Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Bilanz der Parteitage: Die US-Wahl ist ein Kampf der Ideologien

Ob Trump ein guter oder schlechter Krisenmanager ist, entscheiden Wähler nicht anhand einer Corona-Statistik. Im US-Wahlkampf geht es um tief verwurzelte Überzeugungen.
29.08.2020 - 15:51 Uhr Kommentieren
Trumps Parteitag endete mit einem pompösen Feuerwerk. Quelle: AFP
Parteitag der Republikaner

Trumps Parteitag endete mit einem pompösen Feuerwerk.

(Foto: AFP)

Washington Von den Parteitagen der Republikaner und Demokraten bleibt vor allem eine Gewissheit: Nie war die ideologische Spaltung der USA so relevant und so spürbar wie jetzt. Die Gräben zwischen Trump-Anhängern und Trump-Gegnern werden die verbleibenden neun Wochen bis zu den US-Wahlen bestimmen. Natürlich ist Abgrenzung das Kerngeschäft der Politik, andernfalls bräuchte man keinen Wahlkampf zu machen. Doch das Ausmaß der Lagerbildung im Ringen um das Weiße Haus ist 2020 extrem.

Zwei Sätze der Conventions brachten die Lage deutlich auf den Punkt. „Wählt, als ob es um euer Leben ginge”, sagte Ex-First Lady Michelle Obama. Für die Demokraten geht es tatsächlich ums politische Überleben. Denn sollte Trumps Wahlsieg von 2016 einmalig bleiben, könnte man ihn als Unfall der Geschichte abtun.

Sollte Trump ein zweites Mal gewinnen, nach all seinen Krisen und einem Impeachment-Verfahren, wäre hingegen klar: Die USA wollen einen Populisten und Nationalisten wie Trump wirklich und dauerhaft im Weißen Haus.

Auch Trump sagte einen wahren Satz in seiner Abschlussrede. „Das ist die wichtigste Wahl in der Geschichte unseres Land”, rief er zum Finale des Republikaner-Parteitags. Die Wahl am 3. November ist eine Richtungsentscheidung, die den Kurs der USA nicht nur im Land, sondern auch international über Jahrzehnte prägen wird. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Trump-Tweets sind auf dem Land egal

    Die US-Bürger sind sich dessen durchaus bewusst. Wer in diesen Tagen die Großstädte verlässt und mit Menschen über die Wahl spricht, merkt schnell, dass schnelle Nachrichten oder Trump-Tweets kaum eine Rolle spielen. Zwar ist die Pandemie das bestimmende Thema, schließlich haben Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit konkrete Folgen für den Alltag. Und eigentlich sollten die Zahlen für sich stehen: Die Infektions- und Sterblichkeitsraten pro Kopf gehören zu den höchsten der Welt. Noch an diesem Wochenende werden die USA die Marke von sechs Millionen Infizierten überschreiten.

    Doch ob Trump ein guter oder schlechter Krisenmanager ist, das entscheiden viele Wähler nicht anhand einer Statistik, sondern anhand tiefer gehender Überzeugungen. Der Wahlkampf ist in erster Linie ein Kulturkampf um das Ideal der „American Freedom”. Staatliche Regulierung, Waffenbesitz, Abtreibung und die Sicherheit im eigenen Vorgarten sind die Themen, die Menschen mobilisieren. Jede Krise der USA wird zu diesem Zweck politisch instrumentalisiert.

    Ein Beispiel dafür sind die Proteste gegen Polizeigewalt. Plünderungen und brennende Autos werden von links als Randerscheinung, von rechts als Vorstufe von Chaos und Anarchie dargestellt. „Amerika ist kein rassistisches Land”, rief die frühere UN-Botschafterin Nikki Haley auf dem Republikaner-Parteitag.

    Parallel provozierte ein neuer Fall von Polizeigewalt gegen einen Schwarzen in Wisconsin neue Unruhen. Die Demokraten sehen in den Protesten das längst überfällige Aufbäumen gegen strukturellen Rassismus. Und die Republikaner schmähen die Demonstranten als Nestbeschmutzer und Antipatrioten. Unüberbrückbare Gräben tun sich auf. 

    Kein Platz für die Mitte

    Eine ähnliche Tendenz kann man im Deutungskampf um die Pandemie beobachten. Trump will die katastrophale Corona-Bilanz für sich nutzen, indem er sie als Stärke verkauft. Das wichtigste Narrativ der Republikaner ist, dass die USA das Virus mit Innovationen, einem Impfstoff und minimalen Einschränkungen besiegen werden.

    Wer das infrage stellt und wie Joe Biden eine Maskenpflicht und einen bundesweiten Lockdown fordert, kann aus Sicht der Republikaner kein echter Freund der USA sein. Denn wie könnte man die USA lieben, wenn man die Fähigkeiten und Kraft der Nation anzweifelt?

    Trumps Leitmotiv im Wahlkampf 2016 war: Die USA gegen den Rest der Welt. Jetzt tritt er gegen seine Feinde im eigenen Land an. Der US-Präsident sieht sich dabei als Schutzwall gegen eine, wie er es sagt, „linke Verblendung”. Auch Biden erklärt die Wahlen zur Richtungsentscheidung und verspricht die „Rettung der amerikanischen Seele”.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang die Dramaturgie der Parteitage. Die Trump-Show vor dem Weißen Haus war aufwendig und pompös, die Präsidentenfamilie wurde wie ein Monarchen-Clan in Szene gesetzt. Im Vergleich dazu wirkte die Demokraten-Convention zurückhaltend und stellenweise improvisiert. Biden sollte als bodenständig und solide in Erinnerung bleiben.

    Die Macht der Bilder darf man gerade in der Fernsehnation USA nicht unterschätzen. Deshalb ist davon auszugehen, dass beide Kandidaten in den kommenden Wochen verstärkt auf visuelle Botschaften setzen. 

    In der heißen Phase des Wahlkampfs wird es allerdings kaum noch darum gehen, Unentschlossene zu überzeugen, sondern darum, die eigene Klientel zu mobilisieren. Beide Kandidaten werden sich als Retter der Nation feiern lassen. Die Wahrheit liegt, wie so oft, wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Doch für die Mitte bleibt in diesem aufgeheizten Wahlkampf kein Platz.

    Mehr: Der Amtsinhaber greift zum Parteitagsabschluss Herausforderer Joe Biden scharf an. Trump setzt auf Abgrenzung: Er will den amerikanischen Traum vor „Sozialisten“ retten.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Bilanz der Parteitage: Die US-Wahl ist ein Kampf der Ideologien
    0 Kommentare zu "Kommentar: Bilanz der Parteitage: Die US-Wahl ist ein Kampf der Ideologien"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%