Lebensversicherungen Regierung will Garantiezins abschaffen

Die Deutschen lieben Sicherheit, sie hängen an der garantierten Verzinsung bei der Lebensversicherung. Doch ab 2016 will die Regierung keinen Mindestzins mehr vorgeben. Was das für die Kunden bedeutet.
Update: 08.10.2015 - 11:32 Uhr
Die Bundesregierung will den Garantiezins abschaffen. Quelle: dpa
Lebensversicherung

Die Bundesregierung will den Garantiezins abschaffen.

(Foto: dpa)

Berlin/FrankfurtEs war viele Jahre das Verkaufsargument für Lebensversicherungen: Ein staatlich garantierte Zins auf den Sparanteil der monatlichen Prämien. Mehr als 90 Millionen Policen gibt es in Deutschland – mehr als das Land Einwohner hat. Doch die anhaltenden Niedrigzinsen haben es für Versicherer im ganzen Land schwieriger gemacht, die Zinsen zu erwirtschaften. Auch eine schrittweise Senkung der Garantie auf 1,25 Prozent scheint nicht auszureichen, die Probleme in den Griff zu kriegen.

Die Bundesregierung gibt jetzt Geleitschutz. Sie will die Mindestverzinsung für die meisten Lebensversicherer zum 1. Januar abschaffen. Grund sind laut einer Sprecherin des Finanzministeriums die neuen europäischen Eigenkapitalvorschriften (Solvency II), die ab 1.1.2016 für die großen Versicherer gelten werden. Fortan würden die Rückstellungen, die Versicherer bilden müssten, um ihre Verbindlichkeiten an die Kunden zu bedienen, nach diesen Vorgaben berechnet. Der bisherige Höchstrechnungszins werde mit dem neuen Regelwerk „für den Zweck der Aufsicht nicht mehr benötigt“, sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums.

Der Höchstrechnungszins, umgangssprachlich auch Garantiezins genannt, ist der maximale Zinssatz auf das eingezahlte Kapital, den die Versicherer ihren Kunden über die ganze Laufzeit des Vertrages fest versprechen dürfen. Er wurde bisher verbindlich vom Bundesfinanzministerium festgelegt. Man wollte bei Einführung vermeiden, dass Versicherer sich im Wettbewerb um die höchsten Garantien übernehmen, die Versicherer also „vor sich selbst schützen“.

Nun fällt diese Begrenzung nach oben weg. Gibt es also bald wieder einen Wettbewerb um die besten Garantien? Das dürfte nicht passieren. Zwar können Versicherer „trotz des Wegfalls des Höchstrechnungszinses weiterhin Garantieversprechen abgeben“, wie eine Sprecherin des Finanzministeriums klarstellt. Sie müssen allerdings sehen, dass sie sich an die „Solvency II“-Anforderungen halten. Lebenslange Garantien, wie sie jahrzehntelang üblich waren, müssen künftig stärker mit Eigenkapital unterlegt werden – sind für Versicherer also teurer.

Das sind die teuersten Lebensversicherer
Platz 12: Cosmos Leben
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Jedes Jahr untersucht Hermann Weimann, Finanzexperte am Institut für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen, die wichtigsten Kennzahlen der zwölf größten Lebensversicherer. Sein Ergebnis: Offenbar spielt die Provision bei der Beratung immer noch die größte Rolle. Die Abschlusskosten sind teilweise irrwitzig hoch.

Auf Platz zwölf landet in diesem Jahr Cosmos Leben. Hier beträgt das Verhältnis der Abschlusskosten zum Jahresbeitrag bei Neugeschäften schmale 7,1 Prozent. Auch die Abschlusskostenquote (Verhältnis von Abschlusskosten zur potenziell eingezahlten Beiträgen) liegt mit 2,2 Prozent recht niedrig. Die Verwaltungskostenquote beträgt 0,8 Prozent, die Bruttobeiträge im Jahr 2014 lagen bei 2,2 Milliarden Euro.

Platz 11: Allianz
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Bei der Allianz Leben lag das Verhältnis der Abschlusskosten zum Jahres-Neugeschäft mit 11,8 Prozent in 2014 bereits höher als bei Cosmos Direct. Die Abschlusskostenquote belief sich auf 4,3 Prozent, die Bruttobeiträge 2014 kamen auf 18,4 Milliarden Euro. Die deutschen Lebensversicherer haben es nicht leicht, die Lage an den Finanzmärkten nagt an der Rendite der Verträge, gleichzeitig haben sie ihren Kunden in besseren Zeiten Garantiezinsen von bis zu vier Prozent zugesagt. Allianz bietet schon lange parallel eine Lebensversicherungsvariante ohne garantierten Zins an.

Platz 10: Versicherungskammer Bayern
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Die Abschlusskosten im Verhältnis zum Neugeschäft lagen bei der Versicherungskammer Bayern 2014 bei 12,3 Prozent, die Abschlusskostenquote bei 4,5 Prozent. Die Bruttobeiträge kamen auf 2,5 Milliarden Euro.

Platz 9: R+V Leben
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R+V erzielte im Jahr 2014 Bruttobeiträge von 5,2 Milliarden Euro, die Abschlusskostenquote lag hier bei 4,6 Prozent. Das Verhältnis von Abschlusskosten zu den Jahreseinnahmen im Neugeschäft belief sich allerdings auf 13,6 Prozent. Die Bei der schwierigen Lage ist es kein Wunder, dass sich viele Versicherer vom klassischen Lebensversicherungsgeschäft verabschieden.

Platz 8: Debeka
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Die Debeka Leben landet auf Platz acht. Die Abschlusskosten im Verhältnis zum Neugeschäft lagen hier schon bei stolzen 25,1 Prozent, die Abschlusskostenquote bei 3,3 Prozent. Die Bruttobeiträge 2014 lagen bei 3,7 Milliarden Euro. Versicherungsexperte Weimann sieht die zwölf großen Anbieter trotz aller Schwierigkeiten gut gerüstet: „Ein möglicher Gau für die Top 12 ist aus den vorliegenden Zahlen nicht ableitbar“.

Platz 7: Generali Leben
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Generali Leben erhob Abschlusskosten von 31,6 Prozent im Verhältnis zum Jahresbeitrag. Die Abschlusskostenquote lag hier bei 4,9 Prozent. Die Bruttobeiträge 2014 lagen bei 3,6 Milliarden Euro.

Patz 6: Zurich Deutscher Herold
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Bei Zurich lagen die Abschlusskosten bereits bei 33,8 Prozent im Verhältnis zum Jahresbeitrag bei Neugeschäften. Die Abschlusskostenquote lag bei 5,8 Prozent, die erzielten Bruttobeiträge bei 3,8 Milliarden Euro.

Die wenigsten düften sich also an höhere, starre Garantien heranwagen. Wahrscheinlicher ist es, dass das Spektrum an Policen ohne und mit flexibleren Garantien größer wird. In dem Bereich hatte sich im vergangenen Jahr einiges getan. Zuletzt hatten sich immer mehr Lebensversicherer, wie Ergo, Talanx und Generali von klassischen Lebensversicherungen mit langfristigen Garantien abgewandt.

Der Schweizer Versicherer Baloise hatte gar einen Teil des deutschen Lebensversicherungsbestands an eine Abwicklungsgesellschaft verkauft. Der unangefochtene Branchenprimus Allianz Leben rechnet angesichts niedriger Zinsen mit einer nachlassenden Nachfrage nach klassischen Policen.

Experten warnen seit Monaten
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