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Interview Kurt von Storch „Vielleicht ist der Nullzins ein Segen für Anleger“

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Den Umgang mit Geld lernen Kinder am besten spielerisch
Wie die Deutschen sparen
Sparen
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Jedes Volk hat seine Tugend. Den Deutschen wird bekanntlich der Hang zum Sparen nachgesagt. Statistiken belegen dies, ist doch die Sparquote hier zu Lande zuletzt leicht gestiegen auf 9,7 Prozent – fast jeden Zehnten Euro, den die Deutschen verdienen, legen sie also auf die hohe Kante. Dennoch gibt es enorme Unterschiede, was die Einstellung der Deutschen zum regelmäßigen Sparen angeht. Das haben die Hamburger Marktforscher des Institutes Elbe 19 im Auftrag der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment herausgefunden. Je nach Bundesland, legen mal mehr, mal weniger Menschen ihr Geld zurück – zum Teil aus überraschenden Gründen.

(Foto: dpa)
Platz 14: Berlin
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„Am Ende des Geldes ist einfach immer zu viel Monat übrig“ – das scheint das Motto der Berliner zu sein. Hier leben viele Sparmuffel und Sparbuchmuffel. Die Hauptstadt vereint nicht nur mit 39,6 Prozent der Bewohner die wenigsten regelmäßigen Sparer auf sich, sondern mit gut 15 Prozent die meisten Menschen, die gar nicht sparen. Kein Wunder, dass auch das Sparbuch hier deutschlandweit am wenigsten angesagt ist.

(Foto: dpa)
Platz 13: Hamburg
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Über 866 Millionen Euro hat die Hamburger Elbphilharmonie gekostet. Auch die Bürger sind mit ihrem Geld nicht knauserig. Besonders Konsum und Reisen haben es den Hamburgern angetan, glaubt man der Umfrage. 40 Prozent der Hanseaten gibt an, gern Geld auszugeben. Dazu passt der vorletzte Rang beim regelmäßigen Sparen: Gut 44 Prozent sagen, dass sie monatlich Geld zurücklegen.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)
Platz 12: Mecklenburg-Vorpommern
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Jeder Zehnte im Mecklenburg-Vorpommern sieht sich mit dem Sparen eher auf dem Kriegsfuß. Nur 44,7 Prozent der Bevölkerung sparen monatlich. Am Willen dazu kann es aber nicht liegen. Denn nur 7,3 Prozent der Mecklenburg-Vorpommern gaben an, gar nichts zurückzulegen – das ist bundesweit die niedrigste Quote. Doch insgesamt scheint es den Menschen hier an grundlegendem Wissen über modernes Sparen zu fehlen. 15,5 Prozent der Anleger äußerten sich als Spar-Anfänger, das ist der zweithöchste Wert in Deutschland.

(Foto: dapd)
Platz 11: Sachsen-Anhalt
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Zielstrebig kommen die Sachsen-Anhaltner daher: Als Motiv für das Sparen geben hier fast achtzig Prozent an, ihren Lebensstandrad sichern und verbessern zu wollen. Im Bundesdurchschnitt nennen knapp drei Viertel der Deutschen diesen Beweggrund. Jeden Monat Geld zurücklegen – das machen trotzdem nur knapp 50 Prozent.

(Foto: dpa)
Platz 10: Sachsen
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In Sachsen geht Kopf vor Herz. Gut 70 Prozent beschreiben hier ihre Beziehung zum Sparen als Zweckgemeinschaft, so sachlich sieht man das Thema nirgends sonst. 51,7 Prozent der Bevölkerung sparen hier jeden Monat.

(Foto: dpa)
Platz 9: Brandenburg
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Die Brandenburger halten sich zurück beim Geldausgeben: Immerhin rund 52 Prozent der Menschen spart regelmäßig. Für Konsum und Reisen etwa sitzt das Geld hier weniger locker als in anderen Gegenden des Landes. Nur ein Viertel gibt an, gern Geld auszugeben. Ein eigenes Heim ist den Brandenburgern offenbar kaum ein Sparmotiv: Nur gut zwölf Prozent der Befragten geben dies an, so wenige wie in keinem andere Bundesland.

(Foto: dpa)

Es gibt Experten, die sagen, das deutsche Anlegerverhalten sei ein Ergebnis mangelhafter Finanz- und Wirtschaftsbildung – haben die Recht?
Ich finde das Urteil hart und zudem pauschal. Fakt ist, dass das Thema Finanz- und Wirtschaftsbildung bisher keinen allzu hohen Stellenwert hat in Deutschland. Das ist zweifellos ein Problem. Für den Einzelnen, aber auch für die Volkswirtschaft als Ganzes. Einerseits.

Und …
Andererseits gab es aus Anlegersicht in den vergangenen Jahrzehnten keinen zwingenden Grund, sich mit Aktien auseinander setzen zu müssen. Wer sein Geld in Zinsanlagen, in Bundesanleihen, Sparbriefe oder Lebensversicherungen gesteckt hat, hat damit in der Vergangenheit recht gut verdient. Und das ohne Kursschwankungen aushalten zu müssen. Heute ist das anders. Wer sein Vermögen langfristig erhalten will, dem wird das Sparbuch oder sein Festgeldkonto nicht helfen.

Aber werden wir nicht zu „Zinssparern“ erzogen? Die meisten bekommen von ihren Eltern oder Großeltern ja eher ein Sparbuch als ein Aktiendepot…
Wie gesagt: Vielleicht kühlt der Nullzins die Liebe der Deutschen zu ihrem Sparbuch etwas ab…

Denken deutsche Anleger zu kurzfristig?
Ja und nein. Ich würde schon sagen, dass viele Anleger langfristig denken; sie besparen schließlich auch jahrzehntelang ihre Lebensversicherung. Das große Problem ist doch, dass viele Anleger Kursschwankungen als Risiko missverstehen. Das führt dazu, dass sie, sobald es an den Börsen etwas ruppiger zugeht, eilig ihre Aktien verkaufen, so sie denn welche haben. Aus Angst, sie könnten noch mehr verlieren. Das ist zweifellos zu kurz gedacht. Wer Vertrauen hat in die Qualität seiner Anlagen und Geduld, der muss Kursschwankungen nicht fürchten. Er kann warten – und sich über die Dividenden freuen.

Würde ein Schulfach Wirtschaft und Finanzen helfen?
Es wäre zumindest ein Anfang, ja. Was wir brauchen ist ein Umfeld, das wirtschaftliche Themen wertschätzt. Und wo derjenige, der sich für diese Themen interessiert, sich nicht dafür schämen muss.

Wie bringt man Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Geld am besten bei?
Am besten spielerisch. Kreativ. Es gibt so viele spannende Themen. Es wäre doch toll, wenn Kinder und Jugendliche eine Ahnung davon hätten, welche Versicherungen wirklich nötig sind. Oder wenn sie wüssten, dass ein Aktionär Miteigentümer eines Unternehmens ist, damit Mitspracherecht hat und an den Gewinnen beteiligt wird. Das ist eine zutiefst demokratische Angelegenheit.
Herr von Storch, danke für das Interview.

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6 Kommentare zu "Interview Kurt von Storch: „Vielleicht ist der Nullzins ein Segen für Anleger“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Jürgen Clasen 31.05.2017, 15:39 Uhr


    " Hören Sie nicht auf die Gurus die seit Jahren behaupten der Crash stehe unmittelbar bevor. Selbige haben den Markt auch schon bei 5000 Punkten abgeschrieben. Irgendwann werden sie dann recht bekommen"

    Klar doch es kann nur bergaufgehen...;-)

    Sie haben nicht verstanden, daß dieser von den Notenbanken ins Irrwitzige getriebene Markt mit Sicherheit kollabieren wird und zwar gründlich.

    Ob die jetzige Hausse noch ein, zwei, fünf, zehn Jahre andauert, ist irrelevant.

    Wer jetzt noch in Aktien investiert, wird viel Geld verlieren, denn die Luft nach oben ist sehr klein geworden, es sei denn, es wird noch mehr Fiat-Money in die Märkte gepumpt, was aber die Absturzchance und - größe nur noch vergrößert..

    Artikel wie der jetzige und andere hier im HBO sind aus meiner Sicht nur der verzweifelte Versuch, noch den allerletzten Kleinanleger dazu zu bringen, in die Aktienmärkte zu investieren, d.h. das System der steigenden Märkte funktioniert nicht mehr lange.



    Ich habe die meisten meiner Aktien bis auf eine kleinen Restbestand verkauft, genauso wie viele Freunde.

  • @G Nampf
    Der DAX Performance Index ist ein schlechtes Instrument den Markt zu beobachten. Hier werden die Dividenden der Einzelwerte subsummiert. Das kennt man bei Anleihen nicht. Aussagekräftiger ist der DAX Kursindex, ohne diese Verzerrung, der nur etwa halb so hoch notiert, wie der besagte DAX Performance Index. Hier sieht man übrigens sehr schön, das über den Index gesehen, gerade wieder die Höchststände von 2000 angegangen werden. Eine Baisse kann natürlich jederzeit eintreten, schließlich werden wir ja nicht über gravierende Ereignisse im voraus informiert. Fundamental ist der Markt nicht überbewertet, auch wenn gewisse Gurus. Im DAX, MDAX und SDAX findet man gute Werte mit guter Dividende und einem nachhaltigen Geschäftsmodell, die KGV unter 10 haben oder leichtdarüber liegen. Die Rentabilität gegenüber 10 jährigen Bundesanleihen ist überragend. 300 bis 400% höher. Der Crash kommt übrigens nicht, wenn es in den Massenblättern angekündigt wird. Sie lieber Anleger,
    sind wie immer, auf sich selbst gestellt. Sie allein entscheiden, ob und wie viel sie in eine Anlegeklasse stecken und wie viel Risiko sie dabei eingehen wollen. Hören Sie nicht auf die Gurus die seit Jahren behaupten der Crash stehe unmittelbar bevor. Selbige haben den Markt auch schon bei 5000 Punkten abgeschrieben. Irgendwann werden sie dann recht bekommen. Man muss es aber nicht erleben. Gegenwärtig wird tatsächlich mit Beton spekuliert. Ich weiß von Polizisten die inzwischen eine Maklernebentätigkeit ausüben. Das hatten wir auch in den USA, bevor die Immobilienblase hochging. Jede zweite Hausfrau in Kalifornien makelte dort um die Jahrtausendwende um sich durch das Leben zu schlagen. Machen Sie sich doch einfach ein schönes Leben, wenn Sie das Risiko scheuen. Geben Sie das Geld für sich und Ihre Angehörigen aus und bereiten damit sehr viel Freude. Das kann Ihnen keiner mehr nehmen. Denken Sie daran, schon zweimal ist das Geld verreckt....



    als das seit Jahren behaupten

  • Sehr geehrter Herr von Storch,

    fast alle Ihre Gedanken und Überlegungen teile ich. Auch mir ist die wirtschaftliche und finanzielle Bildung der Deutschen ein echtes Anliegen. An einer Stelle Ihres Interviews reibe ich mir jedoch verwundert die Augen. Dabei geht es um die Überlegung, die Nullzinspoliutik sei vielleicht ein Segen. Sie könnte die Deutschen veranlassen, ihre Zinsanlagen in Aktien umzuschichten.

    Aus meiner Sicht hat die Nullzinspolitik der EZB zu Blasen bei allen Anlageklassen geführt. Auf dem Rentenmarkt in unvorstellbarem Ausmaß. Auf den Immobilienmärkten registrieren wir ebenfalls eine starke Überteuerung. Und die Aktienkurse notieren zu historischen Höchstständen.

    Ist es wirklich Ihre Meinung, dass wir diese Blasen mit riesigen Beträgen weiter aufpumpen sollten?
    Soll auch das letzte Sparbuch- oder Festgeldguthaben in den DAX investiert werden? Wollen Sie den Index bei 50 000 Punkten sehen?

    Ich persönlich bin der Meinung, dass bislang noch alle Blasen geplatzt sind und dass der einzige Schutz vor Verlusten cash ist.

  • @ Jürgen Clasen 31.05.2017, 08:19 Uhr

    - " Anlass dazu, war meistens der Zeitungsfaktor, der immer zur Unzeit kommt und den Leuten weissmacht, das man mit Aktien leistungslos reich wird"

    Der "Zeitungsfaktor" ist hier im HBO schon lange sehr groß --> keine Aktien mehr kaufen.

    - "Investieren Sie in Aktien- bzw Mischfonds"

    Wenn die Aktienmärkte nach unten gehen, sind Aktienfonds genauso schlecht wie Aktien.

  • "Deswegen geht der Aufschwung an den Aktienmärkten auch an den meisten Anlegern in Deutschland vorbei, während die Inflation ihre niedrig verzinsten Spareinlagen langsam aber sicher entwertet. Die Deutschen werden im internationalen Vergleich ärmer, weil sie Angst haben vor Kursschwankungen."

    Nein. Die Deutschen wissen, daß die derzeitige Hausse nur deswegen stattfindet, weil die Notenbanken wie von Sinnen milliardenweise Geld aus dem Nichts per Tastendruck generieren und damit die Märkte (Aktien, Immobilien) befeuern.


    Die Party geht vielleicht noch ein paar Jahre so weiter , aber dann ist Schluß mit lustig. Wer jetzt noch Aktien/Immobilien kauft, wird dann sehr, sehr viel Geld verlieren.

    Lieber schleichend ein bißchen ärmer, als dann plötzlich richtig arm.

  • Unerfahrene Kleinanleger, die auf eigene Faust in Einzelwerte gegangen sind, haben sich in der Regel eine blutige Nase geholt. Anlass dazu, war meistens der Zeitungsfaktor, der immer zur Unzeit kommt und den Leuten weissmacht, das man mit Aktien leistungslos reich wird. Die Realität sah dann meistens so aus: 1929-33 Minus 90%. 2000 bis 2003 minus 70%. Daneben hatten wir die Asienkrise, Russlandkrise und den Crash von 1987. Mancheiner hat seine Einstandskurse lebenslang nicht wiedergesehen. Mein Tip. Versuchen Sie als Küken nicht schlauer zu sein als die Henne. Investieren Sie in Aktien- bzw Mischfonds. Suchen Sie nach den Besten, die nur wenig verloren haben in Baissezeiten. Sie müssen dabei nicht alles auf einmal einsetzen. Fangen Sie mit einer Beimischung an. Benutzen Sie dazu einen Sparplan. Befassen Sie sich mit Aktien, die eine gesetzlich festgelegte Garantiedividende zahlen, wegen eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrages. Sie sind in der Regel sehr Kursstabil. So können Sie bis zu 4% Dividendenrendite einfahren, sind an einem Unternehmen beteiligt und nicht auf die denkbaren leeren Versprechungen angewiesen, das Anleihen zurückgezahlt werden. Glück auf!

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