation so verwundbar ist, dass sie unter intensivierter Aufsicht der Bafin stehen, sei deshalb im vergangenen Jahr von 45 auf 31 zurückgegangen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Institutionelle Anleger - Pensionskassen sind in der Japan-Falle

0 Kommentare zu "Institutionelle Anleger: Pensionskassen sind in der Japan-Falle"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.