Kampf um Konditionen Hoher Zins, hohes Risiko

Festgeld zu einem Zins von fast drei Prozent – im Internet wirbt eine Bank mit solchen Top-Konditionen. Zu schön, um wahr zu sein? Was hinter den Angeboten von Geldhäusern aus Bulgarien, Russland oder der Türkei steckt.
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Ratenkredite sind derzeit günstig. Quelle: Getty Images
Im Zinstief

Ratenkredite sind derzeit günstig.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfVon solchen Angeboten können Sparer nur träumen: Festgeld zu einem Zins von 2,9 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dafür wirbt die Internetseite Weltsparen.de. Mindestens 10.000 Euro müssen Kunden anlegen – bei der bulgarischen First Investment Bank (Fibank) in Sofia.

Der Zins ist so herausragend, dass viele Sparer zuschlagen dürften. Schließlich erhalten sie solche Konditionen bei keiner anderen Bank, schon gar nicht bei einer deutschen. Ein Zinsvergleich der FMH Finanzberatung zeigt, dass sich Kunden für Festgelder mit einjähriger Laufzeit derzeit im Schnitt mit weniger als 0,7 Prozent begnügen müssen. Wie kann es sich eine Bank aus Bulgarien leisten, so viel mehr zu bieten?

Der Vermittler Weltsparen.de lobt die Bank am Dragan Tsankov Boulevard in Sofia in den höchsten Tönen. Sie sei „eine der größten Banken in Bulgarien“, börsennotiert und als systemrelevant eingestuft. Nicht zuletzt gelte das Institut als „eine kundenorientierte Bank“, was mehrere Auszeichnungen belegen sollen.

Hohe Renditen fallen aber nicht wie Manna vom Himmel. Beim genaueren Blick zeigen sich die Risiken. „Das Angebot der Fibank sieht nur auf den ersten Blick verlockend aus“, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. In Wahrheit bekommen sie dort sehr wenig Geld für ein hohes Maß an Intransparenz.“ Kunden würden Risiken einkaufen, die Sie gar nicht überblicken können. „Das Geschäftsmodell einer solchen Bank lässt sich nicht beurteilen“, sagt Burghof.

Die Ratingagentur Fitch bewertet das Ausfallrisiko der Fibank mit B auf kurze Sicht und BB- auf lange Sicht als spekulative Anlage. Bei einer Verschlechterung der Lage sei mit einem Ausfall der Bank zu rechnen. Bei einer Insolvenz würde die bulgarische Einlagensicherung einspringen, die Beträge bis 100.000 Euro absichert. „Im Ernstfall müssen Anleger ihre Ansprüche, wenn sie Pech haben, auf bulgarisch anmelden“, sagt Annabel Oelmann, Teamleiterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale NRW. Es gelte bulgarisches Recht.

Kunden können nur darüber spekulieren, ob der bulgarische Staat in der Lage sein dürfte, Ansprüche ausländischer Sparer im Notfall zu bedienen. „Wie glaubwürdig ist eine Haftung, wenn das gesamte Bankensystem des Landes in eine Krise geraten sollte?“, fragt Burghof. „Außerdem bekämen Anleger das Geld nicht in Euro zurückbezahlt, sondern in bulgarischen Lew“. Laut bulgarischer Nationalbank werden Konten in einer fremden Währung in Lew abgeglichen, „zum offiziellen Wechselkurs der bulgarischen Nationalbank zu dem von der bulgarischen Einlagensicherung festgelegten Stichtag“.

Für den Anbieter Weltsparen.de soll die Partnerschaft mit der Bank aus Bulgarien nur der Anfang sein.

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8 Kommentare zu "Kampf um Konditionen: Hoher Zins, hohes Risiko"

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  • Wer unbedingt von 2,9 % Zinsen träumen möchte - es sei ihm gegönnt. Der Ertrag steht aber in keinem Verhältnis zum Risiko und ich finde es richtig, dass das Handelsblatt diesen Artikel ganz oben plaziert. Hoffentlich wird er gelesen.

  • Gut, wenn man unbedingt von 2,9% Zinsen träumen möchte, warum nicht... Aber das Risiko steht in keinem Verhältnis zum Ertrag und das Handelsblatt tut gut daran, diesen Artikel ganz oben zu plazieren. Hoffentlich wird er gelesen.

  • Es sollte eigentlich jedem Sparer und Anleger klar sein, dass Rendite und Risiko in einem umgekehrten Verhältnis zueinanderstehen. In der Geldanlage gibt es das „magische Dreieck der Geldanlage. Und in Deutschland (egal ob bei einer Bank mit deutscher Einlagensicherung oder einer Niederlassung einer ausländischen EU-Bank mit 100.000 Euro EU Sicherheitsgarantie) gibt es für Festgeld die besagten 3% nun mal gerade mal bei einer Bank, der pbbdirekt mit dem kleinen Schönheitsfehler einer Festgeld Laufzeit von 10 Jahren (ermittelt über http://www.tagesgeldvergleich.com/festgeld-vergleich.html dort im Rechner als Anlagedauer 120 Monate einstellen). Wie schon clemensespe sagte: Die Zinsen stehen in keinem Verhältnis zum Risiko.

  • Es sollte eigentlich jedem Sparer und Anleger klar sein, dass Rendite und Risiko in einem umgekehrten Verhältnis zueinanderstehen. In der Geldanlage gibt es das „magische Dreieck der Geldanlage. Und in Deutschland (egal ob bei einer Bank mit deutscher Einlagensicherung oder einer Niederlassung einer ausländischen EU-Bank mit 100.000 Euro EU Sicherheitsgarantie) gibt es für Festgeld die besagten 3% nun mal gerade mal bei einer Bank, der pbbdirekt mit dem kleinen Schönheitsfehler einer Festgeld Laufzeit von 10 Jahren (ermittelt über http://www.tagesgeldvergleich.com/festgeld-vergleich.html dort im Rechner als Anlagedauer 120 Monate einstellen). Wie schon clemensespe sagte: Die Zinsen stehen in keinem Verhältnis zum Risiko.

  • Angenommen ich hätte 10000 €. 3% brächten nach Steuern und weiteren allfälligen Kosten 200 € Zins pro Jahr.
    Welches Risiko gehe ich dafür ein?
    Noch Fragen?
    Offenkundig nur was für die Dümmsten unserer Gesellschaft.

  • also so verlockend finde ich die minus 20% bei Gold in den vergangenen 2 Jahren nicht...

  • Bedarf es wirklich eines 4-seitigen Artikels, um wieder einmal die nicht wirklich bahnbrechende Erkenntnis zu verbreiten, dass derartige Verzinsungen mit Risiken behaftet sind?

    Ich möchte mal behaupten, dass diejenigen, die blind vor Gier auf derartige Angebote reinfallen, nicht unbedingt zu den Lesern des Handelsblattes gehören und folglich hier ohnehin nicht erreicht werden.

  • Wie doof muss man sein um sein Geld dort zu "verzinsen"?
    Ob 1 oder 5 % ist doch egal. Die ungelogene Inflation ist eh höher und die Sparer werden jetzt in sehr naher Zukunft größtenteils enteignet.
    Außerdem stehen die Zeichen auf Sturm !
    Also das Fiat-Money umtauschen gegen physisches Silber und Gold.
    So nebenbei wirft dieses ach so schlechte "Investment" in naher Zukunft viel mehr "Zinsen" ab als alles andere....

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