Rürup-Rente So können Gutverdiener fürs Alter vorsorgen

Die Rürup-Rente wird nur von wenigen genutzt, doch für Gutverdiener mit hoher Steuerlast kann sie sich lohnen. Eine Analyse von Franke und Bornberg für das Handelsblatt zeigt, wie sich die Angebote unterscheiden.
Update: 22.08.2017 - 11:41 Uhr 1 Kommentar
Wer im Alter ein gutes Einkommen haben will, muss früh vorsorgen. Quelle: dpa
Rente

Wer im Alter ein gutes Einkommen haben will, muss früh vorsorgen.

(Foto: dpa)

KölnDie Zahl der Selbständigen in Deutschland steigt. Im Jahr 2015 waren laut Mikrozensus branchenübergreifend – ohne Land- und Forstwirtschaft – rund vier Millionen Berufstätige ihr eigener Chef. Damit gab es rund 165.000 oder 4,3 Prozent mehr Selbständige als im Jahr 2005. Vor allem Frauen wählen seit einigen Jahren immer häufiger den Weg in die Selbständigkeit.

Die zunehmende Autonomie in der Arbeitswelt hat jedoch Schattenseiten. So haben vor allem sogenannte Solo-Selbständige, die ihren Job ohne Mitarbeiter erledigen, kaum Geld für die soziale Absicherung übrig. Viele Einzelkämpfer verdienen weniger als 1.100 Euro netto im Monat. Rund 100.000 Solo-Selbständige nehmen sogar so wenig ein, dass sie ihren Verdienst mit Hartz IV aufstocken müssen. Ihnen allen droht die Altersarmut.

So unterschiedlich altert Deutschland
Deutschland wird älter
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2015 bekam eine Frau im Schnitt 1,5 Kinder – und lag damit unter dem EU-Durchschnitt. Dementsprechend werden die Deutschen älter. Unterschiede sind vor allem zwischen Ost- und Westdeutschland zu sehen.

Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung

Ostdeutschland
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In einigen ostdeutschen Landkreisen und kreisfreien Städten liegt das Durchschnittsalter bei 49 Jahren, wie beispielsweise in Suhl, im Altenburger Land und in Dessau. Der Anteil der über 64-Jährigen ist hier groß und liegt bei knapp 60 Prozent.

Universitätsstädte
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Im Gegensatz dazu sind in Heidelberg nur rund 16 Prozent der Menschen älter als 64 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt hier 39,9 Jahre, ähnlich wie in der Universitätsstadt Freiburg: Hier sind die Einwohner durchschnittlich 39,8 Jahre alt.

Landflucht
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Viele strukturschwache Gebiete verlieren junge Menschen und altern deswegen schneller. Die Kluft zwischen wachsenden Groß- und Universitätsstädten und den Gebieten jenseits der Ballungsräume hat sich in den letzten Jahren vertieft. Besonders stark macht sich die Alterung der Bevölkerung in strukturschwachen Gebieten bemerkbar. Allein zwischen 2000 und 2015 haben Landkreise wie Suhl (minus 22 Prozent), Oberspreewald-Lausitz (minus 21,7 Prozent) und Spree-Neiße (minus 19,9 Prozent) jeden fünften Einwohner verloren.

Junges Deutschland
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Neben Universitätsstädten wie Tübingen, Erlangen, Regensburg oder Eichstätt haben auch einige Umlandkreise der wirtschaftsstarken Metropolen ein niedriges Durchschnittsalter, beispielsweise Freising (40,6) und Erding (41,4) bei München. Viele Familien zieht es hier aus den Kernstädten ins engere Umland.

Land heißt nicht unbedingt alt
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Aber nicht alle ländlichen Räume überaltern. Generell ist das Durchschnittsalter in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sowie im Nordwesten Deutschlands besonders niedrig. So haben einige Landkreise im Westen – wie Vechta (40,0) oder Cloppenburg (40,1) – eine vergleichsweise junge Bevölkerung. Ein Grund dafür sind hohe Geburtenraten.

Landeshauptstadt Mainz – ein recht junges Pflaster
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Die jüngsten Landeshauptstädte Deutschlands sind Mainz, Stuttgart und München. Ihre Einwohner sind durchschnittlich unter 42 Jahre alt.

Damit Selbständige und Freiberufler besser vorsorgen können, hat die Bundesregierung im Jahr 2005 die sogenannte Basisrente ins Leben gerufen. Umgangssprachlich wird diese Art der privaten Altersvorsorge auch Rürup-Rente genannt, nach dem Ökonom und ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup. Ebenso wie die staatliche Rente gehört sie zur sogenannten ersten Schicht der Altersvorsorge. Die zweite Schicht umfasst staatlich geförderte Produkte wie die Riester-Rente, die dritte Schicht enthält rein privat finanzierte Kapitalanlageprodukte wie etwa Rentenversicherungen.


Anders als die gesetzliche Rente ist die Rürup-Rente nicht umlagefinanziert, sondern kapitalgedeckt. In der Ansparphase können Rürup-Sparer ihre Beiträge teilweise als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Der steuerlich absetzbare Teil steigt dabei stetig an: Im Jahr 2025 wird er 100 Prozent betragen. Im Gegenzug müssen die späteren Rentenzahlungen versteuert werden. Auch das passiert sukzessive: Wer dieses Jahr in den Ruhestand geht, muss 74 Prozent seiner Rürup-Rente versteuern.

In den kommenden Jahren steigt dieser Prozentsatz, so dass die Rentenzahlungen im Jahr 2040 komplett versteuert werden müssen. Dabei gilt: Wie viel Prozent der Rürup-Rente steuerfrei sind, wird im Jahr des Rentenbeginns festgelegt. Danach ändert sich der Prozentsatz nicht mehr. Idealerweise fällt die Steuerersparnis in der Ansparphase höher aus als die Steuerlast während der Auszahlungsphase.

Wofür die Deutschen so viel sparen
Sparen macht glücklich
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80,4 Prozent der Deutschen haben 2016 gespart – das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Postbank. Damit ist die Zahl zum Vorjahr um mehr als fünf Prozentpunkte gestiegen. Sparen fördert dabei das Gefühl von Sicherheit und soll deshalb glücklich machen. Doch wofür genau sparen die Deutschen?

Platz 6: Notfälle
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Drei Prozent der Bundesbürger sparen für den Notfall. Dies können beispielsweise Unfälle, Arbeitsunfähigkeit oder Krankheiten sein. Im Vorjahr waren es noch vier Prozent.

Quelle: Frühjahrsumfrage 2017 des Verbands der Privaten Bausparkassen

Platz 5: Kinder
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Etwa genau so viele Deutsche sparen für die Ausbildung ihrer Kinder. Besonders Schulbücher, Exkursionen und das spätere Studium oder eine Ausbildung können das Portemonnaie belasten.

Platz 4: Kapitalanlage
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Trotz Risiken rückt das Sparmotiv „Kapitalanlage“ wieder mehr in den Fokus. 29 Prozent der Bundesbürger sparen dafür. Neben Investmentfonds, Aktien und festverzinslichen Wertpapieren spielen hier auch Kapitallebensversicherungen eine Rolle.

Platz 3: Haus
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42 Prozent der Deutschen sparen für den Traum vom eigenen Heim. Rechtzeitiges Vorsparen sei dabei der beste Weg, um die Verschuldung so gering zu halten, erklärt Andreas J. Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privaten Bausparkassen.

Platz 2: Altersvorsoge
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Das Sparmotiv Altersvorsorge wird wichtiger für die Deutschen. Im Vergleich zur letzten Umfrage legte das Motiv um vier Prozentpunkte zu und liegt damit bei 58 Prozent. Besonders die Nullzinspolitik entwertet die bestehende Absicherung und bereitet den Bundesbürgen Sorgen, im Alter arm zu sein.

Platz 1: Konsum
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Die meisten Deutschen sparen, um sich auch mal etwas zu gönnen. Für 61 Prozent ist Konsum der Hauptgrund, Geld zurückzulegen Angesichts der von der Europäischen Zentralbank weiter verordneten Nullzinsen sei das nicht überraschend.

Die Rürup-Rente lässt sich weder vererben noch übertragen, höchstens mit einer zusätzlichen Hinterbliebenenabsicherung. Man kann sie sich auch nicht auf einen Schlag auszahlen lassen, wie es mit Einschränkungen bei der Riester-Rente und bei privaten Rentenversicherungen möglich ist. Sie wird ausschließlich in monatlichen Tranchen ausgezahlt, genau wie die gesetzliche Rente, nach deren Vorbild sie gestaltet ist.

In den rund 13 Jahren ihres Bestehens hat die Rürup-Rente nicht viele Freunde gefunden. Im vergangenen Jahr umfasste der Bestand gerade einmal zwei Millionen Verträge. Das zeigen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Zum Vergleich: Der Riester-Bestand liegt bei 10,7 Millionen Verträgen. Verbraucherschützer kritisieren die hohen Kosten vieler Rürup-Produkte und ihre mangelnde Flexibilität.

Steuertipp für Gutverdiener
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1 Kommentar zu "Rürup-Rente: So können Gutverdiener fürs Alter vorsorgen"

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  • Der ganze Blickwinkel des Artikels ist völlig schief: Wer sich als "Selbständiger" keine vernünftige Altersversorgung leisten kann, damit meine ich eine absolute Untergrenze von 1000 EUR/Monat, ist als "Selbständiger" falsch: Das Finanzamt oder sonst wer hat ihm die Gammelei als "Lebenskünstler" zu verbieten, weil das nur in der sozialen Hängematte enden kann.

    Ich beobachte das seit vielen Jahren, beispielsweise bei Übersetzern: Mit der faulen Ausrede "der Markt gibt nicht mehr her" machen sie den verantwortungsbewusst kalkulierenden Kollegen die Preise kaputt. Dafür wollen sie dann von denen durchgefüttert werden, die sie vorher geschädigt haben.

    Entweder man ist aus dem Holz, aus dem sich Unternehmer schnitzen. Oder man braucht einen Chef der einem sagt, wo's lang geht. Das durchzusetzen ist die Aufgabe des Staates.

    Alles andere führt doch nur dazu, dass bestimmte Marktteilnehmer aus eigener Machtvollkommenheit beschließen, wann und wie viele Subventionen ("Sozialleistungen") sie sich abholen wollen.

    Die Rürup-Rente hat den Vorteil, dass sie auch eine Pleite übersteht. Aber ansonsten entzieht sie dem Unternehmer Kapital, das er selber besser einsetzen kann.

    Ach ja: Ich bin seit dem letzten Jahrtausend selbständig und lebe erfolgreich nach obigen Grundsätzen. Bis 67 muss ich sicher nicht arbeiten. Aber vielleicht habe ich Lust dazu.

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