Nachgerechnet So mogeln Banken bei den Sparzinsen

„Clever anlegen zur richtigen Zeit“, „besser als das Sparbuch“, „dynamischer Sparplan mit bis zu 7% Bonus“, die Banken überschlagen sich mit angeblich tollen Angeboten. Auf den zweiten Blick ist alles Augenwischerei.
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Mogelpackung anstatt attraktive Zinsen

Mogelpackung anstatt attraktive Zinsen

So mancher Sparer mag sich die Augen reiben, wenn er sieht, welch attraktive Zinsen Banken und Versicherungen derzeit bieten: Mit vier Prozent lockt die Postbank, bis zu sieben Prozent bietet die Commerzbank, und 3,5 Prozent gibt’s auf das „bessere Sparbuch“ von Cosmos Direkt. Doch was im Paket wirklich drin ist, offenbart sich erst auf den zweiten Blick.

Das „bessere Sparbuch“ von Cosmos Direkt etwa ist laut Werbung ein „flexibler Vorsorgeplan“ mit „bis zu 3,5 Prozent“ Zinsen. Betonung auf „bis zu“. Sparer sollen wie bei einem Sparplan regelmäßig einzahlen. Im ersten Jahr gibt es aber leider gar keine 3,5 Prozent Zinsen, sondern nur 1,6 Prozent, im zweiten sind es dann 2,2 Prozent, und erst im dritten Sparjahr bekommt der Sparer die 3,5 Prozent. Und danach? Ab Jahr vier garantiert Cosmos Direkt nur noch 1,25 Prozent. Weitere 2,25 Prozent sind bloß ein „variabler Zinsüberschussanteil“, der laut Kleingedrucktem jährlich neu festgelegt wird.

Wie viel Zinsen der Sparer dann wirklich bekommt, ist also völlig offen. Trotzdem geht Cosmos Direkt in einer beeindruckenden Modellrechnung samt Grafik davon aus, dass der Sparer – sollte er 25 Jahre lang einzahlen – auch durchgehend die attraktiven 3,5 Prozent bekommt. Dann hätte er bei einer monatlichen Sparrate von 300 Euro am Ende 142.430 Euro Kapital.

Bekäme er im schlechtesten Fall auf seine Ersparnisse aber nur den garantierten Zins von 1,25 Prozent, wären es am Ende 117.230 Euro. Ein Unterschied von mehr als 25.000 Euro. Was letztlich herauskommt, ist also offen. 3,5 Prozent Zins? Da wird in der Werbung wohl deutlich zu dick aufgetragen.

Als Mogelpackung kommen auch die sieben Prozent von der Commerzbank daher. Garantiert sind bei dem sechsjährigen Sparplan – Motto „weil sich regelmäßiges Sparen lohnt“ – nur lächerliche 0,5 Prozent Zinsen im Jahr.

Jeweils zum Jahresende kommt ab dem dritten Jahr auf die Sparraten ein Bonus dazu. Auf die Sparraten des letzten Jahres wohlgemerkt, nicht auf das Gesamtguthaben: ein Prozent nach zwei Jahren, zwei Prozent auf die Sparleistung des dritten Jahres – und in teils größeren Schritten so weiter. Die sieben Prozent auf die jährliche Sparleistung gibt es erst nach dem sechsten Sparjahr.

Dann hat der Kunde, wenn er dabeibleibt, 7.528 Euro auf dem Konto. Auf 7.200 eingezahlte Euro hat er dann gerade einmal 328 Euro Zinsen bekommen. Ergibt eine Durchschnittsrendite von 1,46 Prozent pro Jahr. Nix mit sieben Prozent!

Besonders raffiniert macht es die Postbank. Mit vier Prozent kommen dort Kunden laut Werbeprospekt in die Fondsanlage „Top Invest“. Die vier Prozent Jahreszins gibt es aber nur ein paar Monate lang: Eine eingezahlte Anlagesumme, sagen wir 30.000 Euro, wird schrittweise in einen Fonds nach Wahl umgeschichtet. Im ersten Monat 5.000 Euro, im zweiten 5.000 und so weiter. Bis im sechsten Monat alles Geld im Fonds ist. Der Anleger bekommt dafür 250 Euro Zinsen. Er zahlt aber je nach Fonds kräftig Gebühren, am Schalter den vollen Ausgabeaufschlag. Beim angebotenen DWS Top Dividende wäre er dann 1.500 Euro Gebühren los.

Ich persönlich würde um alle drei Produkte einen Bogen machen. Im Moment gibt es nun mal keine hohen Zinsen. 3,5, vier oder gar sieben Prozent? Da stimmt irgendetwas nicht. Die Rechenarbeit kann ich mir beinahe sparen.

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11 Kommentare zu "Nachgerechnet: So mogeln Banken bei den Sparzinsen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Ich weiß nicht, wie lange noch dieses Ringen dauern wird! Nur EINES weiß ich: am Ende wird unser SIEG stehen!"

    Wie lange wird Michel noch hinter Adolfs Schwester hertrotteln?
    Da haben uns die Südeuropäer was voraus: die haben ihre Regierungen alle abgewählt. Ist zwar nicht besser geworden, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet.

    N A C H M A C H E N !

  • Daumen nochmal hoch!

  • Ín Holland gibt es bessere Zinsen....?
    Mag stimmen.
    In Griechenland sind die Zinsen noch besser...
    Was sagt uns das???
    Der Zins ist IMMER ein Preis für das Risiko, dass der Kunde bereit ist einzugehen.
    Nicht umsonst zahlen Ihnen die Sparkassen oder Volksbanken unter 1 % !!!
    Wer das nach der Bankenkrise immer noch nicht verstanden hat, der hat scheinbar zuviel Geld.
    ...Gier frisst Hirn.....

  • Daumen hoch.... So. Jetzt geh ich mal ins Autohaus und kauf mir das erstbeste Auto. Ohne mir vorher Prospekte anzusehen, ohne vorher wochenlang Fachagazine zu lesen, ohne mich beraten zu lassen, ohne stundenlang um Prozentpunkte zu feilschen, usw. usw. Sollte dann aber nur ein 1/10 Liter mehr Benzin verbraucht werden als in der Anleitung steht, gehe ich sofort vors Bundesverfassungsgericht... Nacht zusammen.

  • Ich sehe da keine "Mogelpackung" bei dem Bonus der Commerzbank. Wer den Unterschied zwischen "7% Zinsen" und "bis zu 7% Bonus" nicht versteht, sollte sich für Finanzgeschäfte besser unter Betreuung stellen lassen.

  • Alles nur noch Schwindel und Betrug, wo man hinschaut, und unsere geliebte, freischwebende Bundeskanzlerin verkündet: "Es kann dauern und schwer werden, aber alles wird gut". Na ja, wohl dann.

  • Das Produkt von Cosmos direkt ist hier nur als Sparplan erwähnt. Man kann aber auch eine größere Einmalzahlung leisten, dann finde ich, ist das Produkt nicht schlecht. Ein großer Vorteil ist, daß man das Guthaben trotz der Laufzeit von 25 Jahren jederzeit mit einer Frist von einem Monat kündigen kann, im Prinzip also durchaus mit einem Tagesgeld vergleichbar. So gesehen ist die Verzinsung jedenfalls interessant.

  • Wieso nennt man das nicht beim richtigen Namen BETRUG?
    Nicht nur Regierungsamtsblatt, sondern auch das des Bankenverbandes, wobei das ja Eins und Daselbe ist!

  • "GAUNER, GANGSTER, BETRÜGER, HEHLER, STEHLER und BANKSTER!"

    Also, was will uns der Artikel gerade zum Zeitpunkt des Prozesses von Opppenheim in Köln wohl sagen?
    Das unter den gegebenen Umständen eine Vertrauensbasis zu Banken im allgemeinen und im Schuldensumpf Europas auch im besonderen nicht zu leisten ist.
    Die Alternative ist in der Tat, sein bares unter den Kopfkissen zu legen, oder ...
    die Werbung suggeriert es doch: In Holland gibt es welche, die zahlen halt mehr.

  • Die dürfen das. Es sind ja Banken. Mit denen wird sich keine Wettbewerbszentrale anlegen.

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