Riester-Rente Hohe Kosten, kleine Rente

Riester-Rentenversicherungen gelten als teuer und kompliziert, Versicherern laufen die Kunden weg. Eine Analyse für das Handelsblatt zeigt, mit welchen Zahlungen Riester-Sparer bei verschiedenen Varianten rechnen können.
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Die Nachfrage nach den staatlich geförderten Policen schwächelt. Quelle: dpa
Riester-Rente

Die Nachfrage nach den staatlich geförderten Policen schwächelt.

(Foto: dpa)

KölnDie Riester-Rente kommt nicht aus der Krise. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der neu abgeschlossenen Riester-Verträge erneut geschrumpft. Nach Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben die Deutschen bloß rund 346.000 solcher förderfähigen Policen neu abgeschlossen. Das waren 7,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Schon das Jahr 2015 war für die Lebensversicherer mit einem Einbruch um rund 20 Prozent beim Riester-Neugeschäft ein Desaster. Nicht zuletzt wegen der vergleichsweise wenigen Neuabschlüsse sank im Jahr 2016 der Gesamtbestand an Riester-Policen um 0,9 Prozent auf 10,7 Millionen Verträge. Und: Zirka jeder fünfte Riester-Vertrag ist ruhend gestellt, Sparer zahlen also vorerst keine weiteren Beiträge mehr.

Die staatlich geförderten Riester-Produkte sollen die Deutschen eigentlich dazu animieren, privat fürs Alter vorzusorgen. Wer riestern will, kann zwischen mehreren Varianten wählen. Es gibt klassische Versicherungen, Investmentfonds-Lösungen, Banksparpläne, geförderte Bausparverträge sowie Immobiliendarlehen. Den Großteil der Riester-Produkte machen Versicherungen aus. Ausgerechnet diese stehen immer wieder in der Kritik: „Die Kosten der Verträge sind oft so hoch, dass sie die Zulagen auffressen“, sagt Kerstin Becker-Eiselen, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. „Riester-Rentenversicherungen haben in den vergangenen Jahren so schlecht abgeschnitten, dass sie den Ruf des Riesterns insgesamt beschädigt haben.“

So unterschiedlich altert Deutschland
Deutschland wird älter
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2015 bekam eine Frau im Schnitt 1,5 Kinder – und lag damit unter dem EU-Durchschnitt. Dementsprechend werden die Deutschen älter. Unterschiede sind vor allem zwischen Ost- und Westdeutschland zu sehen.

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Ostdeutschland
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In einigen ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten liegt das Durchschnittsalter bei 49 Jahren, wie beispielsweise in Suhl, im Altenburger Land und in Dessau. Der Anteil der über 64-Jährigen ist hier groß und liegt bei knapp 60 Prozent.

Universitätsstädte
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Im Gegensatz dazu sind in Heidelberg nur rund 16 Prozent der Menschen älter als 64 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt hier 39,9 Jahre, ähnlich wie in der Universitätsstadt Freiburg: Hier sind die Einwohner durchschnittlich 39,8 Jahre alt.

Landflucht
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Viele strukturschwache Gebiete verlieren junge Menschen und altern deswegen schneller. Die Kluft zwischen wachsenden Groß- und Universitätsstädten und den Gebieten jenseits der Ballungsräume hat sich in den letzten Jahren vertieft. Besonders stark macht sich die Alterung der Bevölkerung in strukturschwachen Gebieten bemerkbar. Allein zwischen 2000 und 2015 haben Landkreise wie Suhl (minus 22 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (minus 21,7 Prozent) und Spree-Neiße (minus 19,9 Prozent) jeden fünften Einwohner verloren.

Junges Deutschland
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Neben Universitätsstädten wie Tübingen, Erlangen, Regensburg oder Eichstätt haben auch einige Umlandkreise der wirtschaftsstarken Metropolen ein niedriges Durchschnittsalter, beispielsweise Freising (40,6) und Erding (41,4) bei München. Viele Familien zieht es hier aus den Kernstädten ins engere Umland.

Land heißt nicht unbedingt alt
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Aber nicht alle ländlichen Räume überaltern. Generell ist das Durchschnittsalter in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie im Nordwesten Deutschlands besonders niedrig. So haben einige Landkreise im Westen – wie Vechta (40,0) oder Cloppenburg (40,1) – eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Ein Grund dafür sind hohe Geburtenraten.

Landeshauptstadt Mainz – ein recht junges Pflaster
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Die jüngsten Landeshauptstädte Deutschlands sind Mainz, Stuttgart und München. Ihre Einwohner sind durchschnittlich unter 42 Jahre alt.

Der Gesetzgeber ist sich der Probleme bewusst. Zum kommenden Jahreswechsel wird die staatliche Grundzulage für Riester-Produkte angehoben, von 154 auf 175 Euro pro Jahr. Die Erhöhung der Zulage wird allerdings nicht viel nützen, sagt Becker-Eiselen. Das Finanzamt berechnet nämlich, ob für Riester-Sparer die Zulagen oder eine Steuerersparnis günstiger ist. Das bedeutet: Je höher die Riester-Zulage, desto weniger Steuern sparen die Riester-Kunden. Nur wer einen niedrigen Steuersatz hat – wie etwa Familien mit vielen Kindern –, für den dürfte sich die Erhöhung bemerkbar machen. „Kinderreiche Familien profitieren davon“, sagt die Verbraucherschützerin. Für alle anderen Riester-Sparer seien die Nachbesserungen nicht mehr als Kosmetik. „Durch geringere Steuervorteile bleibt der Sparbetrag trotz höherer Zulagen unterm Strich gleich.“

Und noch eine Änderung ist geplant: Weil vor allem Geringverdiener von Altersarmut bedroht sind, wird es für die Grundsicherung im Alter einen Freibetrag auf das Einkommen aus Riester-Renten geben. Anspruch auf die Sozialleistung „Grundsicherung“ können Rentner haben, wenn ihr Einkommen nicht für ihren Lebensunterhalt ausreicht. Bis zu 204,50 Euro pro Monat werden künftig nicht mehr auf diese Grundsicherung angerechnet.

Hier eine Ausnahme, da eine Sonderregelung – Riester-Rentenversicherungen kranken auch daran, dass sie für viele Sparer schlicht zu kompliziert sind. „Verbraucher verstehen die Produkte nicht“, sagt Becker-Eiselen. Seit vergangenem Jahr ist es noch schwieriger, einzelne Policen zu vergleichen. Grund dafür ist ausgerechnet ein Versuch des Bundesfinanzministeriums, die Transparenz von Altersvorsorgeprodukten zu erhöhen. Seit 2016 werden Riester-Produkte in bestimmte Chance-Risiko-Klassen einsortiert. Darüber hinaus müssen Anbieter die Wertentwicklung und die Effektivkosten ihrer Riester-Policen nach einer Methodik berechnen und ausweisen, die die unabhängige „Produktinformationsstelle Altersvorsorge“ (PIA) vorgibt. „Die Effektivkostenquote versteht kein Mensch“, kritisiert Becker-Eiselen.

Das Ratinghaus Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt Riester-Policen analysiert und bewertet. Ein weiterer Vergleich, der in den kommenden Tagen auf Handelsblatt.com erscheint, befasst sich mit Rürup-Produkten. Auch private Rentenversicherungen wurden schon getestet. Die Riester-Analyse stützt nun die Einschätzung von Verbraucherschützern: Riester-Rentenversicherungen sind kompliziert, und die garantierte Rente inklusive Zulagen fällt oft bescheiden aus.

Verbraucherschützer monieren Kosten
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  • Noch nicht einmal die alten Lebensversciherungen die nun für die Babyboomer in den nächsten hahren sukzessive fällig werden haben sich rentiert. Von den nach 2005 abgeschlossenen Verträgen und auch das Riestergeschäft ganz zu schweigen. Alleine wegen den späteren Abgaben (nachgelageret Besteureung) und der niedrigen Zinsen, sowie etliche Nachteile der Rieserrente gegenüber anderen Anlageformen. Hier sind die Kunden vom Gesetzgeber mehr als eingeschränkt worden.

    Es geht soweit, dass die Kunden sich an Deutschland gebunden haben.

    Eine Ehe für's Leben.

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