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Mini-Zinsen EZB bringt Kassen der Sparer zum Klingeln

Sparer klagen oft wegen niedriger Zinsen – zu Unrecht, so eine Studie. In der Niedrigzinsjahren nach der Finanzkrise haben die deutschen Anleger 364 Milliarden Euro mehr eingestrichen als in den Jahren vor der Krise.
24.09.2015 - 15:17 Uhr
Die Rendite am Aktienmarkt hat die niedrigen Zinsen auf den Tagesgeldkonten deutscher Sparer ausgeglichen. Quelle: IMAGO
Sparer kassieren Dank EZB

Die Rendite am Aktienmarkt hat die niedrigen Zinsen auf den Tagesgeldkonten deutscher Sparer ausgeglichen.

(Foto: IMAGO)

Halle Die deutschen Sparer haben nach einer Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) von den extrem niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) profitiert. Die Renditen auf die Ersparnisse seien in der Niedrigzinsphase von 2010 bis 2015 insgesamt höher gewesen als in den Jahren vor der Krise, heißt es in der am Donnerstag in Halle veröffentlichten Studie. Insgesamt hätten die Haushalte eine Rendite in den Niedrigzinsjahren 364 Milliarden Euro mehr an Rendite erwirtschaftet als in den Jahren zwischen 2003 und 2007 – Vorkrisenjahren also, in denen sowohl die Leitzinsen als auch die Zinsen auf den Tages- und Festgeldkonten wesentlich höher waren.

Stark gestiegene Renditen auf Aktien und Immobilien hätten die ungewöhnlich niedrigen Zinsen zum Beispiel auf Tagesgeldkonten mehr als ausgeglichen, erklärten die Forscher. Auch sei berücksichtigt worden, dass Banken die einst hohen Leitzinsen im Vergleichszeitraum 2003 bis 2007 kaum weitergegeben hätten. Einen kleinen Effekt hatten auch preiswertere Darlehen für Verbraucher. Allerdings sei dieser Effekt mit 20 zusätzlichen Milliarden verteilt auf fünf Jahre eher klein. Bei Berücksichtigung der Inflation sei der Renditevorteil in der Zeit nach 2010 noch höher, heißt es in der Untersuchung.

Im August hatte das Institut eine umstrittene Studie vorgelegt, wonach der deutsche Steuerzahler von der Griechenland-Krise und dem damit gesunkenen Zinsniveau extrem profitiert habe. Kritiker der Studie hatten damals bemängelt, das Institut habe nur die Folgen für den deutschen Bundeshaushalt berechnet, nicht aber die Auswirkungen für den deutschen Sparer. Das IWH erklärte nun, der Verweis auf niedrige Leitzinsen reiche für eine Analyse der Folgen für die Anleger nicht aus.

Übrigens sind längst nicht alle Ökonomen der Meinung, dass niedrige Zinsen auch ein Segen für die Sparer sein können. So hat das bankennahe Center for Financial Studies in Frankfurt im Juli dieses Jahres berechnet, dass die Niedrigzinspolitik der EZB die deutschen Sparer in den kommenden fünf Jahren rund 200 Milliarden Euro an Zinseinnahmen kosten könnte. Das entspricht 5600 Euro pro Haushalt. Das Center for Financial Studies kommt zu dem Ergebnis, dass sich durch die Niedrigzinsen das Spar- und Anlageverhalten der Deutschen in den kommenden Jahren ändern muss – es sei eben nicht mehr besonders einfach, durch risikoarme Geldanlageformen wie etwa Anleihen eine ordentliche Rendite zu erzielen. Die Untersuchungen des Institutes für Wirtschaftsforschung legen unterdessen nahe, dass sich dieses Verhalten bereits im Begriff ist, sich zu ändern.

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