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Jahresbilanz Schwaches Börsenjahr: Privatanleger setzen immer seltener auf Fonds

Die deutschen Anleger halten sich wegen Börsenturbulenzen und Niedrigzinsen bei Fonds zurück. Das verwaltete Vermögen fällt unter 2,6 Billionen Euro.
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Die Börse Frankfurt. Anleger verlieren das Interesse an Investmentfonds. Quelle: dpa
Börse in Frankfurt

Die Börse Frankfurt. Anleger verlieren das Interesse an Investmentfonds.

(Foto: dpa)

FrankfurtAbhaken, vergessen: Das Börsenjahr 2018 mit seinen deutlichen Verlusten bei Aktien wird privaten Anlegern eher negativ in Erinnerung bleiben. Daher verwundert es nicht, dass sie angesichts der starken Kursschwankungen kaum neues Kapital in Investmentfonds am deutschen Markt gesteckt haben.

Unterm Strich kauften sie zwar neue Fondsanteile, aber deutlich weniger als 2017, einem Rekordjahr für die Investmentbranche. Auf der Jahres-Pressekonferenz des deutschen Fondsverbandes BVI schlug Präsident Tobias Pross am Mittwoch daher auch eher moderate Töne an.

„Trotz des schwachen Börsenjahres hat sich die Fondsbranche gut entwickelt“, sagte Pross mit Blick auf die, im Vergleich zu den vergangenen zwanzig Jahren, eher schwächeren Netto-Kapitalzuflüsse.

Das gemanagte Fondsvermögen der Branche sank im vergangenen Jahr dennoch infolge von Kursverlusten um rund 50 Milliarden Euro auf 2,592 Billionen Euro - und damit unter die Marke von 2,6 Billionen Euro. Überwiegend stammt das Geld von institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Versicherungen. Die auf Privatanleger zielenden offenen Publikumsfonds verwalteten 974 Milliarden Euro.

Die Folgen des turbulenten Jahres sind deutlich bei den Nettokäufen der Publikumsfonds abzulesen. Diese sanken von 77 Milliarden Euro auf nur noch 22 Milliarden Euro im Jahr 2018. Pross verwies auf die Aktienmärkte: „In den vergangenen Jahren sind die Notierungen an den Märkten auf breiter Front gestiegen. Doch diese Phase scheint sich dem Ende zuzuneigen.“

Deutliche Distanz wahrten Anleger vor allem gegenüber Anleihen. Anhaltend niedrige Anleiherenditen und die Aussicht auf steigende US-Zinsen führten zu einer regelrechten Kehrtwende bei Bondfonds: „Die hatten 2018 das erste Mal ein schwieriges Jahr und mussten Abflüsse von 5,7 Milliarden Euro hinnehmen“, sagte Pross. Im Vorjahr waren die Produkte noch für 21 Milliarden Euro gekauft worden. In Indexnachbildenden Anleihefonds, ETFs, gelangte dabei unterm Strich neues Kapital von 3,9 Milliarden Euro.

Mit Blick auf die Ausschläge am Aktienmarkt überraschte auch nicht, dass Aktienfonds kaum gekauft wurden. Unterm Strich steckten die Anleger gerade noch 700 Millionen Euro in die Fonds. Positiv waren die Zuflüsse nur durch den Absatz von ETF, die netto 1,3 Milliarden Euro einsammelten.

Am widerstandsfähigsten zeigten sich die weiterhin populären Mischfonds. Hier gingen die Neukäufe um ein Viertel zurück auf immerhin noch rund 22 Milliarden Euro. „Damit hat sich der Wachstumstrend fortgesetzt“, urteilte Pross.

Die großen Absatztrends in Deutschland mit einem deutlichen Rückgang passen zur Entwicklung in Gesamteuropa. Hier kauften die Anleger 2018 nur noch für netto 27,5 Milliarden Euro Investmentfonds. Im Jahr zuvor waren es 776,6 Milliarden Euro gewesen – eine Rekordsumme. Gemessen an diesen Vorgaben sind die aktuellen Zahlen ernüchternd. „Das ist enttäuschend“, sagt Diana Mackay, Geschäftsführerin beim Finanzdienstleister Broadridge.

Anlagebedarf durch Beiträge zur Altersvorsorge

Als „verlässliche Stütze des Neugeschäfts“ der deutschen Fondsbranche erwiesen sich einmal mehr die institutionellen Investoren, wie BVI-Präsident Pross hervorhob. Regelmäßige Zuflüsse, etwa durch Beitragszahlungen für die Altersvorsorge, schaffen bei ihnen Anlagebedarf. In die für sie aufgelegten Spezialfonds flossen im vergangenen Jahr netto 95 Milliarden Euro: Es war das drittbeste Absatzjahr für die Fonds.

Unterm Strich summierten sich die Zuflüsse in Investmentfonds damit auf 116,5 Milliarden Euro. Aus Mandaten für Großinvestoren wurden dagegen knapp 29 Milliarden Euro abgezogen.

Auch im neuen Jahr halten sich besonders private Anleger weiter zurück. Der massive Rückschlag an den Aktienmärkten im Dezember wirke nach, so dass die Kurserholung im Januar größtenteils verpufft sei, sagte ein Manager eines großen deutschen Fondsanbieters.

Vertreter großer deutscher Häuser sprachen auf Anfrage des Handelsblatts von verhaltenen bis positiven Nettokäufen im ersten Monat des neuen Jahres. Dabei stünden Rentenfonds weiter auf der Verkaufsliste, Mischfonds blieben gefragt.

Sollten die Finanzmärkte turbulent bleiben, könnten sich die Anleger noch stärker zurückhalten. Auf die Frage, ob in diesem Jahr sogar Netto-Anteilsrückgaben der privaten Anleger möglich seien, antwortete der BVI-Präsident: „Man sollte nichts ausschließen, die neue Börsenwelt ist Realität.“

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1 Kommentar zu "Jahresbilanz: Schwaches Börsenjahr: Privatanleger setzen immer seltener auf Fonds"

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  • Aber Hallo! Da muss man eben durch. Die Börse ist nun einmal keine Einbahnstraße und nach so vielen Jahren stetigen Wachsens ist das eine ganz gesunde Abkühlung. Jedoch gleich verschnupft die Flinte ins Korn zu werfen und sich zurückziehen vom Investment zeugt von amateurhaftem Verhalten. Die wahren Profis nutzen doch solche Zeiten eher für Zukäufe.