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Pflegevorsorge Patientenverfügung, Testament und Vollmacht digital – Das Geschäft mit dem Lebensende

Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht und Testament werden nun auch digitalisiert angeboten. Aber der Nutzen ist nicht immer sofort erkennbar.
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Patientenverfügung und Testamente werden digitalisiert angeboten Quelle: picture alliance / Westend61
Frau mit Laptop auf der Couch

Eine Patientenverfügung lässt sich inzwischen auch online verfassen.

(Foto: picture alliance / Westend61)

FrankfurtSie heißen zum Beispiel Afilio, PatientenverfügungPlus, Dipat oder Wonder Legal. Sie bieten an, per Mausklick komplizierte Themen kostengünstig zu regeln, für die andere Kunden einen Anwalt oder Notar aufsuchen. Diese Firmen verwandeln die Klicks in juristisch möglichst unangreifbare Texte, die direkt verwendet werden können.

Nur bei Testamenten müssen sie von Hand abgeschrieben werden. Die Firmen geben die Hoffnung, unangenehme Themen, die mit dem Ende des Lebens zusammenhängen, auf möglichst schnelle und bequeme Weise zu bewältigen.

Die Kosten sind überschaubar, sie liegen meist im zweistelligen Bereich. Oft gibt es Zusatzleistungen, etwa Notfallausweise oder Aufkleber, über die die abgespeicherten Formulare im Internet schnell abrufbar sind.

Der Blick auf die Details offenbart unterschiedliche Ansätze, aber durchaus auch Schwächen. Außerdem gibt es online hervorragende Angebote, bei denen man sich nicht durchklicken, sondern nur Textbausteine kopieren oder ankreuzen muss.

Wonder Legal ist ein Angebot, das sich auf juristische Texte aller Art bezieht. Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht und Testament sind nur ein kleiner Ausschnitt davon. Vor dem elektronischen Fragebogen steht jeweils eine kurze Einleitung ins Thema mit Nennung von wichtigen Gesetzestexten.

Die Fragen sind dann sehr detailliert. Außerdem kann man sich auf einem geteilten Bildschirm links durch die Fragen klicken und sieht rechts gleich, welcher Textbaustein dadurch entsteht.

Wir entwickeln das Angebot zusammen mit unseren Kunden weiter. Philip Harms, Geschäftsführer bei Afilio

Wer per Klick bejaht, für bestimmte Fälle schwerer Krankheit eine Anordnung zur künstlichen Beatmung zu treffen, sieht zum Beispiel rechts den Text auftauchen: „In den zuvor aufgeführten Umständen wünsche ich, dass keine künstliche Beatmung durchgeführt wird, selbst wenn bereits eine eingeleitet wurde. Hierbei möchte ich jedoch Medikamente zur Minderung der Luftnot erhalten. Die Möglichkeit einer ungewollten Verkürzung meiner Lebenszeit durch diese Medikamente nehme ich in Kauf.“

Etwas überraschend ist bei der Website von Wonder Legal, dass bei Testamenten offenbar die Möglichkeit eines Vermächtnisses (das vor der Erbschaft ausgezahlt oder ausgehändigt wird, etwa ein wertvolles Schmuckstück oder eine Wohnung) nur für Nicht-Erben vorgesehen ist.

Afilio zum Beispiel hält als Variante auch Vermächtnisse für Erben bereit und fragt ab, ob sie auf die Erbschaft angerechnet werden sollen. Falls ja, liegt juristisch besehen eine Teilungsanordnung vor. Positiv ist aber, dass Wonder Legal auch das sogenannte Berliner Testament mit gegenseitiger Einsetzung von Eheleuten bewältigt. Afilio bietet das nicht an.

Bei PatientenverfügungPlus fällt auf, dass die Fragen in recht einfachem, aber nicht immer präzisem Deutsch gestellt werden. Wer den vom Programm generierten Text liest, stellt jedoch fest, dass dieser trotzdem präzise formuliert ist, um juristisch haltbar zu sein. Allerdings kann der Kunde den Text hier erst lesen, wenn er alles abgeschlossen und bezahlt hat.

SMS für Angehörige

Dipat generiert bei der Patientenverfügung sehr detaillierte Texte und hat ein System entwickelt, das über einen Aufkleber Patientenverfügungen für Ärzte bereithält, außerdem können automatisch per SMS Angehörige benachrichtigt werden. Afilio hat sich vorgenommen, den ganzen Themenbereich, der mit Alter und Lebensende zu tun hat, umfassend zu bearbeiten, wie Afilio-Chef Philip Harms im Gespräch erklärt.

Zusätzlich zu Onlinefragebögen gibt es einen Chat. Das Angebot wirkt aber insgesamt noch nicht ausgereift. Sehr befremdend ist zum Beispiel, dass eine Sterbegeldversicherung als wichtiger eingestuft wird als eine Patientenverfügung. Außerdem wird unabhängig von den eingegebenen Finanzdaten immer eine private Pflegeversicherung empfohlen. Harms verspricht aber: „Wir entwickeln das Angebot zusammen mit unseren Kunden weiter.“

Insgesamt ist fraglich, ob die Klick-Dienstleister, abgesehen von Zusatzleistungen wie Notfallaufklebern, Vorteile zum Beispiel gegenüber den entsprechenden Angeboten des Bundesjustizministeriums und zum Teil auch kirchlicher Stellen bieten. Das Ministerium bietet auf seiner Website präzise Textbausteine für alle wichtigen Formulare, wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Es gibt ergänzende Hinweise, zum Beispiel, dass es sinnvoll ist, gesondert Bankvollmachten zu erteilen. Zu jedem Themengebiet informiert eine Gratisbroschüre ausführlich und verständlich.

Das Klick-Erlebnis bietet dagegen in vielen Fällen keinen nennenswerten Mehrwert, Informationen sind manchmal hinter einzelnen Buttons versteckt oder nicht vorhanden. Wichtig außerdem: Eine persönliche Beratung durch einen Arzt und einen Anwalt ist ohnehin durch kein Onlineangebot zu ersetzen.

Mehr: Patientenverfügung, Vollmacht, Betreuung – die Pflegevorsorge ist komplex. Wir haben für Sie eine Übersicht der Dinge zusammengestellt, die es frühzeitig zu klären gilt.

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