Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Chinas Digitalriesen stecken in einem Dilemma

Lange hat der chinesische Staat heimischen Digitalkonzernen bei ihrem schnellen Aufstieg geholfen. Jetzt wird er zu ihrem größten Problem.
29.07.2020 - 17:11 Uhr Kommentieren
Quelle: Kostas Koufogiorgos


(Foto: Kostas Koufogiorgos)

In den vergangenen zwei Jahrzehnten waren chinesische Internetunternehmen in einer komfortablen Position. Die Volksrepublik stieg zur weltgrößten Internetnation auf. Dank massiver Ausgaben für die digitale Infrastruktur ließ Peking eines der besten Mobilfunknetze der Welt errichten.

Junge Start-ups konnten die vielen Menschen im Land leicht erreichen. Gleichzeitig sperrte Peking internationale Wettbewerber ganz aus oder machte ihnen das Geschäft so schwer, dass sie freiwillig aus der Volksrepublik abzogen. Dazu zählen Facebook, Twitter oder Google.

Heute ändert sich das Bild. Die Volksrepublik mit ihren 1,4 Milliarden Menschen ist nicht mehr groß genug für die gigantischen Ambitionen der heimischen Tech-Champions. Sie expandieren weltweit. Die Videoplattform Tiktok ist zu einem Symbol für den internationalen Aufstieg geworden. Kein soziales Netzwerk konnte zuletzt global so schnell zulegen wie Tiktok.

Die chinesische Herkunft war lange ein Erfolgsfaktor für die Firmen. Heute wird sie bei ihrer Internationalisierung zu ihrem größten Problem. Die chinesische Führung um Präsident Xi Jinping tritt immer aggressiver auf. Die Behörden verschaffen sich weitreichenden Zugriff in allen Bereichen. Der jüngste Höhepunkt: das Sicherheitsgesetz für die Sonderverwaltungszone Hongkong. Das wird zum Malus für die chinesischen Digitalkonzerne.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Erstmals warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht vor dem Einsatz chinesischer Apps in Deutschland. Der chinesische Geheimdienst könne Kundendaten abgreifen, schrieben die Beamten.

    Die Firmen versuchen, sich als unabhängig zu positionieren. Ein Zugriff des chinesischen Staates sei ausgeschlossen, wiederholen sie mantrahaft. Datenschützer und Sicherheitsexperten in Europa glauben ihnen jedoch nicht.

    Denn Fakt ist: Nie war Peking so mächtig wie heute. Das gilt außenpolitisch, vor allem aber auch innenpolitisch. Keine Firma in der Volksrepublik kann sich dem Einfluss des Staates und der Kommunistischen Partei entziehen.

    Mit dieser Situation gehen die chinesischen Technologiefirmen unterschiedlich um. Der Netzausrüster Huawei, der gern die 5G-Mobilfunknetze in Europa ausrüsten will, verleugnet seine chinesische Herkunft nicht. Ganz im Gegenteil setzt der Konzern zuletzt stärker auf eine staatliche Rückendeckung, wie das Handelsblatt erfuhr. Pekings Diplomaten sollen helfen, ein Verbot von Huawei in vielen Ländern zu verhindern. Dafür droht China offen – etwa mit Konsequenzen für deutsche Autobauer.

    Sorge vor der Macht chinesischer Digitalkonzerne

    Tiktok geht einen anderen Weg. Die Plattform, hinter der der chinesische Bytedance-Konzern steht, versucht, sich von China loszusagen. Zahlreiche Tochtergesellschaften wurden gegründet – auch in Deutschland. Sie unterstehen einem Firmensitz in den USA. Der ehemalige Disney-Manager Kevin Mayer ist CEO. Allein im zweiten Quartal gab die Firmengruppe in den USA eine halbe Million Dollar aus, um Lobbying auf Bundesebene zu betreiben.

    Trotzdem wird ein Ausschluss von Tiktok in den USA konkret diskutiert. Australien geht einen ähnlichen Weg. In Indien ist die App bereits verboten.

    Über fast zwei Jahrzehnte wurden globale Digitalkonzerne von China ausgesperrt. Jetzt stoßen Technologiefirmen aus der Volksrepublik im Ausland auf erhebliche Hürden. Manch ein chinesischer Tech-Konzern erlebt jetzt in den USA, was amerikanische Digitalkonzerne lange in China erlebt haben.

    Datenschützer, Sicherheitsdienste und Marktwächter sind sich in ihrer Sorge vor der Macht chinesischer Digitalkonzerne einig. Auch in Deutschland ist ein kritischer Blick auf die Rolle der Firmen zum Konsens geworden. Es geht um die Sicherheit von Daten. Es geht aber auch um Marktmacht. Auch die Monopolkommission schaltet sich in das Thema ein.

    In China reden viele Bürger gar nicht mehr vom Internet. Sie bewegen sich fast ausschließlich im chinesischen Intranet, in dem es heimische Klone zu global verbreiteten Plattformen gibt: Ob Videodienst, Chatprogramme oder Bezahlsysteme – alles ist verfügbar, nur für den chinesischen Markt. Dienste außerhalb des Landes werden auf Geheiß der Behörden gezielt von den Netzbetreibern verlangsamt. Ein Zugriff ist zwar auf viele internationale Websites möglich, aber quälend langsam.

    Das Internet stand über Jahrzehnte für eine globale Vernetzung. Für ein Zusammenwachsen der Welt. Heute droht das Internet in zwei Sphären zu zerfallen. Eine chinesisch dominierte Sphäre mit innovativen Produkten und Diensten, aber auch mit strenger Internetzensur. Und eine internationale Sphäre, die vor allem von US-Konzernen dominiert ist und in der chinesische Internetkonzerne weitgehend ausgeschlossen sind.

    Es ist keine schöne Vorstellung, dass das Internet seine Verheißung von globalem Verständnis und globalem Austausch nicht einlösen wird. Wir erleben zwei digitale Welten, die immer weiter auseinanderdriften. Das ist nicht schön, aber leider die Realität.

    Mehr: Tiktok: Das chinesische Unternehmen, das keines sein will.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Chinas Digitalriesen stecken in einem Dilemma
    0 Kommentare zu "Kommentar: Chinas Digitalriesen stecken in einem Dilemma"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%