Lebensversicherung Was Ihr Versicherer noch zahlt

Das Jahr 2015 markiert einen neuen Tiefpunkt in der privaten Altersvorsorge. Der Garantiezins sinkt, die Überschussbeteiligungen meistens ebenfalls. Eine Analyse aller Gesellschaften zeigt, wo es noch faire Zinsen gibt.
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Blick ihn die Geldbörse: Die Zinsen für Lebenpolicen sinken. Quelle: Getty Images

Blick ihn die Geldbörse: Die Zinsen für Lebenpolicen sinken.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfKnapp zwei Wochen ist die letzte Senkung des Garantiezinses her, da steht die Höhe des garantierten Mindestzinses, der für neue Lebensversicherungsverträge gilt, schon wieder zur Disposition. In den nächsten Wochen berät das Gremium der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), ob die aktuell 1,25 Prozent auch noch im Jahr 2016 Bestand haben soll. Ende des Monats gibt der Verein mit Sitz in Köln eine Empfehlung für die Bundesregierung.

Die Branche wehrte sich schon gegen die letzte Senkung des Garantiezinses um 0,5 Prozentpunkte. Jetzt hoffen die Versicherer, dass es in den nächsten Jahren nicht noch weiter runtergeht. „Der Branche ist daran gelegen, dass die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge am Ende der Vertragslaufzeit erreicht wird“, sagt Stephan Kalb, Teamleiter der deutschen Versicherungsanalyse bei der Ratingagentur Fitch. „Bei einem Rechnungszins unter 1,0 Prozent wird das sehr schwierig.“ Abzüglich Kosten könnten die garantierten Gesamtrenditen bei Policen mit kurzer Laufzeit dann schnell unter Null liegen.

Eine Änderung des Garantiezinses vor 2017 hält der Versicherungsexperte für unwahrscheinlich, in der Vergangenheit sei der Zins maximal alle drei Jahre angepasst worden. Der Aufwand für die Umstellung der IT bei den Versicherern ist hoch.

2015 könnte eine Zeitenwende für die Lebensversicherer einleiten. Denn nicht nur der Garantiezins sinkt in diesem Jahr auf 1,25 Prozent. Die Mehrzahl der Versicherer kappen auch ihre Überschussbeteiligungen. Nach einer Studie des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online lassen nur 12 von 70 untersuchten Gesellschaften ihre Zinsen konstant. Keine Gesellschaft erhöht ihre laufende Verzinsung.

Experten schlagen Alarm. „Neben weiteren Überschüssen etwa am Ende der Vertragslaufzeit und den Kosten für Abschluss und Verwaltung sind vor allem die Höhe der jährlichen Überschussbeteiligungen entscheidend für die Rendite einer Police“, erklärt Joachim Geiberger, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. Die Leser können die Überschussbeteiligungen für ihre Lebensversicherer in einer großen Tabelle am Ende des Artikels finden.

Der Blick auf die Ergebnisse zeigt, wie hart das Zinstief einige Gesellschaften und ihre Kunden trifft. Bei elf Versicherern sank die laufende Verzinsung auf weniger als drei Prozent. Der Versicherer HDI – mit Bruttobeiträgen von 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2013 einer der großen der Branche - senkte die Überschussbeteiligung um 0,5 Prozentpunkte auf jetzt nur noch 2,5 Prozent. Die noch größere Ergo senkte ebenfalls um einen halben Prozentpunkt auf 2,7 Prozent. Bei dem Sparkassenversicherer SV Leben ging es um 0,3 Prozentpunkte runter auf 2,75 Prozent.

So hoch sind die Kosten
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8 Kommentare zu "Lebensversicherung: Was Ihr Versicherer noch zahlt"

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  • um meinen Senf auch noch dazuzugeben. Das Argument, dass die Bewertungsreserven nur ein Papiertiger seien, ist ja hinlänglich widerlegt und bspw. auf http://klv-check.de/Aktuelles nachzulesen. Allerdings vestehe ich die Aussage von Hr. Zimmer nicht, dass Gesetze nicht vom BVG gekippt werden können. Die Aussage ist schlicht falsch!

  • Das sehen Sie nicht ganz richtig. Zugegeben, alte Zeiten unterstellt.

    Beispiel:
    Sie kauften eine Immobilie und finazierten die bis zum Ende. Die Annuität war für die gesamte Laufzeit fix. Und wir unterstellen, dass Sie dieses Eigenheim in jungen Jahren anschafften, um im Alter mietfrei zu wohnen. Eine gute Sache, die man nicht von der Hand weisen kann.

    Zur "Schaffensmitte" hatten Sie plötzlich etwas mehr Geld in der Tasche. Sie hätten die Möglichkeit, etwas mehr monatlich zu zahlen. Aber die Bank hatte ihre eigene Finanzierung auch schon gegenfinanziert. Fachleute sagen, kongruent geschlossen.

    Was ist zu tun?

    Sie schlossen eine Lebensversicherung ab, um dann das Darlehen zu einem Fälligkeitstag X abzulösen. Zu einem Tag, zu dem das Ursprungsdarlehen weitgehenst zurückgezahlt ist. Wenn die Restschuld niedrig ist, dann ist die mathematisch korrekt errechnete Vorfälligkeitsentschädigung auch nicht mehr groß.

    Das funktionierte und war sinnvoll.

    Aber jetzt ist der Gesetzgeber hingegangen und hat ihnen mit dem Lebensversicherungsreformgesetz plötzlich und unerwartet den Auszahlungsbetrag um ca. 30 % gekürzt. Ihr Anteil an den Bewertungsreserven wurde Ihnen einfach gestrichen.

    Was machen Sie denn dann?

    Rechtssicherheit in Deutschland? Davon hätte man etwas hören müssen.

  • Es wird mir eh ein ewiges Rätsel bleiben, warum ein Mensch freiwillig ein Zahlungsversprechen für rund 30 Jahre abgibt um eine mickrige Verzinsung von 1,25 % zu erhalten.

    Ist man, ggf wegen der Raten zu LV's, nur einen einzigen Monat im Jahr mal in den roten, hat man die Verzinsung eines ganzen Jahres versemmelt.

    Nicht umsonst werden nur wenige Verträge wirklich bis zum (bitteren) Ende bedient - traurig, dass diese Menschen meist noch nicht mal ihren Einsatz zurückbekommen!

  • Die Reihenfolge ist etwas durcheinander. Sortieren Sie bitte die beiden Kommentare um.

    Vielen Dank!

  • Frau König, noch amtierende Präsidentin der BAFin, war wesentlich daran beteiligt. Versicherern wurden mit ca. 80 Mrd. € auf diesem Weg übereignet.

    Um Frau Mönig aus dem künftigen Schussfeld zu nehmen, scheidet sie aus der BAFin aus und übernimmt einen gut dotierten Job in Brüssel. Genau so agieren Profis.

    Frau König "entstammt" einer Beratungsgesellschaft und war als Buchhalterin bei einer größeren deutschen Versicherungsgesellschaft tätig. Ob sie auch die Bewertung "machte", ist mir unbekannt. (Journalisten könnten dies schnell überprüfen.) Daher wäre nachzuprüfen, ob sie wissentlich oder unwissentlich agierte. Beides halte ich für denkbar.

    Herr Hülsbruch, wir können das Thema gerne vertiefen und auch klären, zu welchen "Kosten" Vermögenswerte transferiert werden (können).

    Selbstverständlich geht alles "alternativlos". ;-)
    Glaubt die Versicherungswirtschaft tatsächlich, dass das Parlament den Querschnitt der Bürger abbildet?

    Mit freundlichen Grüßen
    Manfred Zimmer

  • Sehr geehrter Herr Hülsbruch!
    Vielleicht habe ich in diesem Thema mehr Erfahrung als Sie sich in Ihrem restlichen Leben noch aneignen können.

    Wenn ich Sie korrekt einschätze, dann sind Sie nicht unerfahren in der Versicherungsbranche tätig. Die dortigen Bewertungsmethoden, wenn man sie als solche bezeichnen will, sind Ihnen nicht fremd.

    Ihre Argumentation entspricht der Denke zum HGB aus dem Jahr 1933. Ein damals gebräuchlicher Ansatz, dem ich für die damalige Zeit Respekt zolle.

    Kernpunkt der Überlegung war damals eine Bewertung, speziell einer steuerrechtlichen Bewertung, zu finden, unter der Prämisse der Unternehmensfortführung. Diese Annahme ist aber bezogen auf dieses Problem, der in diesem Prozess ausscheidender Mitglieder, nicht sachgerecht. Damit ergibt sich die Notwendigkeit der/einer gerechten Vermögensaufteilung.

    Die Enteignund der Lebensversicherten zum Fälligkeitszeitpunkt um ihre anteiligen Bewertungsreserven entspricht eher sozialistischer als sozialer marktwirtschaftlichen Denke. Sie erfüllt m.E. sogar den Tatbestand der Untreue.

    Um diesem Vorwurf zu entgegnen wurde eigens ein Gesetz, das Lebensversicherungsreformgesetz, geschaffen. Es war m.E. dringend notwendig, um künftige Klagen im Kern abzuwehren. Was vom Gesetz legalisiert wurde, kann von Richtern nicht mehr sanktioniert werden. Ein alt bekannter Trick. Selbst das Bundesverfassungsgericht kann nicht mehr über diese Hürde springen.

    Genial, wenn man auf der anderen Seite sitzt.

  • Sehr geehrter Herr Zimmer ! Haben Sie sich einmal mit der Farge beschäftigt, was sich hinter dem Begriff "Bewertungsreserven" tatsächlich verbirgt ? Wahrscheinlich nicht, denn dann würden Sie verstehen, dass man Kunden nicht an etwas beteiligen kann, was an Gewinnen gar nicht realisiert worden ist. Kursgewinne die nicht durch Verkauf realisiert werden, stehen auf dem Papier. Sonst nichts. Was würden Sie sagen wenn Sie ein Wertpapier, welches Sie halten, im Kurs steigt und der Fiskus würde Sie auffordern, diesen Kursgewinn (!!!) - den Sie aber nicht realisiert haben - versteuern sollen. Fänden Sie das gerecht und zielführend ? Die Beteiligung an den Bewertungsreserven war von Anfang an Unfug.

  • "Das Jahr 2015 markiert einen neuen Tiefpunkt in der privaten Altersvorsorge. Der Garantiezins sinkt, die Überschussbeteiligungen meistens ebenfalls."

    Das ist nicht der Tiefpunkt. Tiefpunkt war die Enteignung der Lebensversicherten nach dem Lebensversicherungsreformgesetz, in dem auf Betreiben der Präsidentin der BAFin, Frau König, auf "legale" Weise ihrer Bewertungsreserven beraubt wurden.

    Rechtssicherheit in Deutschland, wie Frau Merkel und Herr Gauck sie vom Ausland gerne einfordern, in Deutschland, weit gefehlt.

    80 Mrd. € seien es gewesen, für die die das Thema nicht verfolgt haben.

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